Luftwaffe

Frische Munition für das System Patriot – Der „Reload“

Frische Munition für das System Patriot – Der „Reload“

  • Technik
  • Luftwaffe
Datum:
Ort:
Kreta
Lesedauer:
3 MIN

Oberfeldwebel Thore S. ist als Abschussfeldwebel für die Startgeräte einer Patriot-Staffel verantwortlich. Beim Taktischen Schießen auf Kreta belädt er mit seinem Team die Fahrzeuge mit scharfen Raketen.

Ein Kanister wird mit Hilfe eines Krans vom Transportfahrzeug auf das Startgerät verladen.

Höchste Konzentration: Beim Aufladen der Kanister zählt Erfahrung und gute Kommunikation des Teams

Bundeswehr/Dominik Christian Fischer

Oberfeldwebel Thore S. hat die Verantwortung für rund 30 Tonnen, angetrieben von 360 PS auf acht Rädern. Beim dem Startgerät des Waffensystems Patriot handelt es sich um eines der größten und schwersten Fahrzeuge im Fuhrpark der Luftwaffe. Als sogenannter Abschussfeldwebel ist er für die Startgeräte und deren Crews seiner Staffel verantwortlich. Die von Mannschaftssoldaten besetzten Großfahrzeuge sind einer der wichtigsten Bausteine des Waffensystems Patriot: Die mobile Abschussvorrichtung für die sogenannten Lenkflugkörper, die Raketen des Systems. Als Vorbereitung für den scharfen Schuss auf der Insel Kreta belädt er mit seinem Team die Fahrzeuge mit den Abwehrraketen. 

Scharfe Munition am Haken

Das Transportfahrzeug mit vier neuen Kanistern fährt vor und stellt sich Heck an Heck an das Startgerät. Eine sogenannte End-to-End-Beladung soll geübt werden. In den Kanistern befinden sich die neuen Lenkflugkörper. Dann geht alles ganz schnell: Beide Fahrzeugcrews nehmen Kontakt zueinander auf. Erdungen und Feuerlöscher werden platziert – Sicherheit spielt hier eine entscheidende Rolle. Während der Kran ausfährt, werden bereits die Sicherungsschrauben der neuen Kanister gelöst. Der Kran des Transportfahrzeugs fährt aus, nimmt den zu ersetzenden Kanister an den Haken und stellt ihn beiseite. Anschließend wird der Kanister mit der neuen Rakete eingehangen.

Ein deutscher und ein amerikanischer Soldat beobachten den am Kran hängenden Kanister des Lenkflugkörpers.

1,7 Tonnen pure Feuerkraft am Haken: Der Kanister des Lenkflugkörpers wird während des Verladens nicht aus den Augen gelassen

Bundeswehr/Maurice Heck

Präzision, Schnelligkeit und Routine

Mit konzentriertem Blick, festgelegten Handzeichen und Gesten und vor allem mit viel Erfahrung kommunizieren die Crews von Start- und Transportfahrzeug miteinander. Thore S. hat den gesamten Vorgang im Blick. Er übernimmt in dieser Situation die Funktion des Sicherheitsoffiziers. Der Bediener des Krans, an dem der rund 1,7 Tonnen schwere Kanister des Lenkflugkörpers hängt, lässt diesen nicht einen Moment aus den Augen. Mit großer Vorsicht dirigiert er diesen auf die bewegliche Startrampe des über zehn Meter langen Fahrzeugs. Seine Crew sichert währenddessen mit Zugseilen den Kanister vor Schwankungen ab und zieht Ihn am Haken des Krans in die richtige Position. Auf der hydraulischen Rampe des Startgeräts abgelassen, wird er sicher verschraubt und verkabelt.

Die Bewegungen, die Schritte, die Handgriffe – alles wirkt koordiniert und geplant. Es ist eine von professioneller Ruhe und Konzentration getragene Stimmung. „Für die Beladung der bis zu vier Flugkörper-Kanister benötigt ein erfahrenes Team rund eineinhalb Stunden“, erklärt der Oberfeldwebel. Im Gefecht würde jede einzelne dieser Minuten zählen. Schnelligkeit bei größtmöglicher Sicherheit wäre im Ernstfall der rote Faden für alle Abläufe.

Vertrauen auf bewährtes Material 

Angesprochen auf den wichtigsten Aspekt für einen erfolgreichen „Reload“ muss Thore S. nicht lange überlegen: „Vertrauen in das Team, Vertrauen in das Material“, sagt er ohne zu zögern. „Wir sind Profis und dürfen mit einem seit Jahrzehnten bewährten System arbeiten – das gibt uns ein gutes Gefühl.“ 

Das Aufladen scharfer Lenkflugkörper gehört unbestritten zu den Königsdisziplinen unter der Vielzahl von Aufgaben des Teams einer Patriot-Staffel. „Die Handgriffe und Abläufe könnte jeder von uns wahrscheinlich mit verbundenen Augen ausführen. Wir trainieren dieses Verfahren regelmäßig“, bestätigt Oberfeldwebel S. „Mit scharfer Munition ist das aber jedes Mal wieder etwas Besonderes. Alleine deswegen ist das Taktische Schießen für jeden von uns ein absolutes Highlight.“

Der Bediener blickt mit der umgehangenen Fernsteuerung auf den Kranhaken.

Bei dem Bediener des Krans muss selbst die kleinste Bewegung genau überlegt sein und das bei jedem Wetter

Bundeswehr/Dominik Christian Fischer

Argus-Augen der Schiedsrichter

Ebenso wird mit dem gesamten Verband gemeinsam auch die Leistung von Oberfeldwebel S. Crew bewertet. Die Zertifizierung für die schnellen Eingreifkräfte der NATO legt hohe Standards an alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Taktischen Schießens an. Den anwesenden Schiedsrichtern der NATO entgeht somit bei der Bewertung des Reloads nicht einmal der geringste Fehler – eine weitere Herausforderung für Thore S. und sein Team.

Ein deutscher und ein amerikanischer Soldat besprechen sich.

Multinationale Zusammenarbeit: Oberfeldwebel Thore S. bespricht mit einem Kameraden der U.S. Army den Ablauf des Reloads

Bundeswehr/Maurice Heck

Insgesamt 20 Raketen wurden aus den Beständen der Luftwaffe für das diesjährige Schießen nach Kreta verlegt. Beim Reload zählt am Ende des Tages die Teamleistung, damit diese an den Schießtagen mit mehrfacher Schallgeschwindigkeit ihre Kanister in Richtung der Übungsziele verlassen können.

von Johannes Potthoff