Luftwaffe

Mit dem A350 einmal um die Welt

Mit dem A350 einmal um die Welt

  • Medizin & Gesundheit
  • Luftwaffe
Datum:
Ort:
Köln
Lesedauer:
3 MIN

Exakt 44 Stunden 44 Minuten dauerten die Erprobungsflüge des neuen A350 mit der Kennung 10+03. Ziel war die Erprobung der Ultra-Long-Range-Fähigkeit dieses Flugzeuges.

Ein Airbus A350 steht auf dem Flugfeld in Papeete.

Der Airbus A350 ist auf dem Flugfeld in Papeete angekommen. Das Flugzeug ist das neue Ultra-Langstreckenflugzeug der Flugbereitschaft BMVgBundesministerium der Verteidigung.

Bundeswehr/Stefan Sammito

Bei der gut fünf Tage dauernden Reise von Köln über Canberra in Australien, Papeete in Französisch-Polynesien und wieder zurück an den Heimatflughafen Köln/Bonn war neben einer doppelten Pilotencrew, den Flugbegleiterinnen und Flugbegleitern und der Technik auch ein Team des Zentrums für Luft- und Raumfahrtmedizin der Luftwaffe an Bord. Es begleitete die fliegerische Besatzung, um die Auswirkungen dieser extrem langen Flüge auf die Crew wissenschaftlich zu untersuchen.

Eine starke Belastung für die Crew

„Erkenntnisse aus der zivilen Luftfahrt lassen sich nur bedingt auf die Rahmenbedingungen der Weißen Flotte der Flugbereitschaft des BMVgBundesministerium der Verteidigung übertragen“, so Oberfeldarzt Priv.-Doz. Dr. Stefan Sammito, Dezernatsleiter für „Experimentelle Flugmedizinische Forschung“ im Zentrum für Luft- und Raumfahrtmedizin der Luftwaffe. Er leitete die wissenschaftliche Studie. „Zivile Pilotencrews haben nicht nur üblicherweise einen mehrtägigen Aufenthalt am Zielflughafen bevor sie wieder geplant zurückfliegen. Unsere Crews haben dies aber meistens nicht, da nach Abschluss der politischen Gespräche der Rückflug ansteht. Auch fangen Teile der Crew, eben das mitfliegende Personal der Technik, erst so richtig mit ihrer Arbeit an, wenn bei den zivilen Luftfahrtgesellschaften die Maschine an die Bodencrew vor Ort abgegeben wird.“

So wurden neben der Optimierung des Crewkonzepts und der Frage der idealen Planung der Einnahme der Mahlzeiten insbesondere die Schlafqualität und die Konzentrationsleistung der Besatzung untersucht. Ein Schrittzähler erfasste zusätzlich die absolvierten Schritte. Gerade die mehrfachen, erhebliche Zeitverschiebungen auf der Reise (Canberra +10 Stunden, Papeete –11 Stunden gegenüber Köln), führten zu ständigen Umstellungen des eigenen Biorhythmus.

Drei Soldaten und eine Soldatin sitzen im A350 und füllen Testbögen aus.

Während des Fluges mussten die Crews verschiedene Tests ausfüllen

Bundeswehr/Stefan Sammito

Testen über den Wolken

So gab es in Australien Mittagsessen, während die Besatzungsmitglieder eigentlich gerade vom Biorhythmus im Tiefschlaf sein sollten. In Papeete wurde Frühstück serviert, der Biorhythmus war aber auf Abendessen eingestellt. „Das gleiche gilt natürlich auch für den äußeren Taktgeber, die Sonne. Sie hat uns ständig etwas Anderes gesagt, als die eigene innere Uhr“, erläuterte PDPrivatdozent Dr. Sammito.

Um die Auswirkungen dieser Effekte auf Konzentration und mentale Leistungsfähigkeit der Besatzung exakt zu erfassen und den Umgang damit zu optimieren, wurden während aller Phasen der Reise insgesamt elf Tests mit je 25 Seiten pro Teilnehmer durchgeführt.

Nach Auswertung der Ergebnisse durch das Zentrum für Luft- und Raumfahrtmedizin der Luftwaffe sollen die Ergebnisse und mögliche Empfehlungen im Januar 2021 dem Kommandeur der Flugbereitschaft BMVgBundesministerium der Verteidigung präsentiert werden.

Und auch wenn Covid-19 hier die Planung und Durchführung des Fluges extrem erschwerte – alle Crewmitglieder wurden zweifach negativ getestet bevor es losging – so war die Einzelquarantäne während des Aufenthalts in Canberra aus wissenschaftlicher Sicht ein Vorteil. Da alle Crewmitglieder in ihren Hotelzimmern verbleiben mussten, wurde der anschließende Flug nach Papeete in ausgeruhtem Zustand durchgeführt und führte nicht zu einer zusätzlichen Belastung der Crew. 

Aus dem Cockpit des A350 heraus sieht man den Abendhimmel.

Durch die ständigen Zeitverschiebungen kam der Biorhythmus der Crew völlig durcheinander

Bundeswehr/Stefan Sammito

Ergebnisse für die Zukunft

Mit zwei 18-Stunden-Flügen hat sowohl die Besatzung, wie auch das neue Flugzeug eindrucksvoll bewiesen, dass die neue Fähigkeit der Ultra-Long-Range-Flüge in der Flugbereitschaft des BMVgBundesministerium der Verteidigung angekommen ist. Die wissenschaftliche Auswertung wird zeigen, wo die Crewplanung bereits optimal ist und wo sie noch verbessert werden kann. Damit trotz der kurzen Stehzeiten am Boden die Crew ausgeruht und passend zum eigenen Biorhythmus sicher und auf die Minute genau landet. Eben punktgenau: 44 Stunden und 44 Minuten nach dem Start in Köln.

von Stefan Sammito