Luftwaffe

Die Objektschützer: im Nahbereich auf der Schießbahn

Die Objektschützer: im Nahbereich auf der Schießbahn

  • Einsatzvorbereitung
  • Luftwaffe
Datum:
Ort:
Niedersachsen
Lesedauer:
3 MIN

Ein Trainingstag im Nahbereich – nasskalte elf Grad und ununterbrochener Nieselregen von oben. Norddeutsches „Schietwetter“ begleitet die Schießausbildung der 2./Staffel des Objektschutzregimentes der Luftwaffe auf der Standortschießanlage in Brockzetel.

Eine Gruppe Soldaten steht auf der Schießbahn und trainiert das Schießen für den bevorstehenden Einsatz in Mali.

Einsatzvorausbildung heißt auch Schießausbildung. Die Objektschützer trainieren in Brockzetel.

Bundeswehr/Sandra Süßmuth

Getreu des Mottos Ottos von Bismarck: „Nur ein Idiot glaubt, aus eigenen Erfahrungen zu lernen. Ich ziehe es vor, aus Fehlern anderer zu lernen, um von vornherein eigene Fehler zu vermeiden“, wappnen sich die Objektschützer mit ihren Waffen. Auf dem Plan: das Gewehr G36 und die Pistole P8 – und zwar im Nahbereich.

Mechanisches Üben bringt den Erfolg

Doch bevor es für die Soldatinnen und Soldaten überhaupt das erste Mal auf eine Schießbahn geht, heißt es: Trockentraining. Das Training ohne geladene Waffe ist wichtiger, als die Schussabgabe selbst – auch wenn den „scharfen Schuss“ nichts ersetzen kann. Das Trockentraining, der trockene Drill, automatisiert die Bewegungsabläufe im Umgang mit der Waffe. Das menschliche Gehirn ist in der Lage, sich zu erinnern und oft trainierte Bewegungen abzurufen – ohne bewusst nachzudenken.

Ein Soldat steht vor der Schießscheibe und zieht seine P8-Pistole.

Das trockene, drillmäßige, aber kontinuierliche Üben schafft Sicherheit im Umgang mit der Waffe. Dabei gilt: Technik vor Geschwindigkeit.

Bundeswehr/Sandra Süßmuth

Drillen ist keine erzieherische Maßnahme und auch keine Sporteinheit. Der Drill ist eine Ausbildungsmethode; sie ist das mechanische Einüben von Fertigkeiten. Die Abläufe müssen dabei immer gleich sein damit sich die Muskeln erinnern. Kleinste Fehler werden vom Ausbilder sofort korrigiert, denn nichts ist schlimmer, als ein antrainierter Fehler.

Die Aufsicht lässt sich den Ladezustand des G36 zeigen.

Die Aufsicht beim Schützen beobachtet nicht nur die Schießfertigkeiten des Schützen – sie kontrolliert auch die Sicherheit an der Waffe

Bundeswehr/Sandra Süßmuth

Eine veränderte Bedrohung verändert das Schießen

Bei den fünfzehn Objektschützern auf der nassen Schießbahn in Brockzetel ist die Handhabung der Waffen vor langer Zeit in Fleisch und Blut übergegangen. Sie sind mitten in der Einsatzvorbereitung und im Nahbereichsschießen. Doch was ist der Nahbereich?

Ein Soldat schießt mit der Pistole auf eine Zielscheibe.

Der Nahbereich des neuen Schießkonzeptes umfasst Zielentfernungen von drei bis dreißig Metern

Bundeswehr/Sandra Süßmuth

Das bisherige Schießen mit Handwaffen machte den Präzisionsschuss auf mittlere und große Entfernungen zum Mittelpunkt der Schießausbildung. Der Einsatz in Afghanistan förderte in der Vergangenheit aber Erfahrungen zu Tage, die zeigten, dass die Bedrohung und demnach ihre Abwehr häufig auch im Nahbereich stattfinden. Eine unmittelbare Reaktion auf komplexere Lagen, zum Beispiel durch Hinterhalte oder Anschläge, wurde wichtiger.

Ziele sind selten statisch

Auch wenn im neuen Schießausbildungskonzept das Hauptaugenmerk auf dem drei bis dreißig Meter entfernten Nahbereich liegt, umfasst es das Schießen bis zur maximalen Kampfentfernung der jeweiligen Waffen. Mittlere und große Entfernungen werden nicht außer Acht gelassen – sie sind nur nicht mehr der Kern. Geschossen wird auf die T-Scheibe der Bundeswehr. Es handelt sich um eine Mehrflächenscheibe auf der die Zonen A bis D die Zonen eines Körpers symbolisieren. 

Zwei Soldaten stehen vor einer Zielscheibe mit Einschusslöchern und kleben die Löcher wieder an.

Erst der präzise Umgang mit der Waffe kann in dynamischen Schießübungen ein sicheres Trefferbild abgeben – und darum geht es: den Gegner effizient treffen

Bundeswehr/Sandra Süßmuth
Wir üben viel und wollen immer besser werden.

Die Objektschützer schießen auf der Standortschießanlage Verschiedenes und auch der dauernde Regen stört sie und die Waffen dabei nicht. Angefangen von statischen Übungen aus einer bestimmten Entfernung von fünf bis zwanzig Metern, bis hin zum dynamischen Schießen – heißt: der Schütze bewegt sich auf sein Ziel zu, während er es bekämpft. „Der Ausbildungsstand meiner Soldaten ist hoch, aber es gibt immer Dinge an denen wir arbeiten können„, sagt Oberleutnant Schmidt. Er ist der Zugführer dieser Soldaten.

Ein Soldat hat das Gewehr im Anschlag und zielt.

Der Umgang mit der Waffe geht im neuen Schießkonzept weit über „fertig laden“ hinaus. Der Ablauf ist taktisch und an die Bedrohung angepasst.

Bundeswehr/Sandra Süßmuth

Schießen lernt man nur durch Schießen

Oberleutnant Schmidt ist auch auf der Schießbahn. Für ihn gilt das Gleiche, wie für seine Jungs: Schießen lernt man nur durch Schießen und auch er muss sich auf den bevorstehenden Einsatz vorbereiten. „In meinem Zug gibt es viele Soldaten, die zwei oder mehr Einsätze hinter sich haben. Einige von ihnen waren bereits in Mali, für andere wird es das erste Mal sein. Aber mit den Erfahrungen, die wir haben profitieren wir – in der Ausbildung, in der Vorbereitung und im Einsatz selbst.“

von Sandra  Süßmuth