Heer
Führungspersonal weitergebildet

Mit wachsamen Augen in den Einsatzraum

Mit wachsamen Augen in den Einsatzraum

Datum:
Ort:
Schwarzenborn
Lesedauer:
4 MIN

Die Panzerbrigade 21 „Lipperland“ bildet sein Führerkorps regelmäßig aus und weiter. Beim Jägerbataillon 1 in Schwarzenborn haben Offiziere und Unteroffiziere das Verhalten beim Marsch sowie dem Erreichen und Sichern von Einsatzräumen geübt. 120 Angehörige aus den Verbänden der Brigade reisten dazu an zwei Tagen nach Nordhessen, um an der Führerweiterbildung teilzunehmen.

Gepanzerte Fahrzeuge reihen sich mit Abstand auf einer unbefestigten Straße hintereinander auf.

Technischer Defekt im unbekannten Terrain: Wie verhalte ich mich beim Ausfall eines Fahrzeuges? Soldaten des Jägerbataillons sichern ihre Kameraden, die im Hintergrund das ausgefallene Fahrzeug bergen.

Bundeswehr/Nicolai Ulbrich

Den beiden jungen Offizieren des Jägerbataillons 1 steht der Schweiß auf der Stirn, als sie an der Söhre-Hütte des Standortübungsplatzes in Schwarzenborn letzte Hand an die Vorbereitung der Beamer-Präsentation legen. Der Kommandeur der Panzerbrigade 21, Brigadegeneral Stephan Willer, und Bataillonskommandeur, Oberstleutnant Sven Kästner, nähern sich dem Ort der Begrüßung der Brigadeweiterbildung. Doch die beiden Soldaten im Dienstgrad Leutnant sind derart akribisch damit beschäftigt, eine provisorische Verdunkelung für das sonnendurchflutete Zelt zu befestigen, dass sie die nahende Dienstaufsicht erst im letzten Moment wahrnehmen. Der General nimmt die Situation mit einem Schmunzeln zur Kenntnis und widmet sich umgehend der ersten Station der Brigadeweiterbildung. In dem Zelt werden die Teilnehmer, Offiziere und Unteroffiziere der Brigadeverbände von Kästner begrüßt und ihnen wird das Gelände erläutert, ehe Leutnant Max Schlawinsky Lage, Auftrag und Ziel der zweitägigen Weiterbildung bekannt gibt: der Marsch und das Beziehen von Räumen. Entgegen der naheliegenden Vermutung wurde das Thema nicht etwa aufgrund des Ukrainekonfliktes kurzfristig angesetzt, sondern bereits im vergangenen Jahr geplant.   

Vor dem Beziehen ist nach dem Erkunden 

Ein Soldat steht mit einem Zeigestock in einem Zelt vor einer provisorischen Leinwand.

Auftakt im Zelt: Nach der Begrüßung durch den Bataillonskommandeur erläutert Leutnant Max Schlawinsky Lage, Auftrag, Ziel und Zweck der Weiterbildung auf Brigadeebene

Bundeswehr/Nicolai Ulbrich

Kurze Zeit später befindet sich der Tross der 60 Teilnehmer des ersten Tages auf dem Weg zu den beiden Stationen. Derweil sich die eine Halbgruppe gemeinsam mit General Willer auf den Weg zum Programmpunkt „Beziehen von Räumen“ am Warzenberg begibt, sind die anderen 30 Teilnehmer mit Oberstleutnant Kästner in Richtung des Hügelgrabes unterwegs, wo die 2. Station „Marsch“ angeboten wird. Unter den wachsamen Augen des Brigadegenerals, dem es auch „um die entscheidenden Kleinigkeiten und das Festlegen einheitlicher Standards auf Brigadeebene geht“, erläutert der dortige Leitende Major Maximilian Schott, sonst Chef der 3. Kompanie, den Auftrag und Ablauf. Und bereits wenige Minuten nach der Einweisung ins Gelände nebst Blick aller Anwesenden in den Geländesandkasten wird deutlich, was der Brigadekommandeur mit besagten Kleinigkeiten meint.

Jede einzelne Position ist enorm wichtig

Soldaten stehen mit dem Rücken zur Kamera und schauen ins Gelände, ein weiterer Soldat zeigt auf ein gepanzertes Fahrzeug.

Gespannte Blicke: Major Schott (l. mit Klemmbrett) zeigt auf das erste Fahrzeug des Erkundungskommandos. Das Gepanzerte Transportkraftfahrzeug Boxer ist kurz vor dem Erreichen seiner Stellung.

Bundeswehr/Nicolai Ulbrich

Denn Schott macht parallel zur dynamischen Vorführung mit seinen Ausführungen unter anderem klar, welch gravierende Unterschiede zwischen kleinem und großen Erkundungskommando bestehen: „Ist das Erkundungskommando nicht optimal auf die Einsatzbedingungen vorbereitet, ist es personell nicht optimal eingeteilt oder führen andere Umstände dazu, dass der Auftrag nicht erfüllt werden kann“, sei das Beziehen eines Raumes – hier auf Bataillonsebene dargestellt – fast unmöglich, so der Chef der Jägerkompanie. Irgendwo aus den Reihen des Führerkorps murmelt es „und dann ist das Ding gelaufen, bevor es richtig angefangen hat.“ Von der freien Fläche mit optimaler Sicht auf die in den Raum einfließenden Fahrzeuge vom Typ Fuchs, Boxer und Co. verschwindet die Gruppe um den General im Unterholz des angrenzenden Waldstückes.

Gute Vorbereitung als Basis der Auftragserfüllung

Ein Soldat grüßt militärisch in Richtung eines Generals, der mit weiteren Soldaten an einem Zelt steht.

Das Jägerbataillon 1 hatte die Ausbildungsstationen mit viel Liebe zum Detail vorbereitet, wie man am Geländesandkasten sehen kann. Major Georg Mühling meldet dem Brigadekommandeur.

Bundeswehr/Nicolai Ulbrich

Ortswechsel: Während sich wenige Kilometer entfernt alles noch auf das Erkundungskommando konzentriert, wird am Hügelgrab durch den Leitenden Major Georg Mühling, Chef der 4. Kompanie, auf die Tücken des Marsches hingewiesen. Frühzeitige Planung, Vorbereitung und „eine gute und klare Befehlsausgabe“ seien essenziell, so der Jägeroffizier. Noch bedeutsamer werden diese Faktoren bei der Frage nach der Kolonnenlänge: „Marschiert unser Bataillon, reden wir von über 210 Fahrzeuge“, sagt Mühling. Die Frage nach der möglichen Gesamtlänge der Kolonne beantwortet Bataillonskommandeur Kästner: „Die Länge beträgt über 30 Kilometer.“ Methodisch gewollt oder nicht, nach diesem beeindruckenden Einstieg ist dem Stabsoffizier volle Aufmerksamkeit gewiss, als er mit der Gruppe in einer Mischung aus Vortrag und Gespräch den nötigen Anteil an „grauer Theorie“ vermittelt, beginnend mit der Einweisung ins Gelände. Ob Kennzeichnung, Beladung, Ladungssicherung, Abstände oder das Verhalten bei Feindbeschuss – die Liste der zu beachtenden Punkte ist lang. Bevor es aber zum praktischen Teil mit einer Vorführung übergeht, die wahrlich die Bezeichnung „dynamisch“ verdient, erläutert der einsatzerfahrene Stabsfeldwebel Pierre Smietana, ebenfalls 4. Kompanie, den Teilnehmern die richtige und sinnvolle Beladung des Transportpanzers Fuchs.

Richtige Beladung kann Leben retten

Ein Soldat steht mit einem Zeigestock vor einem Panzer, vor dem eine Tafel aufgebaut ist.

Vorbereitungen für den Marsch: Stabsfeldwebel Pierre Smietana erklärt den Teilnehmern, was alles zu einer vollzähligen und sinnvollen Beladung eines Transportpanzers Fuchs gehört

Bundeswehr/Nicolai Ulbrich

Dann beginnt die dynamische Vorführung des Marsches. Die Jägerkompanie ist mit ihren Fahrzeugen schon von Weitem zu sehen und zu hören. Über eine etwa 1.000 Meter entfernte Anhöhe erreicht die Kolonne schnell den Bereich der Offiziere und Unteroffiziere. Mühling kommentiert die jeweiligen Phasen, zu denen auch ein Fahrzeugausfall und Feindbeschuss gehören, über einen Lautsprecher. Insbesondere der Einsatz des Instandsetzungstrupps, der einen liegengebliebenen Boxer in Windeseile per Abschleppstange aus dem Blickfeld der Teilnehmer verschwinden lässt, sorgen für anerkennendes Raunen unter den Anwesenden. Zum Abschluss des ersten Tages wertet Kästner die bisherige Weiterbildung „als großen Erfolg“. Nach „langer Corona-Unterbrechung konnten wir endlich wieder einmal Ausbildungsinhalte anbieten und Bilder zeigen, die sonst nur selten möglich sind.“

von Nicolai Ulbrich

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