Heer

Übung Green Griffin: Vier Nationen – ein Ziel

Übung Green Griffin: Vier Nationen – ein Ziel

  • Multinationalität
  • Heer
Datum:
Ort:
Stadtallendorf
Lesedauer:
5 MIN

Für die Division Schnelle Kräfte (DSKDivision Schnelle Kräfte) aus dem hessischen Stadtallendorf ist die Übungsserie Griffin alle zwei Jahre der Schwerpunkt. Die Griffin-Serie unterteilt sich in White (Planübung), Red (Gefechtsstandsübung) und Green Griffin. Dabei ist Green Griffin der Abschluss und eine Volltruppenübung mit bis zu mehreren tausend Teilnehmern.

Ein Hubschrauber ist gelandet, die Heckklappe offen. Drei Soldaten sichern hockend mit ihren Waffen im Anschlag.

An der Übung Green Griffin nehmen mehrere tausend Soldatinnen und Soldaten aus den USAUnited States of America, Rumänien, den Niederlanden und Deutschland teil. Es werden gemeinsam auch luftbewegliche Operationen, wie hier mit dem niederländischen Hubschrauber CH-47 …

Bundeswehr/Carl Schulze

In der Division Schnelle Kräfte sind seit vielen Jahren schon die Fähigkeiten des deutschen und niederländischen Heeres im Bereich Luftbeweglichkeit und Luftlandeoperationen zusammengefasst. Bei Green Griffin 2021 soll dieser Kreis jedoch deutlich erweitert werden. Die Übung wird im Zeitraum September/Oktober im Osten Deutschlands stattfinden. Der Auftakt dazu war im April dieses Jahres eine erste Übungskonferenz mit allen wichtigen Beteiligten. Das Übungsdesign der Griffin-Serie wurde entworfen, um die Fähigkeit zu intensiven Kampfhandlungen im Rahmen eines Szenarios nach NATO Artikel V der Landes- und Bündnisverteidigung aufzubauen und aufrechtzuerhalten.

Training für den Bündnisfall

Mehrere Soldaten laufen einen Hubschrauber zu, der am Boden mit geöffneter Heckklappe wartet, um sie aufzunehmen.

Auch der Transport der deutschen Soldaten mit dem niederländischen CH-47 Chinook ist ein Bestandteil des gemeinsamen Übens.

Bundeswehr/Carl Schulze

„Die Parteien vereinbaren, dass ein bewaffneter Angriff gegen eine oder mehrere von ihnen in Europa oder Nordamerika als ein Angriff gegen sie alle angesehen wird …“, so beschreibt es der Artikel V des NATO-Vertrages für den sogenannten Bündnisfall. Dieser erlaubt den NATO-Partnern, einen bewaffneten Angriff auf einen oder mehrere von ihnen in Nordamerika oder Europa als Angriff auf alle Mitglieder zu betrachten und verpflichtet sie damit zum Beistand.

Am 23. Februar besuchte Major General Joe Jarrard, der stellvertretende kommandierende General der U.S. Army in Europe and Africa (USAREUR-AF), die Division Schnelle Kräfte in Stadtallendorf. Sein Interesse galt der Vertiefung der deutsch-amerikanischen Kooperation. Die USAREUR-AF hat ihren Sitz in Wiesbaden. Bei diesem Besuch wurde die Teilnahme amerikanischer Einheiten verabredet. Die amerikanischen Farben werden vertreten durch die 12th Combat Aviation Brigade (12th CAB).

Übungsräume erkundet

Ein Soldat steht mit seiner Waffe im Anschlag sichernd an einem Haus.

Die Soldaten der 11 Luchtmobielen Brigade der niederländischen Streitkräfte sind ein integraler Bestandteil der deutschen Division Schnelle Kräfte.

Bundeswehr/Carl Schulze

Das gemeinsame multinationale Ziel ist, die Interoperabilität zu überprüfen und weiter zu verbessern. Denn die Herausforderung der Landes- und Bündnisverteidigung wird nur gemeinsam zu stemmen sein. Anlässlich der Übungskonferenz wurden jetzt die Logistik-, Führungs- und Steuerungsanforderungen festgelegt und die Interoperabilität überprüft. Interoperabilität bezeichnet die Eigenschaft eines Systems, mit anderen Systemen kooperieren zu können. Dazu gehört zum Beispiel die Frage, ob die USUnited States-Hubschrauber die deutschen oder niederländischen Außenlasten aufnehmen können. Zudem wurden die Übungsräume für Green Griffin erkundet.

Neben den deutschen und niederländischen Teilnehmern der DSKDivision Schnelle Kräfte und der Abordnung der 12th CAB waren auch zwei Soldaten der 81. Mechanisierten Brigade aus Rumänien vor Ort. Auch diese wird sich 2021 an der Übung beteiligen. So kommen zur bisherigen deutsch-niederländischen Volltruppenübung als verstärkende Kampfkräfte jetzt die amerikanischen Heeresflieger sowie die mechanisierte Infanterie aus Rumänien hinzu. Dies intensiviert die sicherheitspolitische Zusammenarbeit zwischen den NATO-Staaten und verbessert die Abstimmung der Systeme erheblich. Major Nicklaus C. Franck, USUnited States-Verbindungsoffizier in der DSKDivision Schnelle Kräfte, betont: „Die größte Herausforderung ist die Interoperabilität. Das fängt schon bei der Sprache an, geht über die Funkgeräte bis hin zu den unterschiedlichen Vorschriften. Mit der 12th CAB sind wir jetzt vier Nationen und damit auch vier unterschiedliche Doktrinen.“ Und Generalmajor Andreas Hannemann, Kommandeur der DSKDivision Schnelle Kräfte, ergänzt: „Wir müssen weiterhin die Verteidigungsbereitschaft aufbauen und aufrechterhalten. Das Risiko durch Covid müssen wir dabei möglichst klein halten, aber es darf uns nicht von unserem Kernauftrag abhalten. Trotzdem wird Green Griffin nicht die Übung sein, wie wir sie uns wünschen. Wir passen uns an. Die Ausbildung wird verdichtet, um das Maximum an Trainingseffekt im taktischen Bereich herauszuholen.“

Enge Verbindung zwischen 12th CAB und DSKDivision Schnelle Kräfte

Der Hubschrauber ist gerade gelandet. Vier Soldaten transportieren einen Verletzten auf einer Trage.

Die MedEvacMedical Evacuation-Fähigkeit, also die Fähigkeit Verwundete zu bergen und auszufliegen, entscheidet über Leben und Tod und ist wesentlich für die Einsatzfähigkeit. Das muss auch multinational geübt werden.

US Army

Die 12th Combat Aviation Brigade gehört zur U.S. Army und dort zum V. Korps. Sie wurde 1965 aufgestellt und ist seit 2013 erneut in der Katterbach Kaserne in Ansbach in Bayern stationiert. Sie besteht aus einer Stabskompanie, dem 1-3rd Attack Battalion. Die Soldaten der 12th CAB und ihre Hubschrauber für die medizinische Evakuierung (MedEvacMedical Evacuation) waren es auch, welche die verletzten deutschen Soldaten während des Karfreitagsgefechtes am 2. April 2010 versorgt und ausgeflogen haben. Daher besteht schon länger eine innige Beziehung zwischen der Division Schnelle Kräfte und der 12th CAB. Zudem seien die Einsatzaufträge der 12th CAB und der niederländischen 11 Luchtmobielen Brigade (11 LMB) sehr ähnlich und ergänzten sich perfekt. „Hier trifft Infanterie auf Flieger und beide benötigen einander“, betont Major Franck.

Die 81. Mechanisierte Brigade der rumänischen Streitkräfte wurde im März 1995 aufgestellt und ist seit Februar 2017 über das Framework Nation Concept an die Division Schnelle Kräfte angegliedert. Der traditionsreiche Verband des rumänischen Heeres besteht aus sechs Bataillonen – einem Panzerbataillon und zwei Infanteriebataillonen, einem Artillerie-, einem Logistik- und einem Flugabwehrbataillon mit ehemaligen deutschen Flugabwehrkanonenpanzern Gepard. Darüber hinaus verfügt die Brigade über Mörser- und Minenlegefähigkeiten. Die 81. Mechanisierte Brigade ist seit 1. März 1997 Teil der rumänischen Rapid Reaction Forces und der erste rumänische Verband mit NATO-Zertifizierung. Geplant ist, die Zusammenarbeit zwischen den deutschen und den rumänischen Streitkräften weiter zu vertiefen. Rumänien wird an der Übung Green Griffin mit einer Kompanie, rund 130 Soldaten, Truppentransportpanzern und sechs LkwLastkraftwagen teilnehmen.

Komplexe Übungsaufgaben

Ein Hubschrauber steht auf der Startbahn, ein Soldat steht daneben und grüßt militärisch.

Der Kampfhubschrauber Apache wird sowohl von den niederländischen als auch den amerikanischen Streitkräften genutzt. Dadurch können sich die Besatzungen intensiv austauschen und voneinander lernen.

US Army

Die Planungskonferenz legte auch fest, welche Nation welche taktischen Aufgaben übernehmen kann und wie die Feindlage aussieht. Rumänien beantragte, komplexe Übungsaufgaben zu übernehmen. So können die mechanisierten Kräfte neben dem Schutz des Forward Arming and Refuelling Point (FARP) auch Angriffsoperationen in der Tiefe des Raumes durchführen. Am FARP werden Flugzeuge in geringer Entfernung zu ihrem Einsatzgebiet betankt und neu bewaffnet. Interessant wird die diesjährige Green Griffin Übung auch deshalb, weil teilstreitkraftübergreifend Operationen zwischen Luftlandekräften, Heeresfliegern, der niederländischen Luftwaffe und der mechanisierten Infanterie aus Rumänien in der ganzen Tiefe des Stellungsraumes umgesetzt werden können – unter Beteiligung von vier Nationen.

Hoffnung auf feste Partnerschaft

Die Griffin-Serie bietet daher die optimale Übungsmöglichkeit, um die Interoperabilität zu verbessern und die Einsatzbereitschaft auf der Divisions- und Brigadeebene gegenseitig zu fördern. Franck dazu: „Ich hoffe, dass daraus für die Zukunft eine feste Partnerschaft entsteht.“ Und Hannemann ergänzt: „Train as you fight, was nicht geübt wird, klappt nicht.“

Auch am Himmel wird wieder viel los sein. So bringen die niederländischen Streitkräfte drei Boeing CH-47 Chinook, fünf Boeing AH-64 Apache und eine C-130 Hercules mit. Die 12th CAB wird auf zwei CH-47, zwei Sikorsky UH-60 Black Hawk und vier AH-64 zurückgreifen, während Deutschland vier Mehrzweckhubschrauber NHNATO-Helicopter-90 und zwei CH-53 stellt. Es nehmen auch Soldatinnen und Soldaten der Airmobile Task Force Very High Readiness Joint Task Force 2023 (ATF VJTFVery High Readiness Joint Task Force ), also die Luftlandekräfte der Schnellen Eingreiftruppe der NATO, teil. Damit wird es eine Übung in der Übung geben. Daran beteiligen sich neben rund 500 Soldaten vier NHNATO-Helicopter-90, vier Kampfhubschrauber Tiger sowie ein Zug Panzergrenadiere mit dem Schützenpanzer Marder.

von André Forkert

mehr lesen