Heer
Spezialisten am Himmel

Taktisches Training der Fallschirmjäger über der Ostsee

Taktisches Training der Fallschirmjäger über der Ostsee

Datum:
Ort:
Barth
Lesedauer:
3 MIN

Fallschirmspringen will trainiert sein. Aber wer dann noch mit voller Ausrüstung, Gepäck, Panzerfaust und bei Nacht mehrere Kilometer zu seiner Landezone gleiten will, der braucht jede Menge Übung. 65 Fallschirmjäger aus dem Fallschirmjägerregiment 31 haben das taktische Gleitfallschirmspringen an der Ostsee im mecklenburg-vorpommerschen Barth trainiert.

Fallschirmjäger gleiten am geöffneten Fallschirm gen Boden, unter ihnen die Küste und das Meer.

Im Halbzug gleitet der Fallschirmspezialzug über der Ostsee in Richtung Landezone

Bundeswehr/Daniel Kaiser

Militärisches Fallschirmspringen ist eine Verbringungsart, bei der Material und Personal in den Einsatzraum gebracht wird. Beim Gleitfallschirmspringen befindet sich das Absetzflugzeug in großer Höhe, weit entfernt von der geplanten Landezone. Die Fallschirmspringer öffnen dabei bereits in großer Höhe ihren Fallschirm, um möglichst weit bis zu ihrem Ziel gleiten zu können. Die Entfernung bestimmt sich aus der Gleitfähigkeit des Fallschirms, der Windgeschwindigkeit und der Absetzhöhe. Diese Verbringungsart beherrscht im Fallschirmjägerregiment 31 der Fallschirmspezialzug. Der Zug soll Landezonen, unter anderem für Flugzeuge oder Absprungzonen für Fallschirmjäger, erkunden. Das bedeutet, er sammelt vor Ort so viele Informationen wie möglich, von Wetterdaten über Informationen der Infrastruktur bis hin zu gegnerischen Kräften im Einsatzgebiet.

Kein Fallschirmsprung ist Routine. Der Einsatz muss bis ins kleinste Detail geplant und berechnet werden. Hierfür steht dem Ausbildungsleiter ein computergestütztes System zur Verfügung. Es berechnet die Flugstrecke unter Berücksichtigung von aktuell gemessenen oder aus einem Vorhersagemodell entnommenen Wetterdaten. Mithilfe dieser Software können innerhalb von wenigen Minuten alle Rahmenparameter eines Sprunges eingegeben und der Sprung berechnet werden – eine enorme Erleichterung, da in der Vergangenheit alles händisch berechnet werden musste.

Arbeiten mit dem Kraftpaket der Luftwaffe

Soldaten laufen mit einem schwarzen Fallschirm auf dem Rücken an einem grauen Flugzeug vorbei.

Das Transportflugzeug A400M ist für eine taktische Freifallweiterbildung ideal geeignet

Bundeswehr/Gerrit Burow

Mit dabei war das Transportflugzeug A400M der Luftwaffe. Für die Besonderheiten eines taktischen Freifallsprungs wird das sonst für bis zu 114 Soldaten ausgerüstete Flugzeug auf 54 Sitzplätze umgerüstet. Der A400M ist aufgrund der Größe des Transportraums sehr praktisch. Er bietet mehr als genügend Platz für das Gepäck der Fallschirmjäger und vereinfacht darüber hinaus das Anlegen des Sprunggepäcks durch den geräumigen Innenraum. Außerdem erreicht der Airbus eine maximale Flughöhe von 11.000 Metern. Dadurch sind auch Sauerstoffsprünge möglich, bei denen die Fallschirmjäger bis zu 60 Kilometer und mehr im Gleitflug überwinden. Hier können alle taktischen Verfahrensweisen geübt werden, und der A400M ist ideal für eine taktische Freifallweiterbildung.

Das Ziel immer vor Augen

Am Abendhimmel gleiten Fallschirmjäger am Fallschirm Richtung Landezone.

Der Nachtsprung ist der Höhepunkt der Freifallweiterbildung, jeder Handgriff muss jetzt sitzen, um das Ziel nicht zu verfehlen

Bundeswehr/Gerrit Burow

In Deutschland ist das Gleitfallschirmspringen über mehrere Kilometer nur bedingt möglich, da der Luftraum überwiegend vom zivilen Luftverkehr belegt und genutzt wird. Im Gegensatz dazu ist der Luftraum über Barth extra für die Bundeswehr gesperrt. Daher kann hier ungehindert das Gleitfallschirmspringen bei Tag und bei Nacht geübt werden. Dieses Verfahren stellt hohe Anforderung an die Soldaten und muss regelmäßig trainiert werden.

Dieses Jahr überzeugte sich der Kommandeur der Luftlandebrigade 1 aus dem saarländischen Saarlouis, Brigadegeneral Andreas Steinhaus, persönlich von dem hohen Ausbildungsstand seiner Soldaten. „Die besonderen Fähigkeiten in meinen Fallschirmspezialzügen sind unverzichtbar für die strategische Option der Luftlandeoperation. Ohne diese Fähigkeiten wären wir eine einfache Jägerbrigade. Um diese zu erhalten, sind höchste Professionalität im Ausbildungsstand und ständiges Üben notwendig. Die Umsetzung in dieser Woche war dafür beispielgebend“, so Steinhaus. Er selbst absolvierte auch, gemeinsam mit seinen Soldaten, mehrere Fallschirmsprünge aus dem A400M. Am Ende gelang es, rund 1.500 Fallschirmsprünge auf die Landezone in Barth durchzuführen. Alle Teilnehmer konnten hier ihren Erfahrungsschatz erweitern und vertiefen.

Zu jeder Tages- und Nachtzeit

  • Fallschirmjäger stehen vor der geöffneten Heckrampe eines Flugzeuges, einige sind schon drin.

    Die Leitung koordiniert das Besteigen des Luftfahrzeuges. Dabei muss alles genau geplant und vorbereitet sein. Jeder muss genau wissen, wer was wann tut.

    Bundeswehr/Gerrit Burow
  • Ein Soldat hängt am geöffneten Fallschirm und gleitet über der Ortschaft Barth an der Ostsee.

    Nachdem sich der Fallschirm geöffnet hat, beginnt die Sammelphase. Der Truppführer sammelt den Trupp ein, um dann auf Kurs Richtung Landezone zu fliegen.

    Bundeswehr/Daniel Kaiser
  • Fallschirmjäger springen von der Heckrampe eines Flugzeuges in die Dämmerung.

    Sprung ins Dunkel: Nacheinander verlassen die Soldaten eines Trupps über die Heckrampe den A400M

    Bundeswehr/Daniel Kaiser
  • Ein Fallschirmjäger gleitet zu Boden, im Hintergrund geht am Horizont langsam die Sonne unter.

    Auch bei schlechten Sichtverhältnissen muss die Landung gelingen, um im Anschluss dem Auftrag nachkommen zu können

    Bundeswehr/Daniel Kaiser
von Markus Mader

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