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Forward Command Element

Über die Ostsee nach Litauen

Über die Ostsee nach Litauen

  • Landes- und Bündnisverteidigung
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Datum:
Ort:
Rukla
Lesedauer:
3 MIN

„Dieser Auftrag ist neu, er ist ganz anders, als was wir bisher kannten“, sagt Brigadegeneral Christian Nawrat, Kommandeur der Panzergrenadierbrigade 41 „Vorpommern“. Am 3. September sammeln sich in Eutin rund 100 Soldatinnen und Soldaten der Brigade. Sie werden in Litauen einen vorgeschobenen Gefechtsstand, ein Forward Command Element (FCE), errichten. Einen Tag später setzen sich die Soldaten mit ihren fast 40 Fahrzeugen in Marsch Richtung Rukla.

Ein Soldat mit grünem Barett steht vor einer großen Gruppe von Soldaten, die auf ihn schauen.

Brigadegeneral Christian Nawrat (2.v.r.) verlegt seinen vorgeschobenen Gefechtsstand an die Ostflanke der NATO. Fast 100 Soldaten und 40 Fahrzeuge starten nach Litauen.

Bundeswehr/Julia Dahlmann

Anfang Juni hatte Bundeskanzler Olaf Scholz mit dem litauischen Präsidenten Gitanas Nausėda eine schrittweise Erweiterung der Präsenz der Bundeswehr, des deutschen NATO-Partners, in Litauen vereinbart. Nawrat stellt mit seinen Soldaten ein Kommandoelement – den vorgeschobenen Gefechtsstand – der dauerhaft in Litauen präsent sein wird. „Dieser vorgeschobene Gefechtsstand wird getrennt von der bereits in der 11. Rotation laufenden enhanced Forward Presence (eFPenhanced Forward Presence) Allianz eingesetzt und vom Heer geführt“, so Nawrat. 

Seit Februar 2017 stellt die Bundeswehr rund 560 Soldatinnen und Soldaten für die eFPenhanced Forward Presence-Mission zur Sicherung der NATO-Ostflanke. Im Februar 2022 kamen noch einmal 350 deutsche Soldaten als Verstärkungskräfte hinzu. Das eFPenhanced Forward Presence-Bataillon bleibt weiterhin der litauischen Iron Wolf Brigade unterstellt. 

Umfangreicher Auftrag

„Wir haben in den vergangenen Monaten die Kernbefähigung zum hochintensiven Gefecht in den Mittelpunkt unserer Ausbildung gestellt, von der individuellen Ebene bis hin zum Gefechtsstand“, erklärt der Kommandeur. Kurz vor Abmarsch sammeln sich noch einmal alle Soldaten in der Kaserne des Aufklärungsbataillons 6 in Eutin. Infanteristen aus Torgelow, Aufklärer aus Eutin und Logistiksoldaten aus Hagenow machen sich bereit für den Marsch Richtung Litauen. Sie alle sind Teil des FCE. Dieses Führungselement einer Brigade wird innerhalb der NATO als enhanced Vigilance Activities (eVAenhanced Vigilance Activities) eingesetzt und verstärkt somit die Aktivität rund um die Bündnisverteidigung mit Litauen. Bei einer Verschärfung der Bedrohungssituation könnten später Anteile der in Deutschland verbleibenden Brigade unverzüglich nach Litauen verlegt werden.

Noch 50 Kilometer bis zum Hafen

Verschiedene Militärfahrzeuge fahren auf einer Straße hintereinander mit immer gleichem Abstand.

Zunächst geht es von Eutin gut 50 Kilometer über die Straße bis in den Ostuferhafen in Kiel

Bundeswehr/Julia Dahlmann

Es sind nur noch Minuten, bis es losgeht. Hauptmann Heiko T. verliest den Marschbefehl: „Marschleistung 50 Kilometer bis zum Ostuferhafen in Kiel“, ist nur einer von mehreren Punkten des Befehls. Die Fahrzeugbesatzungen stellen Abmarschbereitschaft her. Aufgeteilt in mehreren Marschgruppen von jeweils sechs Fahrzeugen fahren die Soldaten in Richtung Kiel. Vom Ostuferhafen geht es dann mit der Fähre nach Klaipeda, eine Hafenstadt in Litauen, von dort über die Straße bis nach Rukla. 

„Angespannt ja, aber wir wissen, um was es geht. Der Auftrag ist klar formuliert und alle ziehen an einem Strang, das ist gut“, beschreiben die Soldaten während sie am Hafen ihre Fahrzeuge für das Befahren der Fähre vorbereiten. Die langen Funkantennen der großen Gepanzerten Transportkraftfahrzeuge Boxer, aber auch der Aufklärungs- und Spähfahrzeuge Fennek müssen abgebaut werden, bevor die Fahrzeuge im Bauch der Fähre verschwinden. Ungefähr 20 Stunden trennen die Soldaten jetzt noch von Klaipeda. Am Abend des 3. September legt die Fähre in Richtung Litauen ab.

„Das richtige Signal“

Ein Fahrzeug rollt in den Bauch einer Fähre, ein weiteres steht seitlich bereit.

In Kiel nimmt eine Fähre alle Soldaten und Fahrzeuge auf. Nach dem Ablegen wird es 20 Stunden bis zum Ostseehafen Klaipeda dauern.

Bundeswehr/Julia Dahlmann

„Das ist ganz klar ein Ausdruck unserer Partnerschaft zu Litauen und ein klares Bekenntnis zur Unterstützung. Das Heer und hier voran die Soldaten meiner Brigade, der Panzergrenadierbrigade 41, beweisen Handlungsfähigkeit“, erklärt Brigadegeneral Nawrat, bevor auch sein GTKGepanzertes Transport-Kraftfahrzeug Boxer langsam auf das Ladedeck der litauischen Fähre rollt. 

Die Soldaten und Offiziere des vorgeschobenen Gefechtsstandes sollen in enger Abstimmung mit den litauischen Streitkräften Ausbildungen sowie Übungen vorbereiten. Dazu gehören auch Planungen zum Verlegen einer gesamten Gefechtsbrigade, also von bis zu 2.500 Soldaten. Die Unterstützung der litauischen Streitkräfte, die taktischen Planungen stets auf Augenhöhe mit dem Partner, seien Merkmal des Auftrages, so Nawrat. „Doch zunächst gilt es für uns, die Verlegung des vorgeschobenen Gefechtsstandes nach Litauen abzuschließen. Ich bin stolz, gemeinsam mit meinen Soldatinnen und Soldaten diesen Auftrag voranzutreiben. Wir setzen damit ein richtiges Signal.“

von René Hinz

Marsch über die Straße und das Meer

Zum Verband

  • Längs blau-silbern geteilt, darauf mittig ein roter Greif nach rechts sehend und steigend

    Panzergrenadierbrigade 41

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