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80 Einsatztage im Baltikum: DCRC beendet seine VAPB-Mission

80 Einsatztage im Baltikum: DCRC beendet seine VAPB-Mission

  • Technik
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Datum:
Ort:
Ämari
Lesedauer:
3 MIN

Nicht in 80 Tagen um die Welt, dafür aber an die 80 Einsatztage im Baltikum zur Verstärkung des Air Policing Baltikum 2020/2021 (VAPB). Die Besatzung des Deployable Control and Reporting Centre (DCRC) kann nach Beendigung ihrer Mission auf eine erfolgreiche Zeit zurückblicken.

Die Flaggen vom VAPB und dem DCRC flattern vor einem blauen Himmel

Deutlich sichtbar: Das DCRC mit seinem Team „Red Hawk" im Einsatz bei VAPB 2020/2021 in Litauen

Bundeswehr/Stefan Zippel

„Technic, hands on system“, hieß es am 19. November um 17 Uhr lokaler Zeit. Diese tägliche Durchsage des Master Controllers nach Ende eines jeden Mission-Days hatte an diesem Donnerstag eine ganz besondere Bedeutung. Jede Soldatin und jeder Soldat des Teilkontingents DCRC wusste augenblicklich: Der wochenlang geleistete Beitrag zum VAPB 2020/2021 ist hiermit beendet. Nach einem kurzen Moment des Innehaltens begaben sich die Techniker an ihre Systeme und beendeten alle Rechnerprozesse mit dem Eingabebefehl „Shut down all nodes“.

Ein Soldat gibt etwas über die Tastatur an einem Rechner ein

Die Hochleistungsrechenanlagen müssen sorgfältig aus ihren Rechnerprozessen gelöst werden

Bundeswehr/Nils Juhlke

45 Sattelzüge mit Material und Ausrüstung

So paradox es sich anhören mag, die Planungen zum Abbau begannen schon lange vor der Rückverlegung. Der Logistikmeister, Hauptfeldwebel Sebastian F., und der Luftumschlagsfeldwebel, Hauptfeldwebel Andreas M., planten und organisierten seit Einnahme der vollen Einsatzbereitschaft im Oktober in enger Zusammenarbeit mit dem Logistikbereich des Heimatverbands den Abbau und die Rückverlegung in die Heimat nach Holzdorf Schönewalde. Jede Verlegung ist eine logistische Herausforderung. Allein für das Material werden etwa 70 Container mit einem Normmaß von 20 Fuß benötigt. Dazu kommen die Gefechtsstandcontainer sowie die dazugehörige Ausrüstung. Das ergibt einen Gesamtbedarf von über 45 Sattelzügen, die die Ausrüstung nach Deutschland zurücktransportieren. Alle LkwLastkraftwagen hintereinander würden eine Kolonne von über 800 Metern Länge bilden. „Es liegt auf der Hand, dass solch eine Größenordnung an Transportvolumen bereits Wochen im Voraus geplant und angemeldet sein muss“, so Sebastian F.

DCRC-Verlegung bringt wichtige Erkenntnisse

„Wir ziehen aus dieser Verlegung wichtige Erkenntnisse“, so Oberstleutnant Thorsten H., der Kontingentführer vor Ort. Angefangen bei logistischen Erfahrungen, wie dieses DCRC in den Einsatz kommt, bis zu neuen Erkenntnissen bei der Zusammenstellung individueller Schnittstellen, die zur Einbindung in das baltische Netzwerk unverzichtbar waren. So konnte eine Anbindung an baltische Radarsensoren eingerichtet werden. Im Bereich Funk wurde, abgesetzt vom DCRC in Šiauliai, eine Funkstation im estnischen Ämari betrieben. Dies brachte den Jägerleitoffizieren (Aircraft Controller) des DCRC, die eine sogenannte Ground-Air-Ground Kommunikation mit den deutschen Eurofighter-Piloten durchführten, wichtige Erkenntnisse für ihre Tätigkeit. Der Einsatz eines abgesetzten Moduls für taktischen Daten-Link in Lettland wurde ebenfalls in den Datenverbund des DCRC eingebunden. Auch dieses wichtige Einsatzmodul brachte neue Erkenntnisse und trug zur Erweiterung der Link-16-Fähigkeit im baltischen Luftraum bei.

Eine mobile Funkstation ragt in den Himmel

Die mobile Funkstation des DCRC ermöglichte eine stabile Ground-Air-Ground Kommunikation zwischen den Aircraft Controllern und den Piloten

Bundeswehr/Stefan Zippel

Nach Ende der Mission stemmt nun das Team „Red Hawk“ den Abbau des DCRC gemeinsam. Die koppelbaren Gefechtsstandcontainer werden von einem siebenköpfigen Team entkoppelt.

Mehrere Soldatinnen und Soldaten schieben einen Container

Die Doppelarbeitsplatzcontainer werden auseinandergeschoben. Hier packt jeder mit an. Hand in Hand arbeiten die Frauen und Männer des DCRC zusammen

Bundeswehr/Albert
Soldatinnen und Soldaten halten eine Containerwand

Die Koppelteams trennen die miteinander verbundenen Container. Die herausgenommenen Wände müssen nun wieder eingesetzt werden

Bundeswehr/Albert

Zehn Tonnen heben ab

Sobald diese Container für den Transport gepackt, geprüft und final vorbereitet sind, kommt der Containerkran ins Spiel. Spielend leicht nimmt er die Container an deren ISOInternational Organization for Standardization-Ecken auf und bewegt sie zentimetergenau in alle Richtungen. Bei dem Anblick könnte man fast vergessen, dass die Container ein Gewicht zwischen acht und zehn Tonnen haben. Dieser Kran ist in der Lage, eine Last von 40 Tonnen bis in eine Höhe von neun Metern zu heben.

Ein Container hängt am Kran

Der über 70 Tonnen schwere Containerkran bewegt die 20-Fuß-Container nahezu spielerisch. Die LkwLastkraftwagen stehen bereit zur Beladung

Bundeswehr/Albert

Auch im Haupttrakt des DCRC-Zelts verpacken die Soldatinnen und Soldaten die komplette Ausrüstung zu verpacken und ziehen die etwa 15 Kilometer Kabel zurück. Alles was am Ende noch steht, ist ein etwa 60 Meter langes, leeres Zelt. Dieses wird ganz zum Schluss Segment für Segment abgebaut.

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Unterstützung aus Burg und Köln

Während der gesamten Mission wurde das Teilkontingent DCRC durch externe Kräfte begleitet. So unterstützten das Feldjägerregiment 1 aus Burg und das Führungsunterstützungszentrum der Luftwaffe aus Köln die Mission in Litauen. Mit der Begleitung wichtiger Versorgungsfahrten zur abgesetzten Stellung nach Skede sorgten die Feldjäger für die nötige Sicherheit. Auch unterstützten sie bei Kontrollaufgaben im Bereich der Sperrzone des DCRC. Die Kölner Führungsunterstützungskräfte sorgten kompetent und mit großer Sorgfalt für eine perfekte Bürokommunikation. Ein Netzwerk aus Telefonen, Arbeitsplatzcomputern und Druckern wurde eingerichtet, in die Gefechtsstandstruktur eingebunden und durchgehend betrieben.

Ein Soldat kniet an einem Rechner und gibt etwas in die Tastatur ein

Herr der Bits und Bytes. Stabsunteroffizier Max S. sorgt mit seinem Einsatz bis zum Schluss für eine reibungslose Bürokommunikation.

Bundeswehr/Albert

Die Angehörigen des DCRC „Red Hawk“ machen sich auf den Weg in Richtung Heimat und verabschieden sich von den drei baltischen Staaten mit einem dreifachen „Red Hawk“.


von Stefan  Zippel