Luftwaffe

Ein Hauch Provence beim Online-Unterricht in Freiburg

Ein Hauch Provence beim Online-Unterricht in Freiburg

  • Coronavirus
  • Luftwaffe
Datum:
Ort:
Baden-Württemberg
Lesedauer:
3 MIN

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Raphael Ohlerth sitzt im Wintergarten zuhause in Freiburg am Laptop und folgt dem Unterricht in Salon-de-Provence. Der deutsche Offiziersanwärter ist seit September 2019 für ein Jahr zum Austausch an der École de l’air, der Militärhochschule der französischen Luftstreitkräfte. Corona hat auch sein Leben verändert.

„Bis Anfang März war auf der Base in Salon-de-Provence alles noch ziemlich normal. Danach durften wir die Schule zwar nicht mehr verlassen, haben Abstand gehalten und die Hygieneregeln befolgt, aber Unterricht und Sport liefen ganz normal weiter“, erzählt der Fähnrich. Ab dem 13. März ging dann alles sehr schnell. Zunächst mussten die Schüler auf ihren Zimmern bleiben, bekamen auch das Essen dorthin. „Die Zeit haben wir uns mit Skype-Telefonaten und mit Gesprächen an den offenen Fenstern verkürzt“, erzählt Ohlerth.

Die drei Offiziersanwärter in der Hocke am Flughafengebäude in Paris, im Hintergrund jede Menge Gepäck.

Auf in die Provence: Alexander Küpferling, Niels Lautemann und Raphael Ohlerth (v. l.) im vergangenen Sommer am Pariser Flughafen Charles-de-Gaulle

Bundeswehr/privat

Antreten mit Sicherheitsabstand

Am 15. März wurde der Stützpunkt geschlossen, nach einem letzten Antreten auf dem großen Appellplatz der École – mit einem Sicherheitsabstand von 1,50 Meter. Ohlerth und seine zwei deutschen Kameraden Niels Lautemann und Alexander Küpferling packten ihre Sachen in den Transporter von Fähnrich Küpferling und fuhren nach Hause. „Wir sind an dem Abend vor Beginn der Grenzkontrollen über das Elsass nach Freiburg gekommen“, so der 20-jährige Ohlerth. „Die Kameraden sind dann weiter nach Haigerloch und Kronach gefahren.“ Sie sind jetzt ebenfalls zuhause, helfen ihren Familien und haben ansonsten via Laptop den gleichen durchgetakteten Unterricht wie zuvor in Salon: täglich von 8 Uhr bis 12.30 Uhr und von 13.30 Uhr bis 17.45 Uhr. Nur der Sport und alle praktischen Übungen fallen weg. Dafür gibt es mehr Hausaufgaben.

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Auf den drei Fotos sind die Offiziersanwärter in ihrem jeweiligen Zuhause am Laptop zu sehen.

Virtuell in der Provence, real in Deutschland: Raphael Ohlerth in Freiburg...

Bundeswehr/Raphael Ohlerth
Auf den drei Fotos sind die Offiziersanwärter in ihrem jeweiligen Zuhause am Laptop zu sehen.

Alexander Küpferling in Kronach...

Bundeswehr/Alexander Küpferling
Auf den drei Fotos sind die Offiziersanwärter in ihrem jeweiligen Zuhause am Laptop zu sehen.

... und Niels Lautemann in Haigerloch beim Online-Unterricht

Bundeswehr/Niels Lautemann

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Der Unterricht findet im virtuellen Klassenraum über die Plattform „Teams“ statt. Schüler, die nicht privat mit allem ausgerüstet waren, haben USB-Sticks mit entsprechender Software bekommen. Sogar die Prüfungen werden online durchgeführt.

Unterricht und Kontakte vor allem online

Untereinander und mit ihren französischen Kameradinnen und Kameraden halten die Drei privaten Kontakt über Telefon und WhatsApp. Den fehlenden Sport gleicht Raphael Ohlerth daheim mit Joggen und Radfahren aus. „Während des Unterrichts habe ich manchmal schon das Gefühl, einen Hauch Provence im Wintergarten zu haben, in dem ich lerne. Aber es ist natürlich etwas vollkommen anderes als wirklich dort zu sein, wenn beispielsweise die Patrouille de France 500 Fuß über Dir fliegt, während Du Deine Runden um den Appellplatz läufst.“

Das Hauptgebäude der École de l’air, davor steht ein französisches Kampfflugzeug vom Typ Mirage 2000B.

Vor dem Hauptgebäude der École de l’air steht eine Mirage 2000B. Diese doppelsitzige Variante wird vor allem zum Training genutzt.

Bundeswehr/Alexander Küpferling
Acht Maschinen der Patrouille de France in der Luft mit Kondensstreifen in Blau, Weiß und Rot.

Die Patrouille de France ist die offizielle Kunstflugstaffel der französischen Luftwaffe. Sie ist auf dem Militärflugplatz Salon-de-Provence stationiert. Von der École de l’air aus kann man das Training oft beobachten.

Bundeswehr/Alexander Küpferling

Den Umgang mit der Corona-Krise in Frankreich und Deutschland erlebt Raphael Ohlerth als sehr unterschiedlich. Als Sohn einer französischen Mutter und eines deutschen Vaters kennt er beide Sprachen und Mentalitäten, ist selbst bis zum elften Lebensjahr in Straßburg aufgewachsen. „Die Reden von Staatspräsident Emmanuel Macron und Bundeskanzlerin Angela Merkel haben die verschiedenen Herangehensweisen sehr deutlich gemacht“, findet er. Das mache sich auch im Alltag bemerkbar. „Unsere französischen Freunde haben deutlich mehr Beschränkungen“, so Ohlerth. Das gelte auch für seine Großeltern, die in Frankreich leben. „Sie müssen auf Formularen ankreuzen, aus welchem berechtigten Grund sie das Haus verlassen. Die Polizei kontrolliert das regelmäßig.“

Ein musikalisches Zeichen für den Zusammenhalt in dieser Zeit hat Ohlerths Kamerad Alexander Küpferling gesetzt, der Trompete spielt. „Am 22. März gab es eine deutschlandweite Aktion des niedersächsischen Musikerverbands“, erzählt er. „Musiker in ganz Deutschland spielten an dem Abend um 18 Uhr gleichzeitig ‚Freude schöner Götterfunken‘ auf ihrem Balkon oder in ihrem Garten. Meine Mutter, mein Bruder und ich haben daran teilgenommen.“

Hoffen auf eine Rückkehr im Mai

Raphael Ohlerth, Alexander Küpferling und Niels Lautemann genießen zwar die größeren Freiheiten zuhause, vermissen aber die Schule in Frankreich und ihre Kameraden. „Meine große Hoffnung ist, dass wir zum 11. Mai dorthin zurückkehren können und eventuell noch das Fallschirmspringen und den Mitflug in einem französischen Kampfflugzeug erleben können“, sagt Ohlerth. Denn im Sommer geht das Austauschjahr für die drei Offiziersanwärter der Offizierschule der Luftwaffe (OSLw) zu Ende. Danach beginnen sie ihr vierjähriges Studium der Raum- und Luftfahrttechnik an der Universität der Bundeswehr in München.

von Stefanie Pfingsten