Luftwaffe

Isolation: Auf Nummer sicher vor dem Einsatz

Isolation: Auf Nummer sicher vor dem Einsatz

  • Coronavirus
  • Luftwaffe
Datum:
Ort:
Wunstorf
Lesedauer:
3 MIN

Die COVID-19Coronavirus Disease 2019 Pandemie hat neben den Einschränkungen des Alltags in Deutschland zusätzliche Herausforderungen für die Auslandseinsätze der Bundeswehr mit sich gebracht.

In einem Hotelflur steht neben jeder Tür ein Tisch. Auf diesem stehen Essenstabletts.

Die Mahlzeiten werden vor dem Zimmer abgestellt. Dort werden die leeren Teller auch wieder abgeholt.

Bundeswehr/Katharina Kobienia

Weltweit stehen die Gesundheitssysteme der Länder vor der Überlastung. Insbesondere in Krisengebieten, in denen die medizinische Versorgung der Bevölkerung schon vor dem Ausbruch von „Corona“ nur eingeschränkt möglich war, wäre eine weitere Ausbreitung fatal. Deshalb heißt es zum Schutz der Bevölkerung in den Einsatzgebieten der Bundeswehr: Der Erreger darf nicht eingeschleppt werden. Um diese Gefahr während eines Kontingentwechsels auszuschließen, werden die Soldatinnen und Soldaten 14 Tage vor dem eigentlichen Einsatzbeginn isoliert.

Unterbringung im Einzelzimmer – für 14 Tage

Vom Fliegerhorst Wunstorf aus ist das Lufttransportgeschwader 62 mit dem A400M weltweit im Einsatz. Es fliegt von dort aus Soldatinnen und Soldaten in den Einsatz und holt sie wieder zurück. Seit Ostern ist das Geschwader nun auch für die Betreuung von mehr als 100 Kameradinnen und Kameraden zuständig die sich in Quarantäne befinden.

Da der Platz auf dem Fliegerhorst für diese Masse an Soldatinnen und Soldaten nicht ausreicht, wurden kurzerhand Hotelzimmer im Raum Hannover angemietet. Das übernahm das Bundeswehrdienstleistungszentrum Hannover. Es werden derzeit ganze Etagen genutzt – abgeschottet und somit die besten Bedingungen für eine Isolation.

Auf einem Gepäckwagen liegen viele Gepäckstücke, davon mehrere Seesäcke. Daneben

Schon bei der Ankunft packen die Helfer mit an. Viel Gepäck ist zu tragen – für die nächsten 14 Tage und den Einsatz danach.

Bundeswehr/Katharina Kobienia

Der Einsatz beginnt – 14 Tage vorher

Vor „Corona“ verabschiedeten sich die Einsatzgänger direkt vor dem Check-In. Heute ist das anders. Nun heißt es zwei Wochen vorher Abschied nehmen – vor dem Eingang zum Hotel. In den folgenden zwei Wochen werden sie sich in ihren 20 Quadratmeter großen Zimmer aufhalten und leben.

Über einem Doppelbett hängt ein Bild. Links daneben steht ein Sessel.

Ein Zimmer mit Bett, Fernseher und Schrank und ein Bad mit WC sind für zwei Wochen die Heimat der Soldatinnen und Soldaten.

Bundeswehr/Martin Buschhorn

Öffnen sie ihre Zimmertür heißt es: Atemschutz. Die Bundeswehr stattet grundsätzlich jeden Soldaten bei seiner Einstellung mit einer ABCAtomar, Biologisch, Chemisch-Schutzmaske mit Filter aus. Das Zimmer darf nur nach vorheriger Anmeldung und in Begleitung des Betreuungspersonals verlassen werden. An Tag 14 der Isolation gibt es eine Abschlussuntersuchung und am Abflugtag selbst werden die Soldatinnen und Soldaten mit einem Bus des Fliegerhorstes am Hotel abgeholt.

Bis die Einsatzgänger im Flugzeug sitzen, tragen sie ihre Schutzmasken um eine neue Infektion zu vermeiden. 

Kontakt nur mit Schutzmaske  

Verantwortlich für die Betreuung vor Ort ist Stabsfeldwebel Claas Albers und sein Team. Sie sind die Ansprechpartner für die untergebrachten Soldatinnen und Soldaten in allen Dingen. „Wir kümmern uns um unsere Kameradinnen und Kameraden und stehen als Ansprechpartner 24 Stunden am Tag zur Verfügung“, so Albers. Für rund 100 Personen verteilen sie das Essen und die Post, machen kleine Besorgungen und stehen für Fragen zur Verfügung.

Pakete sind auf einem Paketwagen aufgestapelt.

Die Pakete der Einsatzgänger werden durch das Personal des LTG 62 ebenfalls verteilt.

Bundeswehr/Katharina Kobienia

Egal ob am Tage oder in der Nacht: Es sind immer mindestens vier Ansprechpartner des Lufttransportgeschwaders vor Ort. Auch für Sie gelten die Kontakt- und Schutzregeln. So werden die Mahlzeiten mit einem Tablett vor der Zimmertür abgestellt. Danach wird angeklopft, damit der Bewohner des Zimmers seine Maske aufsetzen kann. Er öffnet die Tür nur zum Hereinholen des Tabletts und schließt sich danach wieder direkt in seinem Zimmer ein. Genauso wird bei Postrunden verfahren.

Eine ABC-Schutzmaske mit Filter liegt auf Pflastersteinen.

Die ABCAtomar, Biologisch, Chemisch-Schutzmaske mit Filter ist der ständige Begleiter während der Unterbringung. Bei jeder Türöffnung ist sie aufzusetzen.

Bundeswehr/Martin Buschhorn

Bewegung ist unter Berücksichtigung aller Schutz- und doppelter Abstandsmaßnahmen möglich. Heißt: Ein Spaziergang auf dem Hof des Hotels mit mindestens drei Meter Abstand. Hierfür wurde ein Bereich extra abgesperrt.

Um einen größeren Parkbereich stehen grün werdende Bäume. Es ist Frühling.

Dieser abgesperrte Parkplatz dient als Fläche für einen Spaziergang. Hier können sich die Isolierten unter Berücksichtigung aller Schutzmaßnahmen die Beine vertreten.

Bundeswehr/Martin Buschhorn

Psychologe und Seelsorger rund um die Uhr erreichbar

Trotz des pausenlosen Einsatzes von Stabsfeldwebel Albers und seinem Team handelt es sich um eine isolierte Unterbringung die mental belastend ist. Es gibt viel Zeit für die Soldatinnen und Soldaten zum Nachdenken – über den bevorstehenden Einsatz, über die Risiken und ihre Sorgen. Daher steht zusätzlich rund um die Uhr eine psychologische und seelsorgerische Betreuung zur Verfügung. Für Albers ist es eine Selbstverständlichkeit, dass er früh am Morgen oder spät am Abend erreichbar ist: „Es ist mir wichtig meinen Kameradinnen und Kameraden diese belastende Zeit so angenehm wie möglich zu gestalten.“

Ein Soldat in Uniform sitz vor seinem Laptop und telefoniert mit dem Handy.

Stabsfeldwebel Claas Albers koordiniert die Betreuung vor Ort. Er und sein Team sind 24 Stunden für die Kameradinnen und Kameraden ansprechbar.

Bundeswehr/Martin Buschhorn




von Martin Buschhorn