Luftwaffe

„Hier Tower an Rescue Leader. Einsatzalarm! Einsatzalarm!“

„Hier Tower an Rescue Leader. Einsatzalarm! Einsatzalarm!“

  • Brandschutz
  • Luftwaffe
Datum:
Ort:
Schortens
Lesedauer:
3 MIN

Der Morgen an der Feuerwache im Objektschutzregiment in Schortens ist ruhig. Die Sonne ist seit einer Stunde über dem Horizont zu sehen, der Nebel lichtet sich langsam. Aus den Funkgeräten knarrzt es plötzlich: „Hier Tower an Rescue Leader. Einsatzalarm! Einsatzalarm!“. So beginnt das erste Szenario in der Übungswoche der Brandschützer. 

Mehrere Feuerwehrleute löschen eine Transall zu Übungszwecken

Seite an Seite – die österreichischen und deutschen Brandschützer trainieren gemeinsam

Bundeswehr/Sandra Süßmuth

Spezieller Einsatz – spezielle Fahrzeuge

An der Seite der militärischen Brandschutzkräfte des Objektschutzregimentes der Luftwaffe üben etwa 20 Feuerwehrmänner des Österreichischen Bundesheeres. Sie profitieren voneinander – vom unterschiedlichen Material und den unterschiedlichen Verfahren. 

Mehrere Feuerwehrleute hocken mit einem großen Lüfter vor dem Fahrwerk einer Transall und kühlen es.

Muss ein Flugzeug mit voller Kraft bremsen, kommt es nicht selten zu „Hot Brakes“ – also heißen Bremsen die gekühlt oder gelöscht werden müssen

Bundeswehr/Sandra Süßmuth

Kurz nach dem eingehenden Funkspruch setzen sich vier deutsche Löschfahrzeuge in Bewegung; spezifisch ausgestattet für den Einsatz auf einem Flugfeld. Im Gegensatz zu klassischen Löschfahrzeugen, fahren sie mit mehr Löschwasser, mehr Schaum und Löschpulver für die Bekämpfung von Kerosinbränden zum Einsatzort. Außerdem fließt durch das Wenderohr auf den Dächern der Fahrzeuge eine erhebliche größere Menge Wasser in kürzerer Zeit. 

Mehrere Feuerwehrleute und rote Löschfahrzeuge stehen vor einem Flugzeughangar, aus dem Rauch tritt.

Auch auf dem Trainingsplan: Probleme wie Feuer in Flugzeughangars – auch dafür sind die Luftfahrzeugrettungszüge speziell ausgebildet

Bundeswehr/Sandra Süßmuth

Einsatzalarm! Das Triebwerk des Tornados brennt

Der Tross aus roten Löschfahrzeugen, Sanitätern und dem Einsatzleitwagen nähert sich dem qualmenden Tornado auf der Flight in Schortens von hinten. Es steigen jedoch nicht die gewohnten Feuerwehrleute in dunkelblauen Uniformen aus, sondern Menschen in beigefarbener Montur. Auf dem Arm die österreichische Nationalflagge. 

Ein Trupp der österreichischen Brandschützer löscht zu Übungszwecken das Triebwerk eines Tornados.

Mit dem Material der deutschen Kameraden trainieren die österreichischen Brandschützer ihre Verfahren auf dem stillgelegten Flugplatz in Schortens

Bundeswehr/Sandra Süßmuth

Vom 26. bis 30. Juli ist ein Kontingent österreichischer Luftfahrzeugrettungszüge in der siebten Staffel des Objektschutzregimentes „Friesland“ zu Besuch. Hier, hoch im Norden, können sie unmittelbar an den Flugzeugmustern üben. In ihrer Heimat herrscht regelhafter Flugbetrieb auf allen Flugplätzen, was ein Training in dem Umfang wie es in Schortens der Fall ist, nicht möglich macht. 

Im Gegenzug werden die militärischen Brandschützer der Luftwaffe im nächsten Jahr wieder nach Österreich fahren, um die dortigen Übungsmöglichkeiten für die reale Brandbekämpfung zu nutzen. Auf einem Truppenübungsplatz im österreichischen Allentsteig wird in großen Brandcontainern die sogenannte Heißausbildung trainiert. Bei Feuertemperaturen von 700 bis 800 Grad werden die Verfahren ganz nah an der Realität geübt.

Zwei Feuerwehrleute mit Atemschutzgerät stehen in einem Eingang zu einem Flugzeughangar.

Auch in den verrauchten Hangar geht es für die Brandschützer nur mit Atemschutzgerät

Bundeswehr/Sandra Süßmuth

Internationale Kameradschaft seit mehr als fünf Jahren

Seit 2016 besteht diese Kooperation, in der sich beide Länder als Gastgeber abwechseln. 
Neben der fachlichen Weiterbildung steht die internationale Kameradschaft auf diesen Übungen im Vordergrund. „Das ist immer großartig, wenn die Jungs hier sind. Das sind einfach coole Typen“, sagt Stabsunteroffizier Franken. 

Auch die jeweiligen Kommandeure, Oberst des Generalstabs Reinhard Kraft und Oberst Marc Vogt, betonen am Kameradschaftsabend die Wichtigkeit des Austauschs und die sehr freundschaftliche Beziehung beider Einheiten. 

Mehrere österreichische Soldaten laufen zwischen Feuerwehrautos hindurch. Ein deutscher Brandschützer rollt einen Schlauch auf.

Beide Nationen arbeiteten Hand in Hand – Die Fahrzeuge und Maschinisten sind zum Großteil deutsch und die Trupps überwiegend österreichisch

Bundeswehr/Sandra Süßmuth

Von Hot Brakes bis Massenanfall von Verletzten

Im Laufe der Woche erwarten die Österreicher immer wieder neue Lagen auf den deutschen Fahrzeugen und mit deutschem Atemschutzgerät. Von Hot Brakes, also heißen und qualmenden Bremsen nach einer Vollbremsung, über Triebwerksbrände am Tornado, bis hin zum Crash und Massenanfällen von Verletzten wird dieser Tage einiges trainiert. Alles unter der Aufsicht der deutschen Brandschützer, die Tipps geben und in der anschließenden Feedback-Runde Einzelheiten ansprechen: Was lief gut, was lässt sich verbessern und was unterscheidet beide Feuerwehren einfach voneinander. 

Einige österreichische Brandschützer tragen einen deutschen Soldaten zu Übungszwecken auf einer Trage.

Österreichische Verfahren unter deutschen Bedingungen – es profitieren beide Seiten gleichermaßen

Bundeswehr/Sandra Süßmuth

Nach langen und anstrengenden Tagen voller Eindrücke und Erlebnisse verlassen die Österreicher ihre deutschen Kameraden mit einer ihrer C-130 Hercules. Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer überraschte das Objektschutzregiment und seine Gäste mit einem spontanen Besuch zum Abschied. Auf dem Flugplatz in Wittmund landete kurz vor dem Abflug der Österreicher die Global 6000 der Flotte der Flugbereitschaft des Bundesministeriums der Verteidigung. 

Semper Communis 

Was am Anfang der Woche noch kameradschaftliche Freundlichkeit war, ist am Ende freundschaftlich geworden. Getreu des Mottos des Objektschutzregimentes schweißte die Übungswoche die Brandschützer beider Nationen über Grenzen hinaus zusammen: Semper Communis – immer gemeinsam

Sanitäter arbeiten an einem Übungsverletzten. Im Hintergrund ist eine Transall zu sehen.

Auch das Team der Sanität war gemischter Herkunft – Zeit zum Einspielen benötigte es trotzdem kaum

Bundeswehr/Sandra Süßmuth
von Severin Rothmann & Sandra Süßmuth