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Alles will seine Ordnung haben, auch in der Luft

Alles will seine Ordnung haben, auch in der Luft

  • Rapid Pacific
  • Luftwaffe
Datum:
Ort:
Berlin
Lesedauer:
3 MIN

Länder haben Grenzen – der darüber liegende Luftraum gehört ohne Zweifel zum Staatsgebiet. Und das darf nicht einfach mal so durchflogen werden. Doch wie gestaltet sich die Vorgehensweise und welche Genehmigungen brauchte es, wenn militärische Luftfahrzeuge fremdes Territorium überfliegen?

Abu Dhabi ist das erste Zwischenziel

Erstes Zwischenziel wird Abu Dhabi in den Vereinigten Arabischen Emiraten sein. Bis dahin haben Mensch und Maschine circa 4.500 Kilometer zurückgelegt. Hier sollen auch die Besatzungen ausgewechselt werden.

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Durch fremden Luftraum einfach mal so ­ – nicht ohne Genehmigung

Hier greift die sogenannte Diplomatic Clearance, eine Sondergenehmigung, die von den jeweils überflogenen Ländern und ihren zuständigen Luftfahrtbehörden für ausländische Staatsluftfahrzeuge erteilt wird. Zahlreiche völkerrechtliche Verträge wurden dazu beschlossen, als die umfassendste dieser Vereinbarungen gilt das Chicagoer Abkommen von 1944 und regelt mit den „Neun Freiheiten der Luft“ inter- wie transnationale Überflugrechte. Die Freiheiten, in Zusatzvereinbarungen differenziert, regeln die Belange der zivilen und kommerziellen Luftfahrt. Aktuell müssen sich die Flugberater der Luftwaffe und des Europäischen Lufttransportkommandos (EATC European Air Transport Command) mit der Flugplanung zur Übung Rapid Pacific befassen, ein ständiger Prozess, wie Oberstabsfeldwebel Thomas J. sagt. Der Flugberater-Feldwebel in der Flugbereitschaft des Bundesministeriums der Verteidigung plant die Route für die sechs Eurofighter aus dem Taktischen Luftwaffengeschwader 74 in Neuburg/Donau, dazu kommen noch vier A400M aus Wunstorf und drei A330 MRTTMulti Role Tanker Transport aus Eindhoven. „Dafür arbeiten wir eng mit dem Gegenpart vom EATC European Air Transport Command zusammen und stimmen uns mit ihm ab“, sagt der Planer. Von Deutschland aus geht die Route über Italien, Griechenland, Israel und Jordanien nach Abu Dhabi in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Dort ist Zwischenstation, es wechseln die Piloten und es gibt hinsichtlich der weiteren Flugstrecke Präzisierungen. Geplant sei im zweiten Teil der Verlegung der Überflug über den Golf von Oman, Indien, den Golf von Bengalen mit Zielpunkt Singapur. Von dort aus erfolgt die Verlegung nach Darwin in Australien und die Teilnahme an zwei internationalen Übungen.

Das indisches Wahrzeichen Taj Mahal

Bei der Verlegung für die Übung Rapid Pacific wird auch Indien überflogen. Mit dem Erreichen des Thailändischen Luftraumes können die Piloten 10.000 Kilometer in ihrem Bordbuch notieren.

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Immer im Blick: die Zeit

Dafür stehen jede Menge Abstimmungen, Emails und Telefonate an der Tagesordnung. Der alles bestimmende Faktor ist die Zeit! Denn jedes dieser Länder besitzt spezielle Vorgaben für die Vergabe der „Diplo Clearance“, wie das Dokument verkürzt in der Fliegersprache genannt wird. Flugberater Damien G. vom Europäischen Lufttransportkommando informiert dazu: Je nach Registrierungsland und Art der Ladung, etwa ob Gefahrgut an Bord ist, muss die Diplo-Anfrage mit einer bestimmten Verzögerung gesendet werden, drei Tage sind es für Portugal, 21 Arbeitstage für Algerien, etc…. „Wir müssen also für jede Mission eine Diplo-Vorlaufzeit kalkulieren“, sagt er. Auch gebe es viele Sonderfälle, die sich an den politischen Realitäten ausrichten und die sich tagesaktuell ändern können.

Wahrzeichen Singapurs

Singapur wird ebenfalls überflogen

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Militär-Attachés sind gefordert

Der Kölner Flugberater J. wird genauer: „Wir schicken also in der Vorbereitungsphase eine Diplo-Anfrage an das zuständige Diplomatenbüro, dann schickt das Diplo-Büro die Anfrage an die eigenen Militärattachés, dann antwortet das Auswärtige Amt mit einem besonderen Hinweis, und die Nachricht wird über unsere MEAT-Software, ein Management-System im Flugverkehr, an uns und die Crew zurückgesendet.“ Diese Schleife muss bei jeder Änderung im Ablauf einer Verlegung immer wieder aufs Neue abgearbeitet werden. Da für viele Militärattachés diese Aufgabe Neuland darstellt, werden sie in Köln durch die Flugberater geschult, auch, um bei einer Änderung der Ausgangslage schnell und vor allem richtig reagieren zu können. Relativ einfach seien die Überflüge „natürlich für „alliierte“ Länder, also die die sich im Europäischen Lufttransportkommando zusammenarbeiten“, aber auch über den EDAEuropäische Verteidigungsagentur-Ländern, also den 27 Staaten, die sich in der Europäische Verteidigungsagentur zusammengeschlossen haben. Hier gibt es jährliche Vereinbarungen für Standardflüge, bezüglich Passagiere und Standardfracht.

Über offenem Meer

Die Luftbetankung auf dieser mehrere tausend Kilometer langen Route wird jeweils an vorher festgelegten Punkten auf dem offenen Meer erfolgen, sagt der Oberstabsfeldwebel: „Das geschieht außerhalb der Zwölfmeilen-Zone“. Hier greifen keine besonderen Regelungen.

von Thomas Skiba