Jetzt wird es heiß!

Jetzt wird es heiß!

  • Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen
  • Feuerwehr
Datum:
Ort:
Erding
Lesedauer:
4 MIN

Am Wehrwissenschaftlichen Institut für Werk- und Betriebsstoffe (WIWeBWehrwissenschaftliche Institut für Werk- und Betriebsstoffe) in Erding fand am 22. und 23. September 2020 eine Praxistestreihe der besonderen Art statt. Das Kompetenzzentrum Baumanagement München hat dort in Zusammenarbeit mit dem WIWeBWehrwissenschaftliche Institut für Werk- und Betriebsstoffe, dem Wehrwissenschaftlichen Institut für Schutztechnologien – ABCAtomar, Biologisch, Chemisch-Schutz (WISWehrwissenschaftliches Institut für Schutztechnologien - ABC -Schutz) Munster, dem Staatlichen Bauamt Landshut, dem Zentrum Brandschutz der Bundeswehr und der Wehrtechnischen Dienststelle 61 aus Manching eine Heißschaum-Löschanlage getestet. Eingeladen waren Fachvertreter aus dem Bereich Brandschutz, der Bauverwaltung und den kommunalen Feuerwehren. Für alle Teilnehmer galt ein strenges Corona-Hygienekonzept.  Die Versuchsreihe mit der Heißschaum-Löschanlage war notwendig, um die Möglichkeiten einer schutzzielorientierten Anwendung für sechs historische Luftfahrzeughallen in der Gäubodenkaserne in Feldkirchen zu testen.

Die Messpunkte sind gesetzt, alle Brandstellen sind gezündet, der Countdown läuft. In einer Halle des Wehrwissenschaftlichen Instituts für Werk- und Betriebsstoffe wurde ein großer Versuchsraum errichtet, der oben offen ist. In dem Versuchsraum befindet sich auch noch ein Container, in dem ein  Brand in einem Tunnel simuliert werden soll.

Ein Container, wie er auch auf Schiffen verladen wird, vorne offen, in einem Testraum

Der Container soll einen Tunnel simulieren

Bundeswehr/Marcus Rott

Dies soll Erkenntnisse darüber liefern, ob Heißschaum-Löschanlagen auch im Bereich von Untertageanlagen eingesetzt werden können. Also, ob der Schaum in den Tunnel fließt und dort den Brand löscht oder dem Feuer nur von außen die Sauerstoffzufuhr blockiert, indem der Eingang zugeschäumt wird. Außerdem befinden sich im Testraum unverpackte und originalverpackte Möbel, die Feuer und Löschschaum ausgesetzt werden. Getestet wird nicht nur, wie zuverlässig die Heißschaum-Löschanlage funktioniert, sondern auch, wie sich der Löschvorgang auf den Raum und die sich darin befindlichen Möbel auswirkt.

Die Feuerwehr steht für den Notfall bereit

Feuerwehrleute auf einem Baugerüst

Bereit den Dachstuhl zu schützen

Bundeswehr/Marcus Rott

Die Heißschaum-Löschanlage ist unter der Decke über dem Testraum installiert. Um die Holzkonstruktion herum ist ein fünf Meter hohes Gerüst aufgebaut, auf dem Feuerwehrleute in voller Ausrüstung bereitstehen, um im Notfall eingreifen zu können und ein Übergreifen des Brandes auf den hölzernen Hallendachstuhl zu verhindern. Feuerwehrschläuche liegen um den Testraum herum. Einer davon wird benötigt, um in die Heißschaum-Löschanlage Wasser und ein spezielles Schaummittel einzuspeisen.

Ein Mann in Flecktarn-Overall und Schutzhelm setzt einen Messpunkt in einem Holzstapel

Rainer Verlage vom WISWehrwissenschaftliches Institut für Schutztechnologien - ABC -Schutz Munster setzt die Temperatur-Messpunkte an jede Brandstelle

Bundeswehr/Marcus Rott

Insgesamt befinden sich drei nach DINDeutsches Institut für Normung ENEuropäische Norm 3-7 genormte Brandstellen im Testraum; zwei außerhalb und eine innerhalb des Containers. Zwei Brandstellen sind als Holzkrippen (13A und 34A) und eine für flüssigen Brennstoffe (70B) ausgelegt. Acht Minuten muss das Feuer „vorbrennen“, bevor die Heißschaum-Löschanlage zeigen kann, was sie draufhat. Jede der acht Minuten Vorbrennzeit wird für Beobachter und Teilnehmer mit einem lautem Signal, ähnlich einer Vuvuzela, angezeigt.

Testen im Grenzbereich

Feuerwehrleute stehen vor einem Testraum in dem ein Feuer brennt

Es brennt schon ordentlich

Bundeswehr/Marcus Rott

Nach acht Minuten ist im Testraum ein anständiges Feuer entbrannt. Ein letztes lautes Signal, die Türen zum Testraum werden geschlossen und die Heißschaum-Löschanlage ausgelöst. Das Besondere an diesem Heißschaum besteht darin, dass das dem Löschwasser zugesetzte Schaummittel den Leichtschaum auch aus heißen Brandrauch bilden kann. Brandrauch und -gase werden im Leichtschaum gebunden. Eine sonst übliche Rauch- und Wärmeableitung ist bei diesem Löschanlagentyp nicht erforderlich, was den Einsatz von Heißschaum-Löschanlagen insbesondere für ältere Bestandsinfrastruktur interessant macht.  

Oben aus einem Testraum schlagen Flammen und es läuft Schaum über. Davor stehen Feuerwehrleute.

Schaum und Feuer kommen oben aus dem Testraum

Bundeswehr/Marcus Rott

Es wird laut, als der Schaum auf das Feuer trifft. Funken und große Schaumflocken spritzen oben aus dem Testraum. Nach circa 15 Minuten ist die ganze Konstruktion mit Schaum gefüllt und das Feuer gelöscht. Jetzt heißt es abwarten. Der Schaum braucht mehrere Stunden, bis er zerfallen ist. Anschließend kann die Brandstelle untersucht werden.

Eine „saubere Brandstelle“

Ein Holzstapel nach DIN EN 3-7, der komplett verkohlt ist.

Verkohlt - aber der Stapel steht noch

Bundeswehr/Marcus Rott

Am nächsten Tag ist der Schaum verschwunden. Er hat eine „saubere Brandstelle“ hinterlassen, so der Leiter der Praxistestreihe – Brandoberamtsrat Johann Liebich vom Kompetenzzentrum Baumanagement München. Das bedeutet, der Leichtschaum hat ordentlich gelöscht und dabei wenig Schaden angerichtet.

Ein Schrank in Buche-Dekor mit leichten Wasserschäden

Bei einer Löschung mit Wasser, wäre ein größerer Schaden entstanden

Bundeswehr/Marcus Rott

Die Möbel sind zwar nicht komplett unversehrt, aber der Schaden ist gering. Ein Löschvorgang mit Wasser hätte viel größeren Schaden angerichtet. Auch die Holzstapel, die gebrannt haben, haben sich mechanisch nicht bewegt. Was vorher unbearbeitetes Holz war ist jetzt verkohlt, aber der Stapel steht noch. Die Heißschaum-Löschanlage wurde im absoluten Grenzbereich getestet, normalerweise wird sie bei einem Feuer viel früher ausgelöst, daher ist kaum Schaden durch den Löschvorgang zu erwarten.

Auf zum zweiten Test

Zwei Feuerwehrleute voll Schaum vor einem Testraum

Die Feuerwehr kämpft sich durch den Schaum

Bundeswehr/Marcus Rott

Danach wird der Testraum noch einmal bis zum Rand mit Schaum geflutet. Es wird Eigenrettung und Fremdrettung durch den mit Schaum gefüllten Raum geprobt. Wie erwartet lässt sich der Schaum mit dem speziellen Entschäumer auch wieder schnell zerstören. Hier wird dem Löschwasser ein spezielles Entschäumungsmittel beigemischt, das die Schaumstruktur schnell eliminiert. Die Feuerwehr kommt gut durch den Leichtschaum und könnte vermisste Personen retten, die sich möglicherweise noch im Raum befinden. Auch eine schnelle Ortung einer Brandstelle wäre auf diese Art möglich.

Test bestanden

Schwarzer Rauch quillt oben aus einem Testraum

Das Feuer ist gelöscht

Bundeswehr/Marcus Rott

Mission erfüllt – der Versuch ist erfolgreich verlaufen. Die Anlage funktioniert wie erwartet gut. Für diese Anlage sind mehrere Verwendungen in der Bundeswehr denkbar. Die Ergebnisse aus der Praxistestreihe werden zeitnah dem Ministerium als oberste technische Instanz vorgelegt. Dort wird im Einzelfall entschieden, ob und wo die Anlage installiert werden kann.

Impressionen im Video und Bildergalerie

Am Wehrwissenschaftlichen Institut für Werk- und Betriebsstoffe (WIWeBWehrwissenschaftliche Institut für Werk- und Betriebsstoffe) in Erding fand am 22. und 23. September 2020 im Auftrag des Kompetenzzentrums Baumanagement München in Zusammenarbeit mit WIWeBWehrwissenschaftliche Institut für Werk- und Betriebsstoffe, dem Wehrwissenschaftlichen Institut für Schutztechnologien – ABCAtomar, Biologisch, Chemisch-Schutz (WISWehrwissenschaftliches Institut für Schutztechnologien - ABC -Schutz) Munster, dem Staatlichen Bauamt Landshut, dem Zentrum Brandschutz der Bundeswehr und der Wehrtechnischen Dienststelle 61 aus Manching die Testung einer Heißschaum-Löschanlage statt. Eingeladen waren Fachvertreter aus dem Bereich Brandschutz, der Bauverwaltung und den kommunalen Feuerwehren.

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Ein Mann in Schutzkleidung und FFP 2 Maske mit einem Mikrofon in der Hand

Brandoberamtsrat Johann Liebich erklärt den Testablauf

Bundeswehr/Marcus Rott
Ein Mann in Freizeitkleidung mit einer FFP 2 Maske und einem Mikrofonin der Hand

Dipl. Wirt. Ing. (FH) Günter Knopf, der die Löschanlage konzipert hat, erklärt die Funktionsweise

Bundeswehr/Marcus Rott
Ein Metallfaden hängt an einer Vorrichtung über einer Wanne mit flüssigem Brennstoff

Einer der Messpunkte direkt am Brandherd

Bundeswehr/Marcus Rott
Fünf Männer, davon einer in Feuerwehruniform, vier in Schutzkleidung, nebeneinander im Schaum

Nach dem Öffnen der Tür für den Rettungsversuch ist der Schaum überall

Bundeswehr/Marcus Rott
Feuerwehrleute vor Feuerwehrfahrzeugen

Die Feuerwehr steht vor der Halle bereit

Bundeswehr/Marcus Rott
Fünf Feuerwehrleute vor der Tür eines Testraumes aus dem Schaum quillt

Die Tür ist offen, nun ist der Schaum überall

Bundeswehr/Marcus Rott

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von Spengler Annette  E-Mail schreiben
Ein zehnstöckiges Gebäude auf Stelzen mit einer Fassade aus Sandstein.

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