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Schützenpanzer Puma: Technischer Quantensprung im Gefecht

Schützenpanzer Puma: Technischer Quantensprung im Gefecht

  • Technik
  • Heer
Datum:
Ort:
Strausberg
Lesedauer:
5 MIN

Am 24. Juni 2015 betritt der Schützenpanzer Puma das Gefechtsfeld und wird dem Deutschen Heer übergeben. Den Soldatinnen und Soldaten des Heeres steht mit dem Puma ein komplett neu konzipiertes und modernes Gefechtsfahrzeug zur Verfügung. Dass der Weg von der Auslieferung bis zum realen Gefechtseinsatz ein langer wird, stand damals schon fest. Zu diesem Zeitpunkt rechneten die Planer mit 350 Panzern inklusive der Fahrschul- und Ausbildungsfahrzeuge für die Truppe.

Ein getarnter Panzer fährt schnell, Staub wirbelt auf.

Der Schützenpanzer Puma, seit 2015 im Heer, löst schrittweise den Schützenpanzer Marder ab.

Bundeswehr/Marco Dorow

Im niedersächsischen Unterlüß nahm Generalleutnant Rainer Korff als damaliger Kommandeur Deutsche Anteile Multinationale Korps und militärische Grundorganisation symbolisch den ersten „Zündschlüssel“ von der Industrie entgegen. „Zwar ist der Schützenpanzer Puma in dem einen Konstruktionsstand, in dem wir ihn jetzt übernehmen, noch nicht voll einsatztauglich – das wissen wir alle – aber auch wenn er die volle Einsatzreife noch nicht erreicht hat, so sind wir doch in der Lage, unsere Besatzungen an diesem einzigartigen Schützenpanzer auszubilden“, so der General während der Übergabe 2015.

Früh auf der Überholspur

Eine Gruppe Soldaten im Kampfanzug steht in Reihe vor einem Panzer.

Besonderer Konstruktionsstand für die VJTFVery High Readiness Joint Task Force , die Schnelle Eingreiftruppe der NATO, 2023: Das System Infanterist der Zukunft Erweitertes System verbindet den einzelnen Schützen digital mit dem Schützenpanzer.

Bundeswehr/Marco Dorow

Die Firma Projekt System & Management GmbHGesellschaft mit beschränkter Haftung, ein Joint-Venture der Rheinmetall AG und der Krauss-Maffei Wegmann GmbHGesellschaft mit beschränkter Haftung, stellt den neuen Schützenpanzer der Bundeswehr her. Der Puma wird nach und nach den seit über 50 Jahren in Nutzung befindlichen Schützenpanzer Marder ablösen. Den Anfang machte vor reichlich fünf Jahren eine kleine Stadt im niedersächsischen Heidekreis: Die ersten zwanzig nagelneuen Schützenpanzer werden an das Ausbildungszentrum Munster ausgeliefert. Am dortigen Standort wird dafür heeresweit die Einführungsorganisation, EFO Puma, ins Leben gerufen. Auf Truppenebene ist sie der erste Ansprechpartner rund um das Thema Einführung des Schützenpanzers, des Systems Infanterist der Zukunft und der Ausbildung. Auch lernen Ausbilder alle Nuancen des neuen Systems kennen, um am Ende fortan als Multiplikatoren dienen zu können.

Zunächst nur in Niedersachsen

Ein bewaffneter Soldat steht vor einem Panzer mit einem taktischen Symbol und der Zahl 33.

Als erster Verband bekommen die Soldatinnen und Soldaten des Panzergrenadierbataillons 33 aus Neustadt am Rübenberge den Schützenpanzer Puma.

Bundeswehr/Maximilian Schulz

Endlich in der Truppe angekommen: Als allererstes Bataillon verfügt das Panzergrenadierbataillon 33 aus Neustadt am Rübenberge über die neuen Schützenpanzer. Während ihrer Sommerreise im Juni 2016 besucht die damalige Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen die Soldaten und spricht mit ihnen über die ersten Erfahrungen mit der „neuen Raubkatze“. Der damalige Bataillonskommandeur, Major Thorsten Nagelschmidt, und seine Grenadiere verfügen zu diesem Zeitpunkt über 16 der 30 geplanten Schützenpanzer und überzeugen an diesem Tag mit dynamischen Übungen sowie ersten Gefechtsbildern rund um das neue Waffensystem. Die Motivation und fachliche Akribie, mit der die Soldaten dem innovativen Puma gegenüberstünden, sei für von der Leyen tief beeindruckend gewesen.

Auch in weiteren Standorten des Heeres geht der Puma, über die Jahre verteilt, an den Start. Zunächst folgen das Panzergrenadierlehrbataillone 92 in Munster und die Panzergrenadierbataillone 112 in Regen sowie 122 in Oberviechtach. Die Auslieferung der Fahrzeuge und Ausbildung der Soldaten bestimmen den Schwerpunkt der betroffenen Bataillone. Der März 2020 steht schließlich auch bei den Soldaten des nordrhein-westfälischen Panzergrenadierbataillons 212 in Augustdorf unter dem Motto, „Goodbye Marder – Welcome Puma“. Er hält auch Einzug in den Ausbildungseinrichtungen, so der Fahrschulorganisation und dem Ausbildungszentrum Technik Landsysteme in Aachen oder zukünftig dem Gefechtsübungszentrum Heer.

Technik, die überzeugt

Soldaten bei Rotlicht im Inneren eines Schützenpanzers

Beim Schützenpanzer Puma steht der Schutz der Besatzung an erster Stelle.

Bundeswehr/Marco Dorow

Die Soldaten des Heeres erlangen mit dem Puma nicht nur innerhalb der Landes- und Bündnisverteidigung einen ganz neuen Stellenwert. Hinzukommen maximaler Schutz der Fahrzeugbesatzung, Luftverladefähigkeit, Feuerkraft sowie die schnelle Aufrüstung und Austauschbarkeit elementarer Subsysteme. So ist, technisch gesehen, mit dieser Entwicklung ein Quantensprung gelungen.

In der Konfigurationsstufe C, also „C“ombat (einsatzbereit), wiegt der Puma rund 43 Tonnen. Nominell, in der kleinsten Konfigurationsstufe A, wiegt der Schützenpanzer nur noch 31,4 Tonnen und kann somit mit dem Transportflugzeug Airbus A400M transportiert werden. Für den Schutz der Besatzung sorgt unter anderem die als Reaktivschutz ausgelegte, adaptierbare Panzerung. Sie kann also abgenommen werden, um das Fahrzeug für den Lufttransport und andere Transportträger vorzubereiten. Ein System als Bomblet-Schutz, also gegen Streubomben aus der Luft, vervollständigt die Schutzmaßnahmen.

Aber auch in der Bewaffnung, wie dem besatzungslosen Turm und der vollstabilisierten 30-mm-Maschinenkanone, liegt der Puma am Puls der Zeit. Aus der Fahrt trifft er damit Ziele in einer Entfernung von bis zu 3.000 Metern. Aus seinem Hubraum von „nur“ 11 Litern erzeugt das Triebwerk satte 1.088 PS. Im Vergleich: Der Schützenpanzer Marder stemmt aus 22 Litern 600 PS und der Kampfpanzer Leopard 2 aus 47,6 Litern Hubraum stattliche 1.500 PS Motorleistung.

Verbesserungen Schritt für Schritt

Von schräg hinten ein Panzer bei der Schussabgabe

Der besatzungslose Turm mit der 30-mm-Maschinenkanone steht für Feuerkraft und Präzision.

Bundeswehr/Philipp Neumann

Auf dem Weg zu der Realisierung der Einsatzreife und Einsatzfähigkeit durchläuft nicht nur das Hauptwaffensystem gemäß dem Customer Product Management vorgegebene Einsatzprüfungen. Eine solche Einsatzprüfung kann beispielweise auch das Ziel haben, neu entwickelte oder angepasste Geräte auf die Eignung für die Ausbildung in der Truppe zu testen. So verbessert sich auch die Ausbildung auf dem Gefechtsfahrzeug stetig. Ende 2019 wurde beispielsweise das sogenannte Ausbildungsmittel Ausbildungsanlage Turm erfolgreich geprüft. Mit dieser Ausbildungsanlage erfolgt die Ausbildung der Richtschützen und Kommandanten in einem ersten Ausbildungsabschnitt, bevor es dann auf das richtige Gefechtsfahrzeug geht. Auch wurden die optischen Sichtmittel des Schützenpanzers im neuesten Konstruktionsstand VJTFVery High Readiness Joint Task Force 2023 im Gelände auf Herz und Nieren geprüft und die neu verbauten Farb- und Wärmebildkameras sowie die vollintegrierte Waffenanlage des mehrrollenfähigen, leichten Lenkflugkörpersystems (MELLSMehrrollenfähiges Leichtes Lenkflugkörper-System) einer echten Belastungsprobe unterzogen.

Messlatte 2023

Soldaten mit moderner digitaler Ausrüstung und Waffe in der Großaufnahme.

Gegenüber dem Marder wird das Gefecht mit dem Puma ein stückweit digital.

Bundeswehr/Maximilian Schulz

Auf dem Truppenübungsplatz Bergen durchlief im Juli 2020 das „System Panzergrenadier VJTFVery High Readiness Joint Task Force 2023“ und damit auch der Schützenpanzer Puma im Konstruktionsstand VJTFVery High Readiness Joint Task Force 2023 die taktische Einsatzprüfung. Unter diesem System ist die Verbindung vom Schützenpanzer Puma und dem System „Infanterist der Zukunft“ zu verstehen, beides in der Konfiguration für den Einsatz bei der Very High Readiness Joint Task Force (VJTFVery High Readiness Joint Task Force ), der Speerspitze der NATO. Die besonders bei der taktischen Einsatzprüfung im Vergleich zur ersten Puma-Serie sichtbaren Fortschritte bei Qualität, Zuverlässigkeit und dem Fähigkeitsgewinn haben das Vertrauen in dieses für das Heer so wichtige Rüstungsprojekt bestätigt und gestärkt.

Mit den taktischen Untersuchungen in 2021 sollen die letzten Optimierungen der Lieferleistung überprüft werden, damit das Panzergrenadierbataillon 112 sich auf den vorgesehenen Einsatz bei der VJTFVery High Readiness Joint Task Force 2023 vorbereiten kann. Neben den taktischen Aspekten stehen auch die logistischen Fähigkeiten für das System Panzergrenadier im Fokus. So erfolgt mit der technisch-logistischen Einsatzprüfung am System Panzergrenadier eine umfängliche Bewertung der Versorgungsreife, um neben der taktischen Bewertung zur Einsatzreife auch die logistische Bewertung zur Einsatzreife und damit die Gesamtbewertung der Einsatzreife zu erzielen. Weiterhin wurde im Leistungspaket zur VJTFVery High Readiness Joint Task Force 2023 auch ein 30 Tage Ersatzteilvorrat und der Sonderwerkzeugsatz für das System in mobilen Containern realisiert.

Mängel werden beseitigt

Ein Panzer überfährt eine Kriegsbrücke, ein Soldat weist ihn dabei ein.

Seine erste große Bewährungsprobe: 2023 soll der Puma bei der VJTFVery High Readiness Joint Task Force eingesetzt werden.

Bundeswehr/Marco Dorow

Truppe und Industrie arbeiten mit Hochdruck daran, Waffensysteme und Ausrüstungsgegenstände anzupassen und fit für den Einsatz zu machen. Mängel und Optimierungsforderungen aus den Einsatzprüfungen, die einem Einsatz entgegenstehen, müssen abgestellt werden. Das „System Panzergrenadier“ also der Verbund von Puma und der vernetzten Besatzung, dem System „Infanterist der Zukunft“, ist das Ziel für die VJTFVery High Readiness Joint Task Force 2023.

Der Schützenpanzer Puma im heutigen Konstruktionsstand bleibt weiterhin das Maß der Dinge im weltweiten Vergleich der Streitkräfte. Um auch zukünftig dem Anspruch nach Duellfähigkeit gerecht zu werden, wird bereits heute die Weiterentwicklung des Schützenpanzers Puma vorangetrieben.

von René Hinz

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