Heer
Übung Berglöwe

Der Angriff beginnt

Der Angriff beginnt

Datum:
Ort:
Bad Reichenhall
Lesedauer:
4 MIN

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Lange Fahrzeugkolonnen verlassen die Kaserne Richtung Übungsplatz Kammer. Dort beziehen die Soldatinnen und Soldaten der Gebirgsjägerbrigade 23 die vorgesehenen Stellungsräume. Danach beginnt die Angriffsphase der Übung Berglöwe. Das Ziel ist die Reiteralpe im Berchtesgadener Land, die eingenommen und anschließend gegen einen angreifenden Feind verteidigt werden muss.

Ein Soldat steigt im Wald an einem Seil gesichert einen Berg hinauf.

Wo es für die schwer bepackten Gebirgsjäger zu steil wird, haben Soldaten des Hochgebirgsjägerzuges ein Seilgeländer zur Sicherung vorbereitet. Die Rucksäcke sind über 30 Kilogramm schwer.

Bundeswehr/Sebastian Zäch

Das Gebäude vibriert, als am Montag im Stundentakt Kolonnen mit bis zu 35 Fahrzeugen, darunter Kettenfahrzeuge und große Radpanzer, das Gelände der Reichenhaller Kaserne verlassen. Aus den Luken schauen Soldaten mit geschwärzten Gesichtern, die Waffen in Anschlag. „Vergangene Ereignisse, wie die Annexion der Krim, haben gezeigt, dass wir den Fokus wieder mehr auf die Landes- und Bündnisverteidigung legen müssen“, erklärt Brigadegeneral Maik Keller, Kommandeur der Gebirgsjägerbrigade 23, die Notwendigkeit der Übung. „Das Zusammenspiel so vieler Kräfte unter den schwierigen Bedingungen des Gebirgskampfes muss geübt werden. Im Verlauf der Übung steigern wir uns dazu vom Einfachen zum Schweren. Jetzt beziehen die Soldaten ihre Stellungen im Gelände und planen von dort aus das weitere Vorgehen“, erläutert der Brigadekommandeur. „Die Belastung der 1.500 Übungsteilnehmer wird hoch sein und auch das Wetter spielt eine große Rolle. Aber die Leidensfähigkeit der Gebirgsjäger ist hoch, sie sind diese Strapazen gewöhnt“.

Kleine Gefechte mit dem Feind

Mit Zweigen und Moos getarnt liegt ein Soldat mit seiner Waffe im Anschlag.

An einem gegenüberliegenden Berg liegen die stillen Helfer, die das Vorgehen der 4. Kompanie überwachen und sichern – hier ein Scharfschütze

Bundeswehr/Sebastian Zäch

Am Tag darauf entdeckt man die Gebirgsjäger auf dem Truppenübungsplatz Traunstein/Kammer kaum. Es regnet. Sie und ihre Fahrzeuge sind im Gelände bestens getarnt, sichern in alle Richtungen. In den Gefechtsständen wird eifrig gefunkt und an Landkarten gezeichnet. „Heute Nacht haben uns Spähtrupps des Feindes besucht“, erklärt der Zugführer des Hochgebirgsjägerzuges. „Die wollen herausfinden, wo wir sind und wie stark wir sind. Wir konnten unsere Stellungen natürlich halten, aber die Anspannung steigt jetzt. Wir müssen immer mit Feindberührung rechnen.“ Im Verlauf des Tages kommt es immer wieder zu kleinen Gefechten mit Feindkräften, die durch Gebirgsjäger der Bataillone aus Bischofswiesen und Mittenwald gestellt werden.

Gebirgspioniere unterstützen

Ein Fußgängersteg aus Metall wird von mehreren Soldaten geschoben.

Die Gebirgspioniere aus Ingolstadt wuchten mit vereinten Kräften Teile einer Infanteriebrücke zur anderen Uferseite. Ein kompletter Brückensatz bietet eine Spannweite von bis zu 30 Metern.

Bundeswehr/Sebastian Zäch

„Funker, fragen Sie nach, wann die Pioniere mit ihrer Brücke kommen!“ Major Andreas Müller-Romminger, in der Übung Chef der 4. Kompanie des Gebirgsjägerbataillons 231, steht unter Strom. Gegen 6 Uhr, es ist noch dunkel, hat er mit seinen Soldaten und allen Fahrzeugen einen Platz in der Nähe des Weißbachs erreicht. Jetzt sind die Soldaten zu Fuß unterwegs – schwer bepackt mit Waffen, Munition, persönlicher Ausrüstung zum Biwakieren und acht Litern Wasser pro Soldat. Doch bevor der steile Anstieg auf das Ristfeuchthorn beginnen kann, muss der Weißbach überquert werden. „Da kommen sie!“, meldet ein Soldat, der mit seinem Gewehr am Ufer des Bachs in Deckung liegt. Die Ingolstädter Gebirgspioniere schleppen sperrige Teile heran, setzen sie in wenigen Minuten zu einem langen Steg zusammen und schieben sie mit vereinten Kräften über eine Rolle ans andere Ufer.

Über die Infanteriebrücke

Zwei Soldaten überqueren einen breiten Bach über eine schmale, provisorische Metallbrücke.

Die Infanteriebrücke ist fertig, die Gebirgsjäger setzen über. Diese Brücke in Leichtbauweise wird manuell verlegt und eingeholt und kann problemlos von Hand, per Lkw sowie mit Hubschraubern transportiert werden.

Bundeswehr/Sebastian Zäch

Der Chef sprintet unter Sicherung ans andere Ufer. Im Gebüsch sitzt ein Soldat des Hochgebirgsjägerzugs: „Herr Major, wir haben das Seilgeländer vorbereitet. Ich bin hier, um Ihre Kompanie aufzunehmen und hochzuführen.“ Kurze Absprachen, deuten auf die Landkarte, der Major klopft dem „Hochzügler“ auf die Schulter. „Funker, der Charlie-Zug kann übersetzen, die anderen hinterher. Ziehharmonika-Effekt vermeiden, aufgelockert bleiben!“ Schon huschen die Männer über den Steg und beginnen den Aufstieg. Alle haben Klettergurtzeug angelegt, hängen sich damit in das vorbereitete Seilgelände ein.

Hubschrauber im Anflug!

Zwei Soldaten liegen an einem Hang im Gras. Der Vordere hat einen Sprechsatz angelegt.

Kompaniechef Major Andreas Müller-Romminger (vorn) und sein Funker dirigieren das Vorgehen der Kompanie

Bundeswehr/Sebastian Zäch

„Charlie hat einen Real-Ausfall! Sani nach vorn!“ bellt es aus dem Funkgerät, als sich die Soldaten schon mitten im Aufstieg am Seilgeländer befinden. Müller-Romminger gibt ruhig und bestimmt seine Befehle. Ein Soldat ist wegen Kreislaufversagens ausgefallen und nur noch schwer ansprechbar, schnelles Handeln ist erforderlich. Hektik kann jetzt niemand gebrauchen. Schon sind Sanitäter bei dem Betroffenen, eine Infusion wird gelegt. Sein Zustand wird über Funk weitergemeldet, dann kommt in schnellem Schritt ein Arzt des Bergrettungstrupps dazu. „Der Mann wird abgeholt. Der Hubschrauber ist im Anflug“, erklärt ein Sanitäter. „In diesem Gelände würde es viel zu lang dauern, wenn er heruntergetragen werden müsste.“ Ein Rauchkörper wird geworfen, eine gelbe Wolke steigt aus dem Wald auf. Schon schwebt der Hubschrauber über den Sanitätern und der Verletzte wird an einer Winde nach oben gezogen und an Bord genommen. Extra für die Übung ist ein Rettungshubschrauber in Bischofswiesen stationiert – aus gutem Grund, wie sich zeigt. Die Rettungskette funktioniert reibungslos, das ist im Gebirge essenziell.

Hunderte Höhenmeter bis zum Biwakplatz

Soldaten gehen mit viel Gepäck einen steilen Hang im Wald hinauf.

Es beginnt der steile Aufstieg auf das 1.569 Meter hohe Ristfeuchthorn. Wege gibt es hier nicht.

Bundeswehr/Sebastian Zäch

Die Soldaten sind seit Tagen draußen, sind großen Strapazen ausgesetzt, schlafen kaum und das schwere Gepäck tut das Übrige“, erklärt Müller-Romminger. Er dreht sich um und gibt seine Befehle, wie die Kompanie den ausgefallenen Mann ersetzt, wie mit seiner Waffe und dem Gepäck verfahren werden soll. Es wird umgruppiert. Der Aufstieg geht weiter – doch bis zum Biwakplatz in 1.350 Höhenmetern wird noch viel Schweiß fließen. „Wir sehen uns auf der Reiteralpe. Habe die Ehre!“, der Kompaniechef dreht sich um, reiht sich in den Strom der aufsteigenden Gebirgsjäger ein und verschwindet im steilen Bergwald.

von Sebastian Zäch

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