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Reserve übt: Negativer Test - positive Stimmung

Reserve übt: Negativer Test - positive Stimmung

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Datum:
Ort:
Torgelow
Lesedauer:
4 MIN

Das nicht-aktive Panzergrenadierbataillon 908 aus Torgelow absolviert die erste Übung des Jahres mit Reservistendienstleistenden. Dank eines guten Hygienekonzeptes, der Unterstützung durch das Panzergrenadierbataillon 411 und der starken Leistung der Soldaten und Soldatinnen werden alle Ausbildungsvorhaben erfolgreich beendet.

Neben einem Fahrzeug mit geöffneter Tür steht ein in Vollschutz gekleideter Soldat mit Mund-Nasen- und Gesichtsschutz.

Ohne negativen Corona-Schnelltest geht nichts: Vor der Greifen-Kaserne in Torgelow hat das Panzergrenadierbataillon 908 für alle Übungsteilnehmer ein eigenes mobiles Abstrichteam postiert.

Bundeswehr/Marco Linke

Es herrscht reger Verkehr vor dem Kasernentor. Doch der Weg der ankommenden Reservistendienstleistenden führt dieses Mal nicht direkt in die Kaserne. Die Ausschilderung leitet alle Teilnehmenden zunächst auf das gegenüberliegende Gelände. Hier steht ein mobiles Abstrichteam und es folgt ein Corona-Schnelltest. Nur nach einem negativen Ergebnis heißt es: „Rüber in die Kaserne, einschleusen, Stube beziehen, ankommen, Soldat sein.“ Rund 70 Übende sind dieses Mal gekommen, um sich in den nächsten Tagen in den Themen Fernmeldewesen, Richtschützenausbildung und Gefechtsdienst aus- und weiterbilden zu lassen. Sie werden in vier Züge aufgeteilt, die nicht nur im Unterbringungsgebäude, sondern auch während des gesamten Wochenendes voneinander getrennt sind. Am Abend begrüßt der Chef der 2. Kompanie seine Soldaten bei einem ersten Antreten. Darauf erfolgt die Einweisung in den Truppenübungsplatz, die militärische Lage und das Ausbildungsvorhaben.

Am frühen Freitagmorgen geht es endlich los. Der I. Zug hat das Ausbildungsthema „Werfen einer Sperrsicherung im Halbzugrahmen“. Die Soldaten empfangen ihre Waffen und verlegen auf die Waldkampfbahn. Nach einer Einweisung und einem Trockendurchgang folgt der Übungsbeginn. In Schützenreihe geht es in den Wald. Schneisen werden im Sprung genommen. „Verbindung halten“ ist jetzt das Wichtigste für alle. Geräuschlos rücken die Soldaten weiter vor, dann kommen die Handzeichen „Halt“ und „Stellung“. Durch das Fernglas ist die Sperre gut zu erkennen. Plötzlich werden die Soldaten von einem Feindkommando beschossen, doch die Grenadiere erwidern das Feuer sofort. Gefechtslärm wird lauter und Befehle werden gebrüllt: „Wir umfassen links! Das Maschinengewehr gibt Deckungsfeuer! Sprung auf! Marsch, Marsch!“ Das MG rattert los. Die Soldaten des Halbzuges springen auf. Wird es gelingen?

Schweiß, Schlamm und Pulverdampf

Auf einer schlammigen Straße zeigt ein kniender Soldat den aus einem Schützenpanzer springenden Soldaten die Richtung.

Das Absitzen aus dem hinteren Kampfraum des Schützenpanzers Marder will geübt sein. Im Zusammenspiel bilden der vordere Kampfraum (Fahrer, Richtschütze und Kommandant) und die Soldaten des hinteren Kampfraumes eine effektive Kampfgemeinschaft.

Bundeswehr/Marco Linke

Schließlich heißt es: Übungsunterbrechung. Der Hauptmann gibt Kritik nach dem Motto: „Was war gut? Was muss besser werden?“ Immer wieder greift der Halbzug an und mit jedem Durchgang klappen die Abläufe besser. Krönenden Abschluss bildet am späten Samstagnachmittag der letzte Durchgang mit dem Waffentrainingssystem AGDUS, das Treffer und Verletzungen simuliert. Ein letztes Mal erfüllen Gefechtslärm, Detonationen und simulierte Artillerieeinschläge die Szenerie. Am Ende des Tages ist der Kompaniechef mit dem Ergebnis der Ausbildung zufrieden.

Hauptfeldwebel Karsten Liebermann ist Führer des II. Zuges. „Wechsel der Kampfweise“ steht auf seinem Ausbildungsplan. Das Panzergrenadierbataillon 411, der stets tatkräftig unterstützende Couleurverband der 908er, hat hierfür einen Schützenpanzer Marder zur Verfügung gestellt. Liebermann weist seine Soldaten ein: Sicherheitsbestimmungen, Aufgaben und Sitzverteilung der Schützen im Panzer, Beobachtungsbereiche. Dann geht es mit dem Marder in den Übungsraum, wo das Auf- und Absitzen auf und vom Panzer so lange geübt wird, bis es schließlich passt. Jetzt pflügt der Schützenpanzer durch das Gelände. Plötzlich ertönt über den Bordfunk die Stimme des Kommandanten: „Panzer halt!“ Im Vorfeld ist ein feindlicher Kampfpanzer erkannt. „Ausweichen!“ Rückwärts geht es in voller Fahrt in eine gutgewählte Waldschneise. „Heckklappe auf!“ und gleich darauf „Absitzen!“ schallen die Kommandos des Kommandanten und des Truppführers durch den Panzer.

Mehrere Soldaten stehen im Wald und sprechen miteinander.

Zwischen den einzelnen Ausbildungsabschnitten gibt es immer wieder Auswertungen.

Bundeswehr/Marco Linke

Die Grenadiere schlagen sich in den Wald und arbeiten sich an den Feind heran. Der Panzerfaustschütze hat ein Ziel erkannt und schießt: „Feindlicher Kampfpanzer vernichtet!“, brüllt er. Im schnellen Lauf geht es zurück zum Panzer und einer nach dem anderen verschwindet schnaufend im Fahrzeug. „Heckklappe zu!“ Der Truppführer, Oberfeldwebel Andreas Mecke, hält seine Frauen und Männer ganz schön auf Trab. Doch die Ergebnisse und Leistungen der Reservisten können sich sehen lassen und sprechen für sich. Das findet auch Oberst Jörg Johannes Hoogeveen, stellvertretender Kommandeur der Panzergrenadierbrigade 41. Er ist an diesem Wochenende zur Dienstaufsicht bei den 908ern gekommen. Gemeinsam mit dem Bataillonsführer des Panzergrenadierbataillons 908, Oberstleutnant Thorsten Held, besucht er die verschiedenen Ausbildungsstationen. Der Oberst unterhält sich mit den Soldatinnen und Soldaten, teilt sein Fachwissen, gibt konstruktive Kritik, spart aber auch nicht mit Lob für das große Engagement und den hohen Ausbildungsstand der Reservisten.

Geschafft, aber glücklich

Zwei Soldaten mit Mund-Nasenbedeckung stehen in einem Wald und unterhalten sich.

Der Kommandeur des Panzergrenadierbataillons 908, Oberstleutnant Thorsten Held (l.) und der stellvertretende Kommandeur der Panzergrenadierbrigade 41, Oberst Jörg Johannes Hoogeveen, sind mit den Leistungen der Reservisten sehr zufrieden.

Bundeswehr/Marco Linke

So turbulent wie draußen im Gelände geht es in der Halle 55 der Greifen-Kaserne nicht zu. Hier befindet sich der III. Zug und die Richtschützenausbildung unter Leitung von Leutnant Christopher Renner. Die Auszubildenden lernen die Bedienerplätze des Kommandanten und Richtschützen kennen, das Hauptbediengerät, den Schießbereichsbegrenzer und die Optiken. Die Hauptwaffe des Marders, die Bordmaschinenkanone (BMK) 20 mm, wird komplett zerlegt: Waffengehäuse, Federschieber, Rücklaufbrems- und Vorholvorrichtung. Die Ausbilder gehen alle Baugruppen durch, zeigen Tricks und Kniffe und dann geht’s an den Ein- und Ausbau der BMK und des Turm-MGs. Auch an dieser Ausbildungsstation zeigen sich am Samstagabend zufriedene Gesichter bei Ausbildern und den Auszubildenden. Ebenso bei Oberleutnant Heine. Er hat die Leitung bei der Fernmeldeausbildung, dem IV. Zug. Zur Unterstützung hat er einen ganzen Gefechtsstand mit Unimog 4000 samt Funkkabine. Der Aufbau wird geübt. Immer wieder hört man: „Achtung, ich kurbele!“ und schon reckt sich eine der Fünf-Meter-Antennen in den Himmel. Auch das NATO-Alphabet wird wiederholt, Sprechwendungen und Betriebswörter, Anrufarten und Verschleiern von Funksprüchen. Der Einsatzwille der Reservisten ist enorm.

Der Sonntagvormittag steht ganz im Zeichen der Nachbereitung. Waffen werden gereinigt, ebenso der Schützenüanuer, die Stuben und das gesamte Gebäude. Dann schleust das Kaderpersonal die Soldatinnen und Soldaten aus. Der Kompaniechef befiehlt das letzte Antreten und sagt den Männern und Frauen, wie sehr er mit ihrer Leistung zufrieden ist und wertet den Ausbildungserfolg des Panzergrenadierbataillons 908 als äußerst gelungen. Danach verabschieden sich die Soldaten voneinander und treten geschafft, aber sichtlich glücklich die Heimreise an - bis zu einem Wiedersehen.

von Marco Linke

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