Heer

Gelebte Gleichberechtigung im Heer

Gelebte Gleichberechtigung im Heer

  • Frauen
  • Heer
Datum:
Ort:
Lüneburg
Lesedauer:
3 MIN

Seit 20 Jahren dürfen Frauen in allen Truppengattungen des Heeres Dienst mit der Waffe leisten. Sie fliegen Hubschrauber, springen aus Flugzeugen und fahren Panzer. Sie kommandieren Bataillone und Kompanien. Wie in Lüneburg beim Aufklärungslehrbataillon 3. Gleichberechtigung ist auch hier gelebte Realität.

In einem Militärzelt informiert eine Soldatin zwei männliche Kameraden über die aktuelle Auftragslage.

Beim Lagevortrag zur Unterrichtung, kurz LVU, informiert Hauptmann Stefanie Wulf ihre Vorgesetzten detailliert über ihre Pläne und Vorhaben. Basierend darauf fällen diese dann ihre Entscheidungen und erteilen Befehle.

Bundeswehr/Andy Meier

Mehr als 23 000 Frauen dienen in der Bundeswehr, davon sind 6 178 Offiziere. Frauen stellen damit einen Anteil von 12,6 Prozent aller Soldaten in der Bundeswehr. Auch beim Deutschen Heer sind Frauen mittlerweile zahlreich vertreten. Beim Aufklärungslehrbataillon 3 in Lüneburg dienen Frauen in allen Dienstgradgruppen: Von 560 Soldaten in der Lüneburger Theodor-Körner-Kaserne sind 79 Frauen. Für Oberstleutnant Hendrik Staigis, Kommandeur der Lüneburger Aufklärer, ist das längst Alltag: „Für mich spielt es keine Rolle, mit wem ich zusammenarbeite„, sagt er. „Eignung, Leistung, Befähigung und Charakterstärke sind entscheidend, nicht das Geschlecht!“ Experten gehen davon aus, dass der Anteil der Frauen in den Streitkräften in den nächsten Jahren weiter auf bis zu 15 Prozent ansteigen wird.

Kompaniechefin der Aufklärungstruppe

Eine bewaffnete Soldatin steht auf einer Wiese und spricht zu ebenfalls bewaffneten, abgeknieten Soldaten.

Bei der Befehlsausgabe informiert Hauptmann Stefanie Wulf ihre Unterführer detailliert über ihre Vorhaben. Im Anschluss daran erteilt sie die zum Erreichen der gesteckten Ziele notwendigen Befehle.

Bundeswehr/Andy Meier

Hauptmann Stefanie Wulf sagt dazu: „Wichtig ist, dass alle die gleichen Chancen und Rahmenbedingen bekommen. Egal, ob sie Mann oder Frau sind.“ Wulf ist Berufssoldatin und 2008 in die Bundeswehr eingetreten. Für den Soldatenberuf hat sie sich ganz bewusst entschieden: „Ich hätte auch bei der Bundespolizei anfangen können„, sagt Wulf rückblickend. Sie studierte aber an der Helmut-Schmidt-Universität der Bundeswehr in Hamburg Wirtschaftsingenieurwesen und Maschinenbau, „als einzige Frau in meinen Jahrgang“, fügt sie schmunzelnd hinzu. Jetzt, mit 31 Jahren, führt sie die Versorgungs- und Unterstützungskompanie der Lüneburger Aufklärer, ist Chefin von 156 Soldaten. Fragt man die männlichen Soldaten, was sich seit 2001 in der Bundeswehr verändert hat, antworten viele: „Der Ton ist freundlicher geworden.“ Führen Frauen also anders als Männer? „Das glaube ich nicht“, sagt Stefanie Wulf. Aber vielleicht würden Frauen nur deshalb auffallen, weil es noch nicht allzu viele in Führungsverantwortung gebe. Staigis dazu: „Ich würde mich freuen, wenn mehr junge Frauen ihre Scheu vor dem Arbeitgeber Bundeswehr verlieren.“ Denn für ihn ist klar: „Wir können und wir wollen auf die Tatkraft und das Engagement der Frauen in der Truppe nicht verzichten.“

Materialbewirtschafterin aus Berufung

Zwei Soldatinnen mit Mund-Nasenschutz kontrollieren eine Waffe auf Sauberkeit und Funktion.

Vor dem Einlagern der Waffen in die Waffenkammer prüfen Hauptfeldwebel Mandy Wegener (l.) und ihre Waffenkammergehilfin, Maja Matysiak, jede Waffe auf Herz und Nieren.

Bundeswehr/Andy Meier

Scheu vor der Bundeswehr kennt Mandy Wegener nicht: Die 40-Jährige mit Dienstgrad Hauptfeldwebel hat sich als Zeitsoldatin für 25 Jahre verpflichtet. Für die gelernte Einzelhandelskauffrau war immer klar: „Wenn ich zur Bundeswehr gehe, dann in den Logistikbereich.“ Jetzt ist sie Materialbewirtschaftungsfeldwebel der 3. Kompanie und unter anderem verantwortlich für die Waffenkammer. „Der Soldatenberuf ist für mich Berufung“, sagt sie, „geprägt von Kameradschaft und Zusammenhalt.“ Zwei Auslandseinsätze hat Wegener hinter sich, war mit den Lüneburger Aufklärern in Afghanistan und in Mali. Sie liebt den Soldatenberuf, mag es, mit Menschen zusammenzuarbeiten: „Sind die Menschen glücklich, macht die Arbeit Spaß“, sagt sie und wendet sich ihrem eigentlichen Auftrag zu: der Kontrolle eines Maschinengewehrs, das nach einem Schießtag zurück in die Waffenkammer gebracht wird und vor der Einlagerung auf Herz und Nieren geprüft wird.

Soldatin und Mutter

Eine Soldatin blickt prüfend durch den Lauf eines Sturmgewehres in die Kamera.

Bei der Überprüfung der Waffen auf Verschmutzungen und Beschädigungen ist Genauigkeit gefordert. Hauptgefreite Maja Matysiak weiß, worauf es bei der Einlagerung von Waffen und Gerät in die Waffenkammer ankommt.

Bundeswehr/Andy Meier

Auch für Hauptgefreite Maja Matysiak ist es nichts Ungewöhnliches, als Frau bei der Truppe zu arbeiten: Die junge Mutter einer kleinen Tochter hat sich für zwölf Jahre verpflichtet. Seit einem Jahr nun trägt sie die Flecktarnuniform. „Ich wollte mich eigentlich schon mit 20 zur Truppe melden„, sagt die gelernte Kosmetikerin aus Sachsen-Anhalt. Doch zuerst wurde sie Mutter, musste ihre Karrierepläne aufschieben. „Meine Freunde und mein Bruder haben mich in meinem Berufswunsch bestärkt, finden gut, was ich mache“, so die 25-Jährige, die auch schon konkrete Karrierepläne hat: „Ich möchte in die Feldwebellaufbahn wechseln.“ Dieses Ziel verfolgt sie konsequent. Die Hauptgefreite hat sich jetzt von Lüneburg zum Panzerpionierbataillon 1 nach Havelberg versetzen lassen – zurück in die Heimat. Für sie und viele andere Kameradinnen des Heeres ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf gelebte Wirklichkeit, nicht nur gedruckte Worthülse.

von Klaus Reschke

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