Luftwaffe
ILAInternationale Luft- und Raumfahrtausstellung 2022

Die Entwicklung geht klar in Richtung nachhaltiger Treibstoffe

Die Entwicklung geht klar in Richtung nachhaltiger Treibstoffe

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Datum:
Ort:
Schönefeld
Lesedauer:
2 MIN

Deutschland will bis 2050 eine ausgeglichene CO2Kohlendioxid-Bilanz haben. Die Luftfahrt steht besonders im Fokus: Flugzeuge verbrennen große Mengen an fossilem Treibstoff, sie gelten als Klimakiller. Eine Alternative ist synthetisches Kerosin: „Sustainable Aviation Fuels“ oder SAF. Oberst Kristof Conrath von der Luftwaffe erklärt, was es damit auf sich hat.

Ein Oberst der Luftwaffe vor einem Militärflugzeug mit Nachhaltigkeitslogo

Oberst Kristof Conrath, Dezernatsleiter im Luftwaffentruppenkommando

Bundeswehr/Jane Schmidt

Herr Oberst, ein Schwerpunkt der Bundeswehr auf der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung ist das nachhaltige Fliegen. Wie will die Luftwaffe umweltfreundlicher werden?

Wir setzen auf sogenannte Sustainable Aviation Fuels oder SAF. Das sind künstlich hergestellte Treibstoffe, die eine bessere Umweltbilanz aufweisen als Kerosin auf fossiler Basis. Voraussetzung ist, dass der nachhaltige Treibstoff die gleichen Leistungsspezifikationen hat wie herkömmliches Kerosin: Einsatzbereitschaft und Leistungsfähigkeit unserer Luftfahrzeuge dürfen nicht sinken. Das synthetisch hergestellte Kerosin muss außerdem verträglich für die Motoren und Turbinen sein. Da sind wir gerade im Zertifizierungsprozess.

Wie ist der Stand der Dinge?

Für die „Weiße Flotte“ – also die Flugzeuge der Flugbereitschaft des BMVgBundesministerium der Verteidigung – ist die Zertifizierung abgeschlossen: Sie können mit einem Kerosinmix mit einem Anteil von bis zu 50 Prozent synthetischem Treibstoff betankt werden. Mit dem A321 „Neo“ wird uns auf der ILAInternationale Luft- und Raumfahrtausstellung ein militärisches Transportflugzeug übergeben, das mit synthetischem Kerosin fliegen darf. Als nächstes wollen wir das auch bei den A400M-Transportflugzeugen realisieren. Die Entwicklung geht klar in Richtung nachhaltiger Treibstoffe.

Warum setzt die Luftwaffe nicht einfach auf Stromakkus wie die Autoindustrie?

Bei kleineren Luftfahrzeugen wie zum Beispiel Drohnen oder Schulungsflugzeugen wird der Batteriebetrieb bereits eingesetzt. Für die Leistungsanforderungen in einen Kampfjet, zum Beispiel im Überschallflugbetrieb oder im Luftkampf, halte ich das aber mittelfristig für unrealistisch. Da geht es um das Gewicht, um den vorhandenen Platz für Batterien und um die Aerodynamik. Ein Flugzeug kann ja schließlich auch nicht rechts ranfahren, wenn die Batterie leer ist.

Welche Herausforderungen sind auf dem Weg zu einer nachhaltigen Luftfahrt zu bewältigen?

Im Moment sind SAF noch nicht so weit verbreitet, nur an ausgewählten Flughäfen kann nachhaltig getankt werden. Hinzu kommt der derzeit wesentlich höhere Preis, weil SAF noch nicht in größerem Maßstab produziert werden. Ich bin aber zuversichtlich, dass sich das ändert: Je mehr sich das synthetische Kerosin in der zivilen und der militärischen Luftfahrt durchsetzt, desto preiswerter wird es auch werden. Wenn SAF in breiter Masse verfügbar ist, wird auch die Nachfrage zunehmen.

Wie können die Streitkräfte diese Entwicklung beschleunigen?

Die Luftwaffe nimmt ja Kerosin in durchaus erheblichen Mengen ab. Wenn wir nun verstärkt auf SAF setzen, steigt damit der Bedarf nach synthetischem Kerosin. Um unsere Nachfrage zu decken, werden mehr SAF hergestellt werden – und durch die industrielle Fertigung sinken die Preise. Damit werden sie auch für andere Abnehmer attraktiv. Ich denke also, dass die Bundeswehr durchaus eine Vorreiterrolle bei der Umstellung der Luftfahrt auf nachhaltig hergestellte Treibstoffe spielen kann.

Herr Oberst, ich bedanke mich für das Gespräch!

von Timo Kather