Ghana: Fit für den Kampf am Gewässer
Die Luftlandebrigade 1 unterrichtet in Ghana Soldatinnen und Soldaten. Sie setzt so die Sicherheits- und Verteidigungsinitiative der EUEuropäische Union um.
Die Luftlandebrigade 1 unterrichtet in Ghana Soldatinnen und Soldaten. Sie setzt so die Sicherheits- und Verteidigungsinitiative der EUEuropäische Union um.
Kurz nach Sonnenaufgang, 30 Grad: Am Geländesandkasten gehen Infanteristen erste Verteidigungstaktiken durch. Ein paar Meter weiter haben Pioniere mehrere Boote zu Wasser gelassen. Mit jeder Ausbildungsstunde steigen die Temperaturen. Deutsche Fallschirmjäger bilden ghanaische Soldatinnen und Soldaten 100 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt Accra aus.
Fallschirmjäger aus Zweibrücken und Luftlandepioniere aus Saarlouis sind auf Mission in Afrika, genauer in Ghana unterwegs. Ihre Mission heißt Ausbildung. Der Volta-Stausee, der flächenmäßig größte künstlich angelegte Stausee der Erde, ist ihr Ausbildungsplatz. Ghana vertieft seine militärische Partnerschaft mit Europa, Heeressoldaten bilden vor Ort aus. Die zweiwöchige Ausbildung der Army Combat Training School setzt auf die Methodik – Training of Trainers. Die deutschen Soldaten bilden also ghanaische Ausbilder aus, die ihre Erkenntnisse wiederum in ihren Unterricht als Ausbilder einfließen lassen und so an die Truppe vor Ort weitergeben. Kampf am und auf dem Wasser – steht für alle auf dem Ausbildungsplan.
„Der Einsatz unserer Ausbilderteams zeigt die anhaltende Dynamik beim Engagement zwischen Deutschland, der Europäischen Union und Afrika. Diese Ausbildung setzt Zeichen in Bereichen der Zusammenarbeit, Mobilität, Resilienz und ganz besonders in professioneller militärischer Ausbildung zwischen verschiedenen Nationen.“
Für die Infanteristen vom Fallschirmjägerregiment 26 geht es in der Ausbildung zunächst um Grundlagen – um River Crossings Operation, also die Gewässerüberquerung. Sie ist komplex und taktisch anspruchsvoll. Militärische Operationen an Gewässern sind immer von hoher strategischer Bedeutung. Der Grundsatz „Wer die Gewässerzone beherrscht, kann schnell Truppe bewegen“ gilt nach wie vor.
Die Ausbildung folgt dem Grundsatz: Fördern durch Fordern. Die Ausbilder erweitern stets ihre Anforderungen.
Bundeswehr/Marcus Gierschek
Der Ausbildung am Sandkasten folgt die Übertragung in das Gelände. Die Taktiken aus der Theorie werden in der Praxis angewandt und wenn nötig nachgebessert.
Bundeswehr/Marcus GierschekHauptfeldwebel Moritz K. ist Fallschirmjäger. Er beschreibt die Ausbildung: „Wir führen hier in der Ausbildung infanteristische wie auch pioniertechnische Fähigkeiten zusammen. Zunächst geht es darum, das Gelände rund um die geplante Übergangsstelle zu sichern. Wir sprechen dabei vom sogenannten Perimeter rund um die Beach Landing Site, also den Landeabschnitt, an dem die Soldaten mit ihren Booten an Land kommen.“
Es geht dabei um taktische Verfahren, welche die Infanteristen an Land anwenden – etwa den Kampf gegen auftretenden Feind oder das Sichern der Uferzone, um die eigenen Truppen nicht zu gefährden. Die Ausbildung folgt dabei dem Grundsatz vom Einfachen zum Schweren. So vermitteln die Fallschirmjäger die Taktiken erst im theoretischen Unterricht, dann am Geländesandkasten, bevor es für die Soldatinnen und Soldaten in Trupp-, Gruppen-, und schließlich Zugstärke ins Gelände rund um den Volta-Stausee geht.
Die Infanteristen kommen über das Wasser. Das Anlanden verlangt taktisches Feingefühl und Können – mit dem Boot erreichen die Soldaten ihr Einsatzgebiet.
Bundeswehr/Marcus GierschekFür die Luftlandepioniere aus Saarlouis liegt der Schwerpunkt der Ausbildung auf dem Wasser. Zunächst ist die Ausbildung so auch zweigeteilt. „Wir machen die ghanaischen Pioniere fit als Bootsbediener. Das beginnt mit den Grundtätigkeiten als Bootsbediener oder etwa auch die Wartung der Motoren. Im Fahrbetrieb müssen die Soldaten ständig die Kontrolle über das schwer beladene Sturmboot behalten und auch taktische Manöver mit den Booten fahren können. Das bedeutet, Formationsfahren oder auch das Fahren unter Beschuss“, so Oberleutnant Rico P.
Im Einsatz ist diese Phase, in der sich das vollbesetzte Boot auf dem Wasser befindet und sich der Landezone nähert, sehr bedeutsam. Werden die Soldaten dabei aufgeklärt oder gar von feindlichen Kräften an Land unter Beschuss genommen, ist die geplante Anlandung weiterer Kräfte gefährdet. Sie müssen unbemerkt das Land erreichen, um die Sicherung, also den Perimeter, der Beach Landing Site, auszuweiten.
Für die insgesamt 18 Ausbilder der Bundeswehr kommt nach diesen einzelnen Ausbildungsabschnitten der erste Höhepunkt: der Zusammenschluss der beiden Ausbildungsschwerpunkte zu einer militärischen Operation.
Hand in Hand: Die Ausbildung stärkt die Sicherheits- und Verteidigungskräfte in Ghana. So werden sie besser auf kriminelle bewaffnete Banden und Terrorismus reagieren können.
Bundeswehr/Marcus Gierschek
Das Besprechen der Taktik für den anstehenden Auftrag ist eine sehr gute Grundlage, damit alle das gleiche Ziel verfolgen
Bundeswehr/Marcus Gierschek
Wer das Gelände richtig beurteilt und für sich nutzt, der findet sogar auf dem Wasser noch eine Deckung. Aus dem Schilfgürtel starten die Infanteristen ihre Anlandung.
Bundeswehr/Marcus Gierschek
Die Mission beginnt: Es gilt, schnell zu sein, aber eben auch nicht entdeckt zu werden. Die Boote wären ein leichtes Ziel für den Gegner.
Bundeswehr/Marcus Gierschek
Wenn das Wasser zu flach für den Motor wird, dann muss die Besatzung paddeln
Bundeswehr/Marcus Gierschek
Wenn die ersten Kräfte anlanden, ist es wichtig, auf Geräusche zu achten. Das Klappern der Ausrüstung ist sehr weit zu hören.
Bundeswehr/Marcus Gierschek
Die ersten Meter an Land sind gefährlich. Noch gibt es keine Deckung für die Anlandenden. Der Sicherungsradius muss unbedingt ausgeweitet werden.
Bundeswehr/Marcus Gierschek
Im Buddy-Prinzip, also immer zu zweit, haben die Infanteristen einen bedeutend größeren Sicherungsradius als allein
Bundeswehr/Marcus Gierschek
Brückenkopf: Steht die Sicherung, ist das die Grundlage, um weitere Militärkräfte und Material bis hin zu Fahrzeugen mittels Gewässerübergang überzusetzen
Bundeswehr/Marcus GierschekDas Zusammenführen der beiden Ausbildungsinhalte, der Pionier- und Infanterieausbildung, ist ein bedeutender Schritt für alle. Und mehr noch, die ghanaischen Soldaten und Ausbilder stehen jetzt selbst in der Verantwortung. Sie müssen planen, Befehle geben, die Operation umsetzen, diese kontrollieren und nachbereiten. „Das ist der Kern des Ausbildungsprogrammes“, so der deutsche Ausbildungsleiter P. Mit dem Abschluss der Ausbildung erlangen die ghanaischen Streitkräfte eine wichtige Ausbilderkompetenz, die sie in die Lage versetzt, mit eigenen Mitteln und selbstständig vom Gewässer aus anzulanden und das Gelände für weitere militärische Anlandungen vorzubereiten.
Für die deutschen Soldaten bedeutet diese Ausbildungsmission einen enormen Zuwachs an neuen Eindrücken, aber auch Erfahrungen. Denn auch für sie gilt: Sie wollen von den Ghanaern lernen und besser werden.