Heer

Offizierschule des Heeres gestaltet Ausbildung um

Offizierschule des Heeres gestaltet Ausbildung um

  • Ausbildung
  • Heer
Datum:
Ort:
Dresden
Lesedauer:
3 MIN

Die Offizierschule des Heeres in Dresden hat die Offizierausbildung neu konzipiert. Das gesamte Lehrpersonal musste tiefgreifend und einheitlich auf die neuen Ausbildungsinhalte vorbereitet werden. In deren Mittelpunkt steht in Bezug auf die Landes- und Bündnisverteidigung nun stärker die Operationsart Verzögerung. Zudem wurden neue methodische und didaktische Standards festgelegt.

Zwei Soldaten begutachten und besprechen die Besonderheiten im Gelände.

An der Offizierschule des Heeres in Dresden bereiten sich Ausbilder auf die neuen Unterrichtsinhalte der Ausbildung vor.

Bundeswehr/Sabrina Kleinekort

Im Ausbildungsjahr 2020 ist der Lehrbetrieb durch ein strenges Hygienekonzept und kleinere Hörsäle aufrechterhalten worden. Zeitgleich sammelte die Offizierschule viele Erkenntnisse mit dem digitalen Lernen und dem angepassten Präsenzunterricht. Sie bildeten die Grundlage für den Abschluss einer jahresübergreifenden Weiterbildungsreihe der Ausbilder zur Operationsart Verzögerung. Bei der Verzögerung geht es im Gefechtsfeld darum, nach einem feindlichen Angriff Raum aufzugeben, den Gegner abzunutzen, also ihn zu schwächen, um Zeit für einen späteren Gegenangriff zu gewinnen.

Ein Projekt mit Vorlauf

In einem großen Lehrsaal erarbeiten sich Soldaten an einzelnstehenden Schreibtischen die neue taktische Lage.

Der Staufenbergsaal in der Dresdener Offizierschule ist der Lehrsaal für die Ausbildung der Ausbilder.

Bundeswehr/Sabrina Kleinekort

Oberstleutnant Stephan Tekatz, Lehrstabsoffizier für Taktik, erklärt: „Das von uns geplante Weiterbildungskonzept ist nicht einfach so vom Baum gefallen. Der Planung ist eine umfangreiche Auswertung des Auftrages und Entscheidungsfindung vorausgegangen.“ Man habe Faktoren wie Zeiträume der jeweiligen Anteile, Lehrkompetenz und Inhalte der künftigen Ausbildung beurteilt. „Am Ende konnten wir mit der Möglichkeit überzeugen, gestaffelt in 2020 und 2021 die taktischen Grundlagen der Verzögerung, Planung auf Bataillonsebene und Erkundung für die geplante Gefechtsführung im Raum Torgau und Riesa durchzuführen.“ Das habe es bis dato noch nie gegeben, so der Offizier.

Verbesserte Qualität der Lehre

Der Ausbilder überprüft am Schreibtisch die Arbeitsergebnisse.

„Über ein Jahr Planung steckt hinter diesem Projekt“, sagt Oberstleutnant Stephan Tekatz, Mitverantwortlicher für die Planung und Erstellung der neuen Schullage an der Offizierschule des Heeres.

Bundeswehr/Sebastian Kelm

Den Höhepunkt und Abschluss der bisher einmaligen Weiterbildungsreihe stellt ein vierwöchiger intensiver Ausbildungsabschnitt dar. Dabei vermittelten die Hörsaalleiter die Entscheidungsfindung in der laufenden Operation, also die schnelle Problemlösung im Gefecht. Ziel war es, das Ausbildungspersonal der Dresdner Offizierschule, also Hörsaalleiter, Truppenfachlehrer und Inspektionschefs, taktisch, methodisch sowie didaktisch weiterzubilden und damit die Qualität der Ausbildung an der Schule weiter zu steigern. Auf alle verfügbaren Ressourcen und Möglichkeiten der Digitalisierung griff man dabei zurück. Kleingruppen, Livestream-Unterrichtung, Filmdokumentation, Sandkastenausbildung und angepasste Lehrgespräche bildeten den methodischen Gestaltungsrahmen. „Mit der digitalen Unterstützung und dem dauerhaften Livestream-Unterricht konnten alle Auszubildenden stets der Ausbildung folgen„, so Tekatz. Der Zugewinn sei enorm. „Wir haben uns durchaus kontrovers über den Nutzen und die Grenzen der Digitalisierung im Gegensatz zur althergebrachten Lehre auseinandergesetzt.“

Der Mix macht‘s

Ein Soldat sitzt vor einem Mischpult und mehreren Bildschirmen.

Filmdokumentation in den Unterrichtsräumen: Es gibt drei Anlagen, die den Unterricht visuell und akustisch mitschneiden. So können Aufnahmen der Ausbildung sofort oder später ausgewertet werden.

Bundeswehr/Sabrina Kleinekort

Der Mix der Mittel macht die Lehre in der Offizierausbildung so anspruchsvoll. „Die jungen Offiziere reflektieren unsere Ausbildung später in der Führungsverwendung in der Truppe. Truppentaugliche Ausbildung zu gestalten und den Weg der Digitalisierung nicht zu verlassen, macht die Lehre in Dresden aus“, so der Lehrstabsoffizier. Nur durch die Nutzung von modernen Ausbildungstechnologien sei es zudem möglich gewesen, das Ausbildungsziel unter Beachtung der Corona-Auflagen zu erreichen. „Wir sind als Team enger zusammengerückt und nennen uns nun zurecht Taktik- und Logistiklehrer. Ich bin froh, für den künftigen Offizierlehrgang im April 2021 so fundiert weitergebildet worden zu sein.“

Verfahren standardisiert

Soldaten stehen an einem Tisch, auf dem modellhaft Geländeabschnitte dargestellt sind.

Am Geländesandkasten werden in Kleingruppen die taktischen Lagen am modellierten Gelände besprochen.

Bundeswehr/Sabrina Kleinekort

Der Schwerpunkt der Ausbildung für das Lehrpersonal lag zunächst in der Lösung eines taktischen Problems, zusätzlich aber auch in der Stärkung der Lehr- und Methodenkompetenz. Die Weiterbildung der Ausbilder stellt damit die höchste Herausforderungsstufe für das Lehrpersonal dar. Die Nutzung des standardisierten Verfahrens der Entscheidungsfindung zur Lösung einer Aufgabenstellung stärkt das gemeinsame Verständnis, die Einheitlichkeit im Denken und in der Sprache der Soldaten. Der Entschluss, also die Lösung des taktischen Problems, ist damit das Ergebnis eines stringenten Prozesses, der für alle Offiziere des Heeres nachvollziehbar ist. Auch der erzieherische Aspekt zur militärischen Prägung der angehenden Offiziere kam nicht zu kurz.

Das Team der Offizierschule des Heeres hat sich auf die neue Offizierausbildung ausgerichtet und blickt erwartungsvoll auf die jungen Kameraden. Von April bis August heißt es dann für die Offizierschüler: „Sie sind jetzt in der Rolle des Kommandeurs des Panzergrenadierbataillons 503. Ihr Auftrag ist es, die Verzögerung über 42 Stunden zu führen… “

von Jenny Schubert

mehr lesen