Luftwaffe

IEDImprovised Explosive Device-Anschlag – die Brandschützer der Luftwaffe auf Übung

IEDImprovised Explosive Device-Anschlag – die Brandschützer der Luftwaffe auf Übung

  • Einsatzvorbereitung
  • Luftwaffe
Datum:
Ort:
Schortens
Lesedauer:
3 MIN

Train as you fight: wenn die Brandschützer der Luftwaffe aus Schortens trainieren dann schnell, laut und einsatznah.

Ein Soldat kümmert sich um einen Verwundeten.

Das Personnel-Recovery-Team im Einsatz – unter ihnen: Ein Einsatzersthelfer Bravo, ein speziell und bis zu einem gewissen Grad an medizinischen Kenntnissen ausgebildeter Soldat

Bundeswehr/Jane Schmidt

PR-Alarm! PR-Alarm! Personnel Recovery – das Retten eigener Kräfte hinter feindlichen Linien. Im Objektschutzregiment der Luftwaffe in Schortens gehen die Lampen an. Die ersten, die aufspringen, sind die Männer des PR-Teams. Voll ausgebildete Infanteristen schnappen sich ihre Helme, Westen und Waffen und machen sich auf den Weg zur CH-53, die bereits die Triebwerke anlässt.

Die CH-53 steht auf dem Landeplatz, der Lademeister steht an der Heckklappe.

Die CH-53 steht bereit, um das PR-Team an den Einsatzort zu bringen

Bundeswehr/Jane Schmidt

Die sechs Infanteristen werden von drei Brandschützern begleitet, denn die Lage ist Folgende: Auf dem Standortübungsplatz Brockzetel gab es einen IEDImprovised Explosive Device-Anschlag. Ein Fünftonner wurde angesprengt und ist schwer mit einem Wolf kollidiert. Mehrere Personen sind eingeschlossen und verletzt. Die Feindlage ist unklar.

Ein Übersichtsbild von oben über die Übungslage in Brockzetel.

Das Übungsszenario der Brandschützer: Ein LKWLastkraftwagen wurde angesprengt und dabei auf einen MSA Wolf geschleudert – alle Hände voll zu tun

Bundeswehr/Jane Schmidt

Personnel Recovery im Team

Innerhalb weniger Minuten drehen sich die Rotorblätter des Transporthubschraubers und an Bord sitzen neun bewaffnete und schwer ausgerüstete Soldaten. Rettungsrucksäcke für die Erstversorgung der Verwundeten, Tragen für deren Transport und ein gut dreißig Kilo schweres hydraulisches Bergegerät – zum Schneiden und Spreizen von Metall, dass sich anders nicht mehr bewegt. 

Soldaten schneiden die Heckklappe eines Wolf auf.

Mit über 30 zusätzlichen Kilogramm Gewicht ist das hydraulische Bergegerät zwar schwer, aber unverzichtbar

Bundeswehr/Francis Hildemann

Noch drei Minuten bis zur Landung. Der Ladungsmeister der CH-53 liegt auf der offenen Rampe des Hubschraubers – er beobachtet das Gelände und spricht den Piloten ein. Er kontrolliert, ob und wie das Fahrwerk des Hubschraubers auf dem Boden aufsetzt und hält dabei stetigen Funkkontakt zur Besatzung im Cockpit. Kaum steht die CH-53 sicher, macht sich das PR-Team auf den Weg. Sie sind schnell und dennoch taktisch. Sofort fließen sie in das umliegende Gelände ein, sichern sich gegenseitig. Der Hubschrauber hebt ab zum hot refueling – schnelles Auftanken bei laufendem Rotor.

Ein Soldat steht im Sonnenuntergang. Im Hintergrund die CH-53.

Die CH-53 hat je nach Konfiguration unterschiedliche maximale Flugzeiten. Manchmal ist ein zwischenzeitliches und schnelles Auftanken nötig.

Bundeswehr/Jane Schmidt

Überschlagend bis zur Unfallstelle

Der erste Kontakt zu den Verwundeten. Drei Personen schwer verletzt, zwei Personen leicht verletzt, aber eingeschlossen. Und jetzt geht alles schnell und nahezu parallel. Die Unfallstelle wird rundum gesichert, der Wolf an der Heckklappe aufgeschnitten, die Schwerverletzten erstversorgt.

Ein Soldat funkt.

Das PR-Team fordert direkt nach der Beurteilung der Lage Verstärkung aus dem Feldlager nach

Bundeswehr/Francis Hildemann
Ein Soldat deckt einen Verletzten mit einer Rettungsdecke zu.

Der Einsatzersthelfer Bravo ist essentiell. Er kümmert sich bis zum Eintreffen der Rettungskräfte um die Verwundeten.

Bundeswehr/Francis Hildemann

Schnell ist klar: das PR-Team braucht Verstärkung. Das Marschband im Feldlager formiert sich und setzt sich in Bewegung. Ein Transportpanzer, ein Krankenkraftwagen, ein Rüstwagen, ein Feuerlöschfahrzeug und ein Kran sind auf dem Weg zur Einsatzstelle. Das Mobile Reaction Team (MRT) sichert die Kolonne.

Kurz nach der Ankunft ist die Lage klar – der Tonner muss gesichert und die zwei eingeschlossenen Personen gerettet werden. Der knapp zehn Tonnen schwere LkwLastkraftwagen wird mit zwei großen Lufthebern, ähnlich eines Blasebalgs, und viel Unterbauholz gesichert. Zusätzlich kommt der Kran ins Spiel – er sichert den Tonner mit einer Schlinge.

Soldaten knien vor dem verunglückten Lkw und sichern ihn mit Unterbauholz gegen das Verrutschen.

Mit Lufthebern und Unterbauholz wird der verunglückte LkwLastkraftwagen gegen das Verrutschen gesichert

Bundeswehr/Francis Hildemann

Funkenflug und abgetrennte Türen

Jetzt kommt die „Flex“ zum Einsatz. Unter einem Sprühregen aus fliegenden Funken durchtrennen die Brandschützer die Scharniere der Türen. Kaum sind die Türen ab, wird es eng im Fahrerhaus. Die verunglückten Soldaten hängen noch in ihren Gurten, aber sie sind ansprechbar und nur leicht verletzt. Um sie möglichst schonend zu retten, schiebt sich der Bergetrupp mit in die Kabine. Die Verletzten werden vorsichtig aus den Gurten geschnitten, die Sanitäter übernehmen die Verunglückten und versorgen sie. 

Zwei Soldaten schneiden mit einer Flex, die Funken versprüht, ein Fahrzeug auf.

Die verletzten Personen sind eingeschlossen. Zum Öffnen der Türen setzen die Brandschutzkräfte schweres Gerät ein.

Bundeswehr/Francis Hildemann

Jetzt ertönt das monotone Geräusch sich drehender Rotorblätter wieder am Himmel. Die CH-53 ist zurück. Der Downwash wirbelt Blätter, Äste und Sand durch die Luft – gelandet. Die drei Schwerverletzten werden vom PR-Team an Bord gebracht. Und während die beiden angesprengten Fahrzeuge geborgen werden, macht sich der MedEvacMedical Evacuation auf den Weg zurück ins Lager. Übungsende. 



Eine CH-53 fliegt in den Abendhimmel hinein.

Die „alte Lady“ hebt ab. Die Übung der Objektschützer war erfolgreich.

Bundeswehr/Francis Hildemann









Die militärischen Brandschützer des Objektschutzregimentes trainieren während der Schichtübungswoche nah an der Realität



von Sandra Süßmuth