Luftwaffe

Scharfer Schuss „digital“: Gefecht aus 2.500 Kilometern Entfernung

Scharfer Schuss „digital“: Gefecht aus 2.500 Kilometern Entfernung

  • Digitalisierung
  • Luftwaffe
Datum:
Ort:
Kreta
Lesedauer:
3 MIN

Moderne Luftstreitkräfte müssen sich stetig mit ihrem Einsatzspektrum weiterentwickeln. Beim diesjährigen Taktischen Schießen auf Kreta wurde das Gefecht erstmals aus 2.500 Kilometern Entfernung geführt. Die Digitalisierung macht dies möglich.

Ein Soldat sitzt mit einem Headset in einer Kabine und nimmt Einstellungen an einer Schalttafel vor.

Experte in seinem Element: Hauptfeldwebel F. trägt Verantwortung für die Datenleitungen beim Taktischen Schießen auf Kreta

Bundeswehr/Dominik Fischer

Innovation und Fortschritt sind für die Flugabwehrraketenkräfte der Luftwaffe kein Neuland: Das seit Anfang der 1990er-Jahre stetig weiterentwickelte und modernisierte Patriot-System gehört nach wie vor zu den wirkungsvollsten und anpassungsfähigsten Waffensystemen seiner Art. Aktuell steht besonders die Fortentwicklung und Erprobung seiner sogenannten „Reach-Back“-Fähigkeiten im Fokus. Ziel ist es, das Waffensystem mit weniger Personal zu verlegen und dennoch effizient einzusetzen. Dabei bleiben Teile der Führung am Heimatstandort. Damit das reibungslos funktioniert, bedarf es einer gut geplanten ITInformationstechnik-Infrastruktur.

Digitale Möglichmacher - Der Schnittstellentrupp auf Kreta

Hauptfeldwebel Peter Andrew F. betreibt den Schnittstellentrupp auf Kreta. Dieser ist das Ende der Datenleitung am Ort der Übung und gleichzeitig Eingangspunkt für alle hier ankommenden Daten. Eine vergleichbare Schnittstelle wird in Husum betrieben und bildet so das andere Ende dieser Datenbrücke. „Im Prinzip könnte man meine Rolle als Vermittler oder auch Dolmetscher beschreiben. Ich ermögliche es den unterschiedlichen Stellen der Staffeln, Gruppen oder des Geschwaders, über die verschiedensten Kanäle miteinander zu reden. Sei es Funk, Telefonie, taktische- oder Luftlagedaten“, so der Hauptfeldwebel über seine Aufgabe. Patriot ist aus der Perspektive eines Fernmelders ein hochkomplexes System. Unterschiedlichste Funkstrecken, Datenleitungen und Endgeräte müssen zum erfolgreichen Betrieb miteinander verbunden werden. Nur wenn alles funktioniert, ist ein Kampfverband voll leistungsfähig. Auch deshalb spricht die Truppe oft vom „schießenden Fernmeldesystem“.

Ein Soldat spricht in ein Handfunkgerät und blickt dabei auf einen Schaltschrank.

Peter Andrew F. nutzt die Datenverbindung, um sich mit seiner Gegenstelle in Husum abzustimmen

Bundeswehr/Dominik Fischer

Husum: Das andere Ende der Datenbrücke

Stabsfeldwebel Frank Strübing, ITInformationstechnik-Administrator und S6-Feldwebel beim Taktischen Schießen in Husum

Redundanz schafft Sicherheit

Über eine besonders gesicherte Datenleitung via Internet wird die Verbindung über das ITInformationstechnik-Betriebszentrum der Bundeswehr in Rheinbach zum Heimatstandort in Husum gehalten. Als Alternative steht eine bundeswehreigene Satellitenverbindung zur Verfügung. So wird eine dauerhaft funktionierende und störunanfällige Kommunikation gewährleistet. Experten wie Peter Andrew F. übernehmen dabei die Aufgabe eines Managers. Er überwacht die Funktion und ist Dienstleister für den Kommunikationsbedarf der Truppe. Die Bedeutung seiner Aufgabe bringt F. mit einem alten Truppensprichwort auf den Punkt: „Wenn Du einen Fernmelder rennen siehst, dann ist wirklich etwas im Argen.“ Rennen musste der Hauptfeldwebel auf Kreta bisher nicht.

Auf einer Karte sind mithilfe von Pfeilen die Datenverbindungen zwischen Husum, Rheinbach und Kreta visualisiert.

Die über eine Internet- und Satellitenverbindung abgesicherte Datenleitung ermöglicht Kommunikation und damit die Führung des multinationalen Verbands über 2.500 km Entfernung

Bundeswehr/Nadine Kohl

Digital in die Zukunft

Durch die vielen neuen Möglichkeiten kann die Truppe vor Ort ihren Auftrag schneller, kompakter und vor allem effizienter erfüllen. Zum Beispiel kann die Besatzung eines Fahrzeugs mit ihrem Funkgerät dank dieser Datenleitung Tausende Kilometer weit senden und empfangen. Vor dem Hintergrund möglicher Einsatzszenarien ein entscheidender Vorteil: Zeit und Kosten werden gespart, weniger Soldatinnen und Soldaten müssen sich einer potenziellen Bedrohungslage aussetzen. Hauptfeldwebel F.: „Wir bewegen mehr Daten, dafür weniger Truppe. Damit gehen wir klar mit einem Zukunftstrend.“

Gefecht vor Ort, Führung aus der Heimat

Zukunftsweisend aber ist vor allem, dass ein Flugabwehrgefecht so auch über große Distanz geführt werden kann. Die Kampfführungsoffiziere des Geschwaders, die sogenannten „Mission Directors“, können in Husum das auf Kreta zusammengefasste Luftlagebild des Control and Reporting Centers (CRC) auswerten und den Gruppen mit ihren Staffeln vor Ort Ziele für die Bekämpfung zuweisen. Dieses Verfahren wird beim diesjährigen Taktischen Schießen auf Kreta erstmals angewendet.

Das Taktische Schießen dient damit nicht nur dem Training der Einsatzbereitschaft und der NATO-Zertifizierung des Verbands. Die Flugabwehr entwickelt sich technisch konsequent weiter, stellt sich dem Megatrend der Digitalisierung und damit auch den Einsatzszenarien der Zukunft - frei nach dem alten Truppenmotto „Train as you fight!“, „Trainiere so, wie du kämpfst!“

Ein Soldat in Husum beobachtet auf einem Bildschirm das aktuelle Lagebild auf Kreta.

Der Gefechtsstand des Geschwaders kann dank der Datenleitung die Bekämpfung von Übungszielen auf Kreta steuern und beobachten

Bundeswehr/Bernd Berns


von Johannes  Potthoff