Luftwaffe

Als Reservist bei VAPB im Einsatz

Als Reservist bei VAPB im Einsatz

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Datum:
Ort:
Ämari
Lesedauer:
8 MIN

Was haben ein Verwaltungsbeamter, ein Tankwart, ein Fluggerätemechaniker und ein flugmedizinischer Assistent gemeinsam? Sie tragen eine Uniform und unterstützen als aktive Reservisten das deutsche Kontingent der Einsatzmission VAPB 2020/2021 in Estland.

Soldat und Zivilist. Collage von vier Reservisten hälftig als Soldat, hälftig als Zivilist dargestellt.

Als aktive Reservisten für die Bundeswehr im Einsatz. Die Reservisten des 2. Kontingents VAPB 2020/2021, abgelichtet als Zivilist und Soldat.

Bundeswehr/Daniel Redell

Hauptfeldwebel Wilfried E., bei VAPB zuständig für Haushalts- und Kassenwesen, Stabsunteroffizier Michael R., Tankwart am Eurofighter, Hauptfeldwebel Rüdiger E., zuständig für Rettungssysteme am Eurofighter und Stabsfeldwebel Andreas I., eingesetzt als Flugmedizinischer Assistent leisten mit ihrem aktiven Reservedienst einen wertvollen Beitrag beim Verstärkten Air Policing Baltikum 2020/2021 in Estland. Dabei sind die militärischen Werdegänge der vier Kameraden so unterschiedlich und facettenreich wie ihre Berufe.

EDVElektronische Datenverarbeitung- Anwendung und Rechenmaschine als „Hauptwaffensystem“

Wilfried E. ist im zivilen Leben Verwaltungsbeamter bei der Bundeswehr. Der 1962 in Ostfriesland geborene Beamte begann 1979 seine Ausbildung bei der Bundeswehr in der Laufbahn des mittleren nichttechnischen Dienstes. Nach seiner Ausbildung wurde Wilfried E. zunächst beim Marinemunitionsdepot 2 in der Nähe von Aurich eingesetzt. Dort sollte er aber nicht lang bleiben, denn für ihn stand das an, was hunderttausende andere Männer in seinem Alter auch erwartete. Der junge Beamte sollte seinen Wehrdienst ableisten.

Ein Reservist der Einsatzwehrverwaltung an seinem Arbeitsplatz auf der Ämari Airbase.

Hauptfeldwebel Wilfried E. an seinem Arbeitsplatz. Zu seinen Aufgaben gehört es die Finanzen des Einsatzkontingents im Blick zu halten.

Bundeswehr/Daniel Redell

Statt die damals üblichen 15 Monate Grundwehrdienst (GWDL) abzuleisten, entschied sich E. als Zeitsoldat für zwei Jahre (SaZSoldatinnen und Soldaten auf Zeit 2) zu verpflichten. „Das war auch eine Geldfrage. Als SaZSoldatinnen und Soldaten auf Zeit hat man einfach mehr verdient als die GWDL´er. Und da für SaZSoldatinnen und Soldaten auf Zeit 2 auch der besondere Kündigungsschutz beim Arbeitgeber bestand, war das eine gute Alternative zum Grundwehrdienst“, erzählt der Hauptfeldwebel.

So wurde Wilfried E. 1982 als Soldat eingezogen. Als aktiver Soldat kam er in der Bundeswehr etwas herum. Zu seinen Dienstorten gehörte unter anderem Köln aber auch eine integrierte Auslandsverwendung in Belgien beim obersten Hauptquartier der Alliierten Streitkräfte in Europa (SHAPESupreme Headquarters Allied Powers Europe). So vergingen die zwei Jahre recht schnell und der Obergefreite E. wechselte wieder in die zivile Beamtenlaufbahn. Sein Dienstherr blieb derselbe. Ob als Hausverwalter beim Marineunterstützungskommando in Wilhelmshaven, Vorschriftenverwalter in Brockzetel, oder in weiteren Verwendungen in Aurich und Emden bis zu seiner aktuellen Verwendung als Haushälter in Wittmund, der Beamte E. etablierte sich im Raum Friesland und Ostfriesland.

Zwischendurch wechselte er immer mal wieder die „Ärmelschoner“ gegen die Uniform. So verschlug es ihn im Soldatenstatus bereits in den Kosovo, im Rahmen des NATO-Einsatzes KFORKosovo Force. Auch nahm der Soldat Wilfried E. 2015 an der NATO-Operation Active Fence in der Türkei teil und eben zum wiederholten Mal bei VAPB. Immer im Bereich der Einsatzwehrverwaltung.

Bei VAPB kümmert sich der Hauptfeldwebel um alles, was die Finanzen der Einsatzmission angeht. Dazu gehören Rechnungsbegleichungen, Umsetzung kleinerer Beschaffungsvorgänge von Material, welches nicht zentral auf dem eigenen Versorgungsweg zur Verfügung gestellt werden kann, bis hin zu Buchungsfreigaben im EDVElektronische Datenverarbeitung-System nach dem Vier-Augenprinzip. Dabei folgt er stets dem Grundsatz der Sparsamkeit und berät den Kontingentführer bei Finanzentscheidungen des Kontingents. 

Mengen, Drücke und Gewichte

In einem ganz anderen Bereich ist Stabsunteroffizier der Reserve Michael R. tätig. Auch er hat in seinem Tätigkeitsfeld mit Zahlen zu tun. Allerdings dreht es sich dabei um Mengen, Gewichte und Drücke. Michael R. betankt als Luftfahrzeugbetankungsgerätefachkraft die deutschen Eurofighter in Ämari. Nach jeder geflogenen Mission der Jets stehen er und seine Kameraden mit ihren Tanklastwagen bereit.

Ein Tanklastwagenfahrer posiert vor seinem Lkw.

Stabsunteroffizier Michael R. vor seinem Arbeitsgerät. "Bei uns dreht sich alles um Betriebs- und Schmierstoffe."

Bundeswehr/Daniel Redell

Nachdem die Kampfflugzeuge wieder in ihren Hangars stehen, fährt er mit seinem Sattelzug an den Eurofighter heran und betankt diesen. Ein solcher Flugfeldtankwagen hat ein Fassungsvermögen von 33.000 Litern Treibstoff. „Wir pumpen den Kraftstoff mit 3,5 bar Druck in das Flugzeug“, erklärt der Stabsunteroffizier. „Dabei fließen bis zu 1.000 Liter in der Minute des Spezialtreibstoffs in die Tanks“, so R. weiter. Allerdings wird die Menge des Treibstoffs in Tonnen gerechnet. Ein Eurofighter kann je nach Konfiguration mit Zusatztanks bis zu 7,3 Tonnen Treibstoff mitführen.

Michael R. trat 1995 in die Bundeswehr ein. Der gelernte Groß- und Außenhandelskaufmann verpflichtete sich von vorn herein als SaZSoldatinnen und Soldaten auf Zeit 4 in der Unteroffizierslaufbahn. Eingesetzt als 1. Betriebsstoffspezialist im Labor der Fachgruppe POLPetroleum, Oil and Lubricants (Petrol, Oil and Liquids) in der Nachschub- und Transportstaffel des damaligen Jagdgeschwader 71 „Richthofen“ verrichtete der Unteroffizier seinen Dienst. Nach Ablauf seiner vier Dienstjahre als Zeitsoldat blieb auch für Michael R. der Dienstherr gleich. Als ziviler Mitarbeiter verrichtet er seitdem bei POLPetroleum, Oil and Lubricants im „Richthofengeschwader“ seinen Dienst. Erst als Betriebsstofflaborant und seit einigen Jahren als „Tankwart“ für die Eurofighter. „Damals suchte die Bundeswehr zivile Betriebsstofflaboranten. Da war der Wechsel für mich ein leichtes“, erzählt R.

Zu seinen Aufgaben beim Verstärkten Air Policing im Baltikum gehört aber nicht nur das Betanken der Eurofighter. Gelegentlich muss der Treibstoff auch für Wartungsarbeiten wieder aus den Flugzeugen raus. Dann enttankt Michael R. die Jets. „Wir von der Fachgruppe POLPetroleum, Oil and Lubricants betanken aber nicht nur die Flugzeuge. Im Grunde kümmern wir uns um alles was Betriebsstoffe benötigt. Wir betanken auch Stromerzeugergeräte mit Diesel, lagern Öl- und Schmierstoffe oder auch Hydrauliköle für die Eurofighter in unserem Bereich“, erzählt der Reservist.

Retter in der Not

Auch in der Fachgruppe Rettungs- und Sicherheitsgeräte, kurz RTS, dient ein Reservist. Hauptfeldwebel der Reserve Rüdiger E. ist wie seine beiden Kameraden im ostfriesischen „Richthofengeschwader“ beheimatet. 1984 trat der junge Rüdiger E. in die Bundeswehr ein. Allerdings nicht von vorn herein bei der Luftwaffe. „Eingestellt wurde ich bei der Marine, beim 2. Zerstörergeschwader in Wilhelmshaven als SAZ 6 in der Unteroffizierlaufbahn“, erzählt er. Und ganz neben bei erwähnt der Hauptfeldwebel, dass er dort etwa ein Jahr lang zur See gefahren ist. „Ich war als Techniker im Maschinenraum auf dem Zerstörer Schleswig-Holstein eingesetzt“, berichtet der gelernte Gas- Wasserinstallateur verschmitzt grinsend. Aber der laute und stickige Maschinenraum eines Zerstörers war nicht so ganz Rüdigers Sache.

Ein Techniker posiert vor einem Eurofighter auf der Ämari Airbase.

Hauptfeldwebel Rüdiger E. ist die "Lebensversicherung" der Piloten. Seit mehr als 25 Jahren kümmert er sich um Rettungssysteme in Kampfjets.

Bundeswehr/Daniel Redell

Er wechselte zum Marinefliegergeschwader 1 in Jagel und wurde Techniker am Waffensystem Tornado. Schon dort war er im Bereich Rettungssysteme tätig. Noch vor Ablauf seiner Zeit im Status eines Soldaten wurde er nach Jever zum Jagdbombergeschwader 38 „Friesland“ (JaBoG 38 „F“) versetzt. „Das war ganz angenehm„, erzählt Rüdiger E. „So konnte ich das tun, was ich gern mache und war sogar heimatnah eingesetzt.“

Nach seiner Zeit als aktiver Soldat blieb er ebenfalls seinem Dienstherrn treu und blieb als zivilangestellter Fluggerätemechaniker beim JaBoG in Jever. Dort verrichtete er weiterhin seinen Dienst im Bereich Rettungssysteme bis zur Außerdienststellung des Geschwaders im Jahr 2005. Einen Fachmann wie Rüdiger E. lässt man aber nicht einfach gehen. Der Reservist, der an unzähligen Kommandos, also Verlegeübungen der Luftwaffenverbände, teilnahm, wurde in das benachbarte Wittmund zum Jagdgeschwader 71 „Richthofen“ versetzt. Dort wurde er 2006 auf das Waffensystem Phantom F-4F umgeschult. Von nun an tat der Reservist seinen Dienst also in Wittmund.

Regelmäßig übte er im Status eines Soldaten als Teilnehmer von Kommandos beispielsweise in Decimomannu, Italien. Als dann 2013 die Phantom außer Dienst gestellt wurde, hieß es einmal mehr Umschulung. Das neue Waffensystem war und ist nun der Eurofighter. Seit 2013 kümmert sich Rüdiger E. um alles, was mit Rettungssystemen am Eurofighter zu tun hat. Dazu gehören unter anderem der Schleudersitz, die Kabinendachanlage, die Anti-G-Ausrüstung und Helme der Piloten. „Beim Tornado und der Phantom waren Schleudersitz und der Rest der Rettungssysteme fachgruppentechnisch voneinander getrennt. Beim Eurofighter wurden die Fachgruppen zu einer zusammengefasst. Der Eurofighter wird wohl mein letztes Waffensystem sein“, meint der Reservist wieder verschmitzt schmunzelnd.

Immer gern für alle da

Mit der Rettung von Piloten und Verletzten kennt sich Stabsfeldwebel der Reserve Andreas I. auch aus. Er ist Luftrettungsmeister und Flugmedizinischer Assistent. Der 56-jährige Vater einer Tochter ist pensionierter Berufssoldat, hält aber gern den Kontakt zur Truppe. Zum alten Eisen gehört der erfahrene Portepeeunteroffizier noch lange nicht. Als aktiver Reservist steht er gern seinem ehemaligen Verband, dem Taktischen Luftwaffengeschwader 71 „Richthofen“ zur Verfügung. „Sanitätspersonal wird in jedem Einsatz gebraucht. So auch bei VAPB. Da lag es für mich nahe, mit meinen Kameraden des „Richthofengeschwaders“ nach Estland zu gehen“, erklärt der Stabsfeldwebel.

Ein Sanitäter steht am Rollfeld der Ämari Airbase

Stabsfeldwebel I. am Rande des Rollfeldes auf der Ämari Airbase. Die Teilnahme am VAPB ist längst nicht sein erster Einsatz.

Bundeswehr/Daniel Redell

Im Grundbetrieb eines fliegenden Verbandes unterstützt der flugmedizinische Assistent den Fliegerarzt bei der Versorgung der Piloten. Er kümmert sich um das Wohl der „Patienten“, nimmt Blut ab, misst den Blutdruck und führt die Patientenakten. Eben ein Arzthelfer mit flugmedizinischem Hintergrundwissen. Beim Deutschen Einsatzkontingent des Verstärkten Air Policing im Baltikum 2020/2021 erweitert sich sein Aufgabenspektrum aber noch um einiges mehr. „Bei dieser Mission versorgen wir nicht nur die Piloten, sondern unsere gesamte Truppe. Das ist eine Besonderheit. Wir sind eine kleine aber hoch effektive sanitätsdienstliche Komponente“, erklärt Andreas I.

In seiner aktiven Zeit als Berufssoldat hat er viel erlebt und ist ganz schön herumgekommen. So flog er zum Beispiel einige Jahre als Luftrettungsmeister auf der gerade außer Dienst gestellten Bell UH 1D - SARSearch and Rescue- Einsätze (Search and Rescue). Nach dem Mauerfall ging er in die neuen Bundesländer und baute dort bei der Flugabwehrraketentruppe eine neue Sanitätsstaffel in Sanitz mit auf. „Ich war dort als Spieß eingesetzt. Da war ich noch Oberfeldwebel“, erzählt er nicht ganz ohne Stolz. Man muss dazu sagen, dass ein Spieß, also der Kompaniefeldwebel, die „Mutter“ der Kompanie ist. Dementsprechend sind dies meist lebenserfahrene Portepeeunteroffiziere. Für einen jungen Oberfeldwebel, Mitte zwanzig, ist eine solche Verwendung eine Ehre und Herausforderung zugleich.

Weiter war er am Aufbau des AirMedEvac- Systems (Medizinisches Evakuierungs-System Lufttransport) beteiligt. Dies kann inzwischen in alle Transportflugzeuge der Bundeswehr eingebaut werden. So war er mehrfach bei MedEvacMedical Evacuation-Einsätzen mit der C160 Transall im Kosovo, Kongo und Afghanistan als MCC (Medical Crew Chief) eingesetzt. Als wäre dies nicht schon genug, war er Teil einer deutschen Beratergruppe in Namibia die dort Ausbildungs- und Entwicklungshilfe leistete. „Dort war ich am Aufbau eines mobilen Feldlazaretts beteiligt“, erzählt Andreas I., in Gedanken schwelgend. „Alles in Allem war es eine anstrengende, fordernde, äußerst prägende, aber auch sehr schöne Dienstzeit für mich. Ich würde es immer wieder so machen“, fügt er noch hinzu.

So wie Andreas I. leisten Wilfried E., Michael R. und Rüdiger E. als aktive Reservisten ihren Dienst beim Deutschen Einsatzkontingent VAPB 2020/2021 in Estland. Mit ihrem Einsatz tragen sie dazu bei, dass die deutschen Eurofighter im Baltikum jederzeit einsatzbereit sind.

von Martin Wiemann