Luftwaffe
ILAInternationale Luft- und Raumfahrtausstellung 2022

Verletztenrettung weltweit: der A400M ist das fliegende Krankenhaus der Bundeswehr

Verletztenrettung weltweit: der A400M ist das fliegende Krankenhaus der Bundeswehr

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Datum:
Ort:
Schönefeld
Lesedauer:
2 MIN

Das Transportflugzeug A400M ist nonstop in alle Einsatzgebiete unterwegs. Neben vielen anderen Fähigkeiten kann es auch Verwundete transportieren. Und: Bis zu sechs Intensivpatienten können gleichzeitig versorgt werden. Oberfeldarzt Sven Marquardt ist Experte für das System.

Ein leitender Fliegerarzt im Porträt

Oberfeldarzt Dr. Sven Marquardt, leitender Fliegerarzt im A400M ist mit seiner Crew auf der ILAInternationale Luft- und Raumfahrtausstellung 22 dabei

Bundeswehr/Jane Schmidt

Der A400M ist ein Alleskönner: Transporter, Tankstelle und Krankenhaus in einem. Wie muss man sich eine Versorgung auf der fliegenden Intensivstation vorstellen?

Die Versorgung von Patientinnen und Patienten auf einem MedEvacMedical Evacuation-Flug unterscheidet aus medizinischen Gesichtspunkten kaum von der Regelversorgung in einem Krankenhaus in Deutschland. Unsere Teams nutzen die gleichen Medikamente, Medizingeräte und arbeiten nach den gleichen Grundsätzen wie in einer stationären Intensivstation in einem Bundeswehr- oder zivilen Krankenhaus. Natürlich sind die Rahmenbedingungen anders. So stellen beispielsweise Lärm, Vibrationen und beengte Platzverhältnisse eine zusätzliche Herausforderung für das eingesetzte Personal dar. Auch die Tatsache, dass wir unterschiedliche Luftdruckverhältnisse im Laufe eines Fluges haben, hat Einfluss auf die medizinische Behandlung. Jeder Transport ist belastend für Patientinnen und Patienten. Daher ist es unser Ziel an Bord, den jeweiligen Gesundheitszustand beim Abflug über die gesamte Flugzeit stabil zu halten, um dann im Heimatland die notwendige Behandlung fortzusetzen.

Wenn es hart auf hart kommt, kann der Airbus auch mit sechs Patiententransporteinheiten (PTE) ausgestattet werden. Aus welchen Komponenten bestehen die PTE?

Eine PTE ist ein Intensivüberwachungsplatz für jeweils einen Patienten oder eine Patientin. Das System verfügt dabei über alles, was man braucht, um einen Patienten während das Fluges medizinisch überwachen und versorgen zu können. Neben Sauerstoff für rund zehn Stunden, verfügt eine PTE beispielsweise auch über ein Intensivbeatmungsgerät, Infusionspumpen, sogenannte Perfusoren für die Medikamentengabe, ein 12-Kanal-EKG mit Patientenmonitor und Defibrillator, ein Bronchoskop und ein tragbares Labor- und Ultraschallgerät. Sollte sich der Zustand des Patienten oder der Patientin während des Fluges verschlechtern, können wir schnell eingreifen.

Falls mal was kaputtgeht während des Flugs: Gibt es ein Ersatzteillager für die PTE-MedEvacMedical Evacuation-Ausstattung an Bord?

Jede PTE und jedes einzelne Gerät wird durch Medizingerätetechnikerinnen und -techniker der Luftwaffe regelmäßig geprüft und gewartet, dieses Personal ist auch bei Einsätzen mit an Bord. Zusätzlich führen wir auf dem Flugzeug Austauschgeräte mit, sollte es doch einmal zu einem unvorhergesehenen Ausfall kommen. Nur so können wir sicher sein, dass wir bei einem MedEvacMedical Evacuation-Einsatz unsere Patientinnen und Patienten weltweit sicher versorgen können.

Wie viele medizinische Fachkräfte versorgen an Bord eine verletzte Person?

Die medizinische Crew an Bord ist immer an die jeweilige Mission angepasst, also „tailored to mission“. Sie richtet sich nach der Anzahl der Patientinnen und Patienten und deren Verletzungsmustern. Diese Informationen erhalten wir im Patient Evacuation Coordination Centre (PECCPatient Evacuation Coordination Centre) der Bundeswehr, auch Verwundetenleitstelle genannt, aus dem Einsatzland. Sie bilden die Basis für die Crew, die wir dann für den Flug einplanen. Unser Ziel ist es, als Teil der medizinischen Rettungskette, unsere Patientinnen und Patienten so gut wie möglich zu transportieren. Alles in allem kommt es bei einem MedEvacMedical Evacuation-Flug besonders auf Teamarbeit an.

von Lara Weyland