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Neuester Brückenlegepanzer für Pioniere ist da

Neuester Brückenlegepanzer für Pioniere ist da

  • Technik
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Datum:
Ort:
Bad Salzungen
Lesedauer:
3 MIN

Als zweiter Großverband der Bundeswehr wird die Panzergrenadierbrigade 37 derzeit mit dem neuesten Brückenlegesystem, dem Brückenlegepanzer Leguan, ausgestattet. In Bad Salzungen werden Soldaten daran ausgebildet.

In Fahrt: Frontalansicht eines Brückensystems, im Hintergrund die Landschaft eines Übungsplatzes.

Mit dem Fahrgestell des Leopards 2 hat der Leguan ausreichend Leistung, um der Kampftruppe im Gelände folgen zu können.

Bundeswehr/André Klimke

Aufgrund seiner Flexibilität und Robustheit bringt das Waffensystem erhebliche Vorteile für das Zusammenwirken von Pionieren und Kampftruppe. Um im Gefecht die Schnellbrücke bestmöglich einsetzen zu können, werden aktuell die Bediener im thüringischen Bad Salzungen ausgebildet. Um das neue Gerät richtig handhaben zu können, bedarf es zunächst einer Bedienerausbildung an dem hochkomplexen System. Mit dem sogenannten Betriebsberechtigungsschein erwerben die Kameraden die Befähigung, um den Leguan mit seinen Brücken bedienen und im Gelände einsetzen zu können.

Sichere Bedienung notwendig

Gemeinsam mit Experten des Herstellerunternehmens Krauss-Maffei Wegmann bildet Hauptfeldwebel Sebastian Jose dieser Tage in Bad Salzungen drei weitere Soldaten zu Leguan-Bedienern aus. „Vorkenntnisse vom Vorgängermodell Biber sind dabei nicht unbedingt ein Vorteil. Am besten ist es, wenn man sich voll auf das neue System einlassen kann“, schildert Jose.

Der Leguan ist mit hochmodernen Bedieninstrumenten ausgestattet und daher auch aus der Perspektive des Bedieners auf dem neuesten Stand der Technik. Im Vergleich zu seinem Vorgänger verfügt er über mehrere Touchdisplays, ergonomische Umbauten und einen wesentlich verbesserten Minenschutz. Auch wenn der sechsminütige Verlege-, beziehungsweise der achtminütige Aufnahmevorgang teilautomatisiert verläuft, bedarf es einer enormen Handlungssicherheit bei den Soldaten. Im Ernstfall kann der Erfolg einer militärischen Operation entscheidend von den Brücken des Leguans abhängen.

Brücke ist bis zu 42 Meter lang

Im Vordergrund steht die in der Luft schwebende 26-Meter-Brücke, die der Panzer dahinter wieder aufnimmt.

Damit später beim Einsatz im Gelände alle Handgriffe sitzen, müssen das Aufnehmen und Ablegen der Brücke geübt und so die Abläufe gefestigt werden.

Bundeswehr/André Klimke

Anfang März fand der Brückenlegepanzer Leguan bereits seine neue militärische Heimat in der 2. Kompanie des in Gera stationierten Panzerpionierbataillons 701. Damit sind die Thüringer Pioniere der zweite Verband innerhalb der Bundeswehr, der mit dem Nachfolger des Brückenlegepanzer Biber ausgestattet wird. Im Unterschied zu seinem Vorgänger, ist der Leguan in der Lage, zwei unterschiedliche Brückensysteme zu verlegen und aufzunehmen. So kann das auf dem Fahrgestell eines Kampfpanzers Leopard 2 basierende System entweder mit zwei 14 Meter langen oder mit einer 26 Meter langen Brücke ausgestattet werden. Mit dem System lassen sich, bei einem überlappenden Einsatz der Brücken, Gewässer und Einschnitte mit einer Breite von bis zu 42 Metern überwinden.

Die Brücken ermöglichen zudem das Übersetzen aller Gefechtsfahrzeuge der Bundeswehr. So kann beispielsweise auch der Kampfpanzer Leopard 2 mit voller Panzerung und Waffen mithilfe der Schnellbrücke übersetzen. Der Leguan stellt so einen erheblichen Fähigkeitsgewinn für eine Kampftruppenbrigade dar. Mit seinen 1.500 PS kann er, trotz seines Gewichts von 63 Tonnen, selbst im Gelände Geschwindigkeiten von bis zu 70 Kilometer pro Stunde erzielen. Neben der Bundeswehr kommt der Leguan noch in sechs weiteren Ländern zum Einsatz.

Erprobung in der Truppe

Frontalansicht des hydraulischen, grün gestrichenen Verlegearms des Brückenlegepanzers, im Hintergrund der Panzer selbst.

Soldaten des Panzerpionierbataillons 701 werden am Brückenlegepanzer Leguan ausgebildet, um den Betriebsberechtigungsschein zu erhalten.

Bundeswehr/André Klimke

Das Großgerät wird erst seit 2019 schrittweise in die Bundeswehr eingeführt und soll nach und nach seinen Vorgänger ersetzen. Während so eine Einführung früher häufig bis zu zehn Jahre dauerte, werden die Systeme der Truppe heute viel schneller zur Verfügung gestellt. Dabei arbeiten die Herstellerfirma, die zuständigen Dienststellen - wie das Bundesamt für Ausrüstung Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr - und die Truppe eng zusammen. „Es ist ein großer Vorteil, nach dem Beschaffungsprozess frühzeitig mit dem neuen Gerät in der Truppe üben zu können. Meine Soldaten können so schnell wichtige Erfahrungen mit dem Leguan sammeln“, sagt Major Felix Oss, Kompaniechef der 2. Kompanie des Panzerpionierbataillon 701.

Die aufgrund der Corona-Pandemie getroffenen Hygienemaßnahmen stellen eine zusätzliche Belastung dar. „Dennoch ist es wichtig, dass in der aktuellen Situation weiter ausgebildet wird“, erklärt Oss. Ende 2020, wenn alle Bediener einen entsprechenden Ausbildungsstand erreicht haben, soll der Leguan dann erstmalig auf einer Übung im Zusammenspiel mit der Kampftruppe eingesetzt werden. Dann können die Pioniere aus Gera mit ihrem Großgerät ihre Fähigkeiten unter Beweis stellen.

von Renzo Di Leo

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