Heer
Gebirgsjäger im scharfen Schuss

Von den Alpen auf die Alb

Von den Alpen auf die Alb

  • Ausbildung
  • Heer
Datum:
Ort:
Stetten am kalten Markt
Lesedauer:
2 MIN

„Halbrechts – 300 – feindlicher Panzer in Querfahrt – Feuer!“ Mit ohrenbetäubendem Knall fliegt der Geschosskopf der Panzerfaust 3 in Richtung Ziel. „Treffer, gut gemacht!“, ruft der Leitende des Schießens. Das Gebirgsjägerbataillon 231 aus Bad Reichenhall hat Ende März auf der Schwäbischen Alb den scharfen Schuss mit Gefechtsmunition geübt.

Soldaten liegen in kleinen Stellungen mit der Panzerfaust im Anschlag.

Aus den Stellungen auf dem Truppenübungsplatz Heuberg fliegt der Geschosskopf der Panzerfaust 3 ins Ziel.

Bundeswehr/Gebirgsjägerbataillon 231

Zwei Wochen lang waren mehr als 200 Soldatinnen und Soldaten mit mehr als 40 Fahrzeugen, davon 16 Radpanzer Boxer, zahlreiche Handwaffen sowie tonnenweise Munition, auf dem Truppenübungsplatz Heuberg unterwegs. Tatkräftig unterstützt wurden die Gebirgsjäger vom Gebirgspionierbataillon 8 aus Ingolstadt. Die Experten für Minen, Minensperren und Sprengvorrichtungen zeigten den Reichenhaller Jagern, wie man zum Beispiel Sperren aus Stacheldraht anlegt oder auch beseitigt und was dabei zu beachten ist.

Feuer und Bewegung

Ein vierachsiger Radpanzer fährt über eine Piste mit starker Seitenneigung.

Die Gepanzerten Transportkraftfahrzeuge Boxer beweisen auf dem Heuberg ihre Geländegängigkeit.

Bundeswehr/Gebirgsjägerbataillon 231

Die Schießbahnen auf dem Heuberg boten optimale Ausbildungsbedingungen, nicht nur für das Panzerfaustschießen. Auch das Schießen mit dem Gepanzerten Transportkraftfahrzeug (GTKGepanzertes Transport-Kraftfahrzeug) Boxer wurde geübt. Die Reichenhaller Jager sind als einziges Gebirgsjägerbataillon mit dem Boxer ausgestattet. Bewaffnet sind die vierachsigen Allradler mit der Fernbedienbaren Leichten Waffenstation 200 (FLWFernbedienbare Leichte Waffenstation 200), das ist wahlweise ein schweres Maschinengewehr oder eine Granatmaschinenwaffe. Gut 20 Soldaten des Bataillons wurden in den vorhergehenden beiden Wochen zum Bediener für die FLWFernbedienbare Leichte Waffenstation 200 ausgebildet. Jetzt mussten sie zeigen, was sie gelernt haben, und das Prüfungsschießen bestehen.

Zum ersten Mal Schießleiter

Ein Soldat wirft eine blaue Übungshandgranate über eine Brüstung. Ein zweiter Soldat steht neben ihm und passt auf.

Er hat den Offizierslehrgang gerade absolviert, schon wird Oberleutnant Sebastian Grewe (r.) die Leitung beim Handgranatenwerfen übertragen.

Bundeswehr/Gebirgsjägerbataillon 231

Oberleutnant Sebastian Grewe wurde mit einem besonders verantwortungsvollen Auftrag betraut. Der 28-jährige frischgebackene Gebirgsjägeroffizier war erst vor wenigen Wochen in das Gebirgsjägerbataillon 231 versetzt worden. Da er in seiner Offiziersausbildung auch den Lehrgang „Schießlehrer Handwaffen/Panzerabwehrhandwaffen“ bestanden hatte, wurde er auf dem Heuberg kurzfristig als Leitender beim Gefechtsschießen und beim Handgranatenwerfen eingesetzt. Fehler dürfen hierbei nicht passieren. Grewe meisterte alle Aufgaben – und freut sich schon auf die nächste Herausforderung. Er wird einen Gebirgsjägerzug mit vier GTKGepanzertes Transport-Kraftfahrzeug Boxern und über 30 Soldatinnen und Soldaten übernehmen und für die nächsten zwei Jahre führen. „Genau dafür bin ich zur Bundeswehr gegangen!“, so der junge Offizier.

Höhepunkt des Übungsplatzaufenthaltes war das Zuggefechtsschießen der Infanterie im Zusammenwirken mit dem GTKGepanzertes Transport-Kraftfahrzeug Boxer, geleitet vom Kompaniechef der 2. Kompanie, Hauptmann Benjamin Gericke. Hier wurden die einzelnen Ausbildungsabschnitte der letzten Tage zusammengefasst und die Gebirgsjäger und Pioniere zeigten, was sie gelernt haben und zu leisten vermögen.

Einsatz im Osten möglich

Auf einer Freifläche zwischen Kasernengebäuden blicken Soldaten zu einem Pfarrer in Uniform, der vor einem Birkenkreuz steht.

Der katholische Militärpfarrer Jörg Plümper aus Bad Reichenhall besucht seine Gebirgsjäger für einige Tage auf dem Heuberg, um mit ihnen ins Gespräch zu kommen und gemeinsam am Sonntag einen Feldgottesdienst zu feiern.

Bundeswehr/Gebirgsjägerbataillon 231

Die aktuelle Lage in der Ukraine ändert kurzfristig auch den Auftrag des Gebirgsjägerbataillons 231. Statt im Oktober 2022 nach Mali zu gehen, bereiten sich die Reichenhaller Jager jetzt für die Bündnisverteidigung auf einen möglichen Einsatz entlang der NATO-Ostflanke vor. Die endgültige Entscheidung ist noch nicht getroffen, aber auf dem Heuberg standen schon mal Ausbildungsthemen der Landes- und Bündnisverteidigung im Mittelpunkt.

von Magnus Seiler

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