Luftwaffe
Jobporträt

Lehrer und Praktiker: Technischer Ladungsmeister auf dem A400M

Lehrer und Praktiker: Technischer Ladungsmeister auf dem A400M

Datum:
Ort:
Wunstorf
Lesedauer:
4 MIN

An der Übung Air Defender 23 sind Menschen mit den unterschiedlichen Tätigkeiten aus vielen Ländern beteiligt. Einige stellen wir vor.

Ein Mann in Fliegerkombi vor einem Transportflugzeug

Hauptfeldwebel Nils K. ist Technischer Ladungsmeister, Ausbilder und Prüfer für den A400M

Bundeswehr / Simon Otte

Zur Person:

•    Dienstgrad, Name, Vorname: Hauptfeldwebel Nils K.
•    Alter: 39
•    Tätigkeitsbezeichnung/Verwendung: Technischer Ladungsmeister, Ausbilder und Prüfer für den A400M,
•    Nation: Deutschland
•    Verband/Einheit: Lufttransportgeschwader 62

In welcher Verwendung sind Sie eingesetzt? Was zeichnet Ihre Arbeit aus und weshalb ist sie wichtig für die Luftstreitkräfte?

Ich bin als technischer Ladungsmeister auf dem A400M als Lehrer und Prüfer eingesetzt. Meine Arbeit zeichnet aus, dass ich Ladungsmeister in der ersten Phase im logistischen und technischen Bereich ausbilde und in der zweiten Phase im technischen Bereich. 

In der ersten Phase, dem Type Rating, werden logistische und technische Inhalte vermittelt. Logistisch bedeutet in diesem Kontext, dass die Auszubildenden die Grundschulung zum Ladungsmeister erhalten und am ganz normalen Flugbetrieb teilnehmen können. Im technischen Bereich erwerben die angehenden Ladungsmeister eine Typenklassifizierung auf den A400M und werden darin ausgebildet, wie man ein Flugzeug wartet und eine Vorfluginspektion durchführt. Bei uns erwirbt man eine Musterberechtigung speziell für den Flugzeugtyp A400M. Es ist meine Aufgabe, die Ladungsmeister durch die Klassifizierung zu begleiten. 

In Anschluss erwerben die Ladungsmeister erste praktische Erfahrungen. Daran schließt sich die zweite Phase an, in der die Ladungsmeister taktische Grundfertigkeiten erlernen. Diese sind für das taktische Fliegen in Auslandseinsätzen und Evakuierungsmissionen notwendig. Der taktische Bereich umfasst das Bewegen des Luftfahrzeugs bei laufenden Maschinen, das Verhalten im Tiefflug, die Vorbereitung der Maschine und das Wissen darüber, wie man sich selbst und die Maschine schützt. Der A400M kann ganz viele verschiedene operationelle Rollen einnehmen. Es ist die Aufgabe des Ladungsmeisters, alle Rollen zu kennen und zu beherrschen.

Bei all dem bin ich aber nicht nur Lehrer, sondern auch selber als Ladungsmeister aktiv. Einen guten Lehrer macht immer aus, dass er auch selber als Ladungsmeister fliegt und sich immer wieder mit der Praxis befasst, damit er diese besser vermitteln kann.

Die wichtigste Aufgabe des Ladungsmeisters ist das Luftfahrzeug vor dem Flug zu beladen und das Ausrechnen des Schwerpunktes. Wir stellen sicher, dass das Flugzeug in seinen Schwerpunktgrenzen bleibt und der Flug nicht beeinträchtigt wird. Das macht man mithilfe eines Computerprogramms. Im Flug haben wir die Aufgabe, die Cockpitbesatzung zu unterstützen. Dies können Notsituationen, technischen Fragen und auch in administrative Fragen sein. Außerdem überwachen wir die Ladung. 

Ein Mann in Fliegerkombi sitzt vor einem Computer

Ladungsmeister Nils K. an seinem Arbeitsplatz im A400M in der Load Master Work Station

Bundeswehr / Simon Otte

Wie sieht Ihr Arbeitsplatz aus (Büro, Cockpit, Werkstatt)?

Mein Arbeitsplatz ist immer eine Mischung aus Cockpit, Laderaum, Büro, Hörsaal und Simulator. Das Spannende an meinem Job ist, dass er immer abwechslungsreich ist und dass es keinen Alltag gibt. Es bleibt immer herausfordernd. 

Während der Arbeit trage ich die Fliegerkombi. Das ist unser Tagesdienstanzug, den wir mit Stolz tragen. Man muss sich diesen erst verdienen und dafür viel Ausbildungszeit investieren. 

Was ist Ihre Aufgabe bei Air Defender 23?

Mit unserer Einheit plane und organisieren ich zusätzlich den Nationsday, eine große Party für alle ausländischen und deutschen Kräfte, die während der Übung in Wunstorf stationiert sind. 

Wie unterscheidet sich Ihre Arbeit bei Air Defender vom normalen Tagesdienst?

Die Tätigkeit als Ladungsmeister ist während Air Defender 23 die gleiche. Das Tagesgeschäft wird durch die Übung nicht weniger, da die normalen Lufttransporte nicht weniger werden. Unser Geschäft lebt viel von Flexibilität. Wir beladen allerdings nur unsere Luftfahrzeuge und nicht die der Amerikaner, da wir die Ausbildung für die C-130 nicht haben. Aber sicherlich schnuppert man bei den Anderen mal rein, geht mal mit und guckt sich das an. Es ist ein Riesenvorteil dieser Übung, dass wir auch mal was anderes sehen, man sich weiterbildet und was anderes kennenlernt. Und für sich selbst auch begreift, wie groß die Fähigkeit des A400M ist und was der alles kann. 

Auch wenn bei der Übung das Flugaufkommen größer ist, finden vonseiten der Luftwaffe nur wenige logistische Unterstützungsflüge statt. Der Schwerpunkt liegt viel mehr auf der Luftbetankung. Bei solchen Tank-Missionen fliegen Ladungsmeister mit und unterstützen die Cockpitbesatzungen beim Betankungsvorgang. Dieser stellt für die beiden Luftfahrzeugführer eine hohe Arbeitsbelastung dar und da brauchen sie die Unterstützung von den Ladungsmeistern, die mit im Cockpit sitzen. Wir unterstützen, indem wir zum Beispiel aufschreiben, wieviel getankt wurde. 

Wie erleben Sie die Atmosphäre und die Region bei der Übung?

Die Atmosphäre nehme ich als sehr positiv wahr. Man merkt, dass alle neugierig und gespannt sind, auf das, was wir hier leisten und bewerkstelligen können. Ich wohne hier direkt im Umfeld und merke überall das positive Feedback, was Air Defender in der Region hervorruft. Ich bin stolz darauf, in dieser Region zu leben und dass diese Region uns als Verband so unterstützt und beisteht. Das fängt in der Grundschule an und hört bei den Spottern auf, die am Zaun stehen. Den Leuten ist die Tragweite der Übung schon bewusst. Wunstorf ist mein Zuhause und meine Heimat. Ich hatte zwar auch schon mal eine tolle Auslandsverwendung als Ladungsmeisterlehrer auf einem A400M in Großbritannien, aber Heimat bleibt halt immer Heimat.

Welchen Hobbys gehen Sie neben Ihrer militärischen Laufbahn nach?

Ich nache Sport und bin in der Natur unterwegs und bin passionierter Fußballtrainer von einer Jugendmannschaft. Das Wichtigste für mich sind meine Kinder und meine Familie. Daraus schöpfe ich unglaublich viel Motivation, wenn ich sehe, wie wohlbehütet meine Kinder aufwachsen dürfen. Ich bin bereit, viel zu leisten, damit das weiterhin so bleibt.

von Cedric  Kortenbruck