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GTK Boxer –Aus der Idee wird Realität

GTK Boxer –Aus der Idee wird Realität

  • Technik
  • Luftwaffe
Datum:
Ort:
Wunstorf
Lesedauer:
4 MIN

Das Lufttransportgeschwader (LTG) 62 fliegt nicht nur, es entwickelt, erprobt und verbessert. Genauer gesagt, macht das die Gruppe für Technik, Taktik und Verfahren. Im Cargo Hold Trainer, einem Abbild des Airbus A400M-Laderaums, wird getestet, ob ein GTKGepanzertes Transport-Kraftfahrzeug Boxer verladen und verzurrt werden kann. 

Ein Soldat weist ein gepanzertes Fahrzeug beim Einparken in den Cargo#en Hold#en Trainer#en ein.

Der tonnenschwere Koloss parkt zentimetergenau in den Cargo Hold Trainer ein

Bundeswehr/Jane Schmidt

Mit einem Rattern rollt sich das zehn Meter hohe Lamellentor der Halle am Wunstorfer Flugfeld nach oben. Dahinter öffnet sich die Halle zum Cargo Hold Trainer: Eine maßstabsgetreue Simulation eines echten Laderaums des A400M – dem Transportflugzeug des LTG 62. 

Die TTVG – mehr als „nur“ Piloten und Ladungsmeister

Die Gruppe für Technik, Taktik, und Verfahren (TTVG) des Geschwaders in Wunstorf besteht aus genau neun Personen – und die haben einen einmaligen Arbeitsplatz. Jede sonderbare oder sperrige Fracht unterlief vor dem Transport ihrer Prüfung: ob der leichte Mehrzweckhubschrauber H145M LUH SOFLight Ulility Helicopter – Special Operation Forces, der Bordhubschrauber der Marine Sea Lynx oder der Kampfhubschrauber Tiger – das Team um Stabsfeldwebel Stefan Schmidt bestimmt die optimale Position des zu transportierenden Geräts, die Lastfaktoren und die nötige Verzurrung. Eines haben sie immer im Blick: Die Sicherheit! Nichts darf verrutschen.

Ein Soldat misst mit einem Handy Gradzahlen.

Die Verzurrung des Boxers wird akribisch dokumentiert

Bundeswehr/Jane Schmidt
Ein Soldat misst mit einem Zollstock einen Abstand.

Stephan Schmidt arbeitet im Millimeterbereich und an tonnenschwerem Gerät

Bundeswehr/Jane Schmidt

Nun auf dem Plan: Der Lufttransport des GTKGepanzertes Transport-Kraftfahrzeug Boxer – ein gepanzertes Radfahrzeug des Deutschen Heeres. Wurde er bislang nur per Landtransport oder im Bauch einer Antonov in den Auslandseinsatz gebracht, will es die Bundeswehr nun mit ihrem eigenen A400M aus Wunstorf können. Hierbei ist eine Beladeuntersuchung notwendig, damit der Transport des GTKGepanzertes Transport-Kraftfahrzeug Boxer freigegeben werden kann. Das vierachsige, gepanzerte Fahrzeug wiegt insgesamt etwa 35 Tonnen. Über die geöffnete Rampe des A400M dürfen aber nur 32 Tonnen fahren. Der GTKGepanzertes Transport-Kraftfahrzeug Boxer besteht aus zwei Elementen. Dem Fahrzeugchassis und dem Missionsmodul als Aufsatz. Für den Lufttransport wird beides voneinander getrennt.

Ein Soldat hockt vor einem GTK Boxer.

Damit der A400M der Luftwaffe den Boxer künftig in die Auslandseinsätze transportieren kann, erprobt die TTVG die beste Parkposition im Luftfahrzeug

Bundeswehr/Jane Schmidt

„Wir machen hier alles zum ersten Mal“

„Wenn man etwas übt, hat man es schon mal gemacht. Wir machen hier alles zum ersten Mal“, beschreibt Stefan Schmidt seine Arbeit. Das neunköpfige Team der TTVG besteht aus vier Piloten, zwei Technischen Lademeistern, zwei Technischen Offizieren und einem ITInformationstechnik-Offizier. Jeder ist Spezialist in seinem Aufgabengebiet. Für die Beladeuntersuchungen sind die technischen Ladungsmeister zuständig. 

Ein Soldat bringt eine Kette an einer der Halteösen am Boden des Frachtraumes an.

Die TTVG besteht aus neun Spezialisten. Jeder von ihnen ist Profi in seinem Fach. Die Technischen Ladungsmeister sind für die Beladungserprobung zuständig.

Bundeswehr/Jane Schmidt

In der großen Wunstorfer Halle wird es nun laut. Der Motor des GTKGepanzertes Transport-Kraftfahrzeug Boxer wurde angelassen. Hinterm Steuer sitzt einer der Ingenieure des gepanzerten Fahrzeugs. Alle Erprobungen führen sie selbst durch und deshalb parkt er das tonnenschwere Gerät auch persönlich, rückwärts in den Bauch des Frachtraums ein. Zehn Minuten dauert diese Millimeterarbeit. Dann wird der Boxer mit 15 grobgliedrigen Ketten verzurrt. Am Boden des Laderaums sind dafür etwa 300 Ösen eingefasst. Der Hersteller des gepanzerten Fahrzeugs hat vorher ein Verzurrkonzept erstellt – welche Kette, an welcher Stelle und welches Bauteil darf nicht belastet werden. Ob die theoretischen Berechnungen stimmen, wird in Wunstorf getestet.

Wenn der eine Bolzen stört

Im Cargo Hold Trainer (CHT) wird der Verzurrplan vom Papier in die Realität umgesetzt. Jeder Zentimeter den der Boxer zurücklegt wird dokumentiert. Nach dem ersten Versuch sagt Stefan Schmidt: „Wir sind jetzt schon ziemlich gut und das ist nicht die Regel.“ Dennoch bleibt es nicht bei dem einem Mal. Manche Ketten können nicht wie geplant angebracht werden, da ein Bauteil des Boxers oder schlichtweg ein Bolzen im Weg ist. Doch genau dafür sind die Männer der TTVG, die Ingenieure des Herstellers und eine Delegation der OCCAROrganisation Conjointe de Coopération en Matière d’Armement da.  

Ein Soldat in einer Warnweste weist einen GTK Boxer beim Einparken in den A400M ein.

Erst wenn die TTVG in Wunstorf grünes Licht gibt, darf der Boxer wirklich im A400M einparken

Bundeswehr/Jane Schmidt

Der CHT gleicht dem Frachtraum des A400M zwar optisch, ist aber grundlegend anders gebaut und bietet für Beladeuntersuchungen ideale Bedingungen.

Gemäß EATC European Air Transport Command-Vorschriften muss die Verzurrung ein Mehrfaches des Eigengewichtes des Boxers aushalten. Das heißt im Falle des Boxers: Das Fahrzeug wird im Simulator so festgemacht, als würde es anstelle der eigentlichen 25 Tonnen, 75 wiegen. Ein anderes Beispiel: Passagiere im Linienflugzeug müssen per Gesetz mit Faktor 16 gesichert werden. Heißt: Eine Person könnte 16 Mal so schwer sein – der Anschnallgurt im zivilen Flugzeug würde halten. Fliehkräfte beschleunigen jedes Gewicht. Goldene Regel in Wunstorf: Verformen dürfte sich die Zurrkette, aber niemals reißen. 

Auf einem Flugfeld parkt ein GTK Boxer rückwärts in den Frachtraum eines A400M ein.

Damit das Transportflugzeug A400M den GTKGepanzertes Transport-Kraftfahrzeug Boxer transportieren kann, muss das Chassis vom Fahrzeugaufbau getrennt werden. Dem Gesamtgewicht würde die Rampe nicht standhalten.

Bundeswehr/Jane Schmidt
Ein Soldat weist den GTK Boxer ein.

Die Ingenieure des GTKGepanzertes Transport-Kraftfahrzeug Boxer selbst sind Teil des Erprobungsteams. Einer der Mitarbeiter parkt den Boxer selbst ein.

Bundeswehr/Jane Schmidt

Der Boxer – mit dem A400M in den Einsatz 

Zukünftig, nach der Zertifizierung, sollen zwei GTKGepanzertes Transport-Kraftfahrzeug Boxer mit drei A400M in den Auslandseinsatz fliegen können. Ein Chassis pro Flugzeug und zwei Missionsmodule im Dritten. 

Oberstabsfeldwebel Walther war früher selbst in der TTVG. Heute ist er im Qualitätsmanagement. Er ist ein Urgestein in der Erprobung in Wunstorf. Er sagt abschließend: „Wir beschäftigen uns hier gerade nur mit der Ladung, weil das Flugzeug so neu ist und die Lasten noch nicht angepasst sind. Es ist eben nicht die Transall. Irgendwann gehen wir weg von den Ladungstests hin zur Verfahrensverbesserung. Dafür steht das V in unserem Namen. Die Verbesserung von Verfahren beim Absetzen von Fallschirmspringern oder dem taktischen Fliegen zum Beispiel. Aber da sind wir noch nicht.“

von Sandra Süßmuth