Luftwaffe

Sicherheit auf Abstand

Sicherheit auf Abstand

  • Blue Wings
  • Luftwaffe
Datum:
Ort:
Nörvenich
Lesedauer:
3 MIN

In Zeiten einer weltweiten Pandemie ist es nur unter größten Anstrengungen möglich, eine Luftwaffenübung wie Blue Wings 2020 durchzuführen. Strengste Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen sind oberstes Gebot.  

Erstmals in der Geschichte trainieren deutsche Eurofighter und israelische F-16 gemeinsame Luftoperationen am Himmel über Deutschland. Das Taktische Luftwaffengeschwader 31 „Boelcke“ war stolzer Gastgeber der historischen Luftwaffenübung Blue Wings 2020. Der Besuch der israelischen Soldaten fordert ein umfassendes Sicherheitskonzept – sowohl militärisch als auch hygienisch.

Besondere Gäste erfordern erhöhte Sicherheit

Für zwei Wochen sind die israelischen Freunde mit eigenen Kampfflugzeugen in Deutschland zu Gast. Mit ihren Kameradinnen und Kameraden aus dem Taktischen Luftwaffengeschwader 31 „Boelcke“ üben sie verschiedene Luftoperationen. Für die Gäste aus Israel gelten höchste Sicherheitsstandards.
Das Geschwader arbeitet dafür eng mit der Polizei zusammen. Soldatinnen und Soldaten aus unterschiedlichen Einheiten des Geschwaders unterstützen die sogenannte „Force Protection“. Sie haben die Aufgabe, das Geschwader zu bewachen und während der Start-und Landephase die Ein-und Abflugbereiche zu sichern. Eine Woche lang wurden die Frauen und Männer intensiv geschult. Neben diversen Schießübungen gehören auch Auffrischungen der für die Bundeswehr geltenden Wachgesetze.

Soldaten in einem Raum bei einer Besprechung

Täglich trifft sich das Führungspersonal der Wachverstärkung, der sogenannten Force Protection, zur Morgenlage. Dort wird der Tag und der Personaleinsatz besprochen

Bundeswehr/Jane Schmidt

Jeden Morgen treffen sich alle an der Absicherung beteiligten Stellen, um den Tagesablauf zu koordinieren. Dazu gehören neben den Offizieren für militärische Sicherheit des Geschwaders Verbindungsbeamte der Polizei, Pioniere, ABCAtomar, Biologisch, Chemisch-Abwehrkräfte, Sprengstoffexperten, ziviles Wachpersonal und Brandschützer. Dabei wird das akribisch ausgearbeitete Sicherheitskonzept auf den täglichen Übungsflugbetrieb angepasst. Hierzu werden zum Beispiel Streifenwege neu festgelegt und das damit beauftragte Personal genau eingewiesen. Außerdem werden sicherheitsrelevante Informationen mit externen Behörden, wie zum Beispiel der Polizei, ausgetauscht. 

Maßgeblich am Sicherheitskonzept des Geschwaders beteiligt war Oberleutnant Maria E. „Die Tatsache, dass wir den israelischen Gästen ein sicheres Gefühl vermitteln, ist Lohn für die zweimonatige Vorbereitungszeit, die uns das ein oder andere Mal auch vor Herausforderungen stellte.“ Der reibungslose Ablauf der gemeinsamen Übung habe dabei oberste Priorität, betont die 33-jährige Sicherheitsoffizierin.

  

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Oberleutnant Maria E. stimmt sich mit einem Soldaten der Force Protection ab und bespricht den Tagesablauf. Dazu gehören auch die Streifenwege

Bundeswehr/Jane Schmidt

Knapp 40 Journalisten haben dieses strenge Sicherheitskonzept beim Medientag von Blue Wings zu spüren bekommen. Die Sporthalle des Geschwaders wurde als Eingangsschleuse genutzt, um alle Medienvertreter zu durchsuchen. Darüber hinaus unterstützten die Kameradinnen und Kameraden der Feldjäger mit speziell geschulten Spürhunden, um das Kameramaterial auf Sprengstoffe zu untersuchen.

Hund riecht an Kamera

Speziell ausgebildete Spürhunde untersuchen das Kameramaterial der Journalistinnen und Journalisten auf Sprengstoffe

Bundeswehr/Jane Schmidt
Soldat kontrolliert Journalisten

Die Soldatinnen und Soldaten der Force Protection kontrollieren die Medienvertreter

Bundeswehr / Jane Schmidt

Hygienekonzept zum Kampf gegen den unsichtbaren Feind

Neben der militärischen Sicherheit spielt das Hygienekonzept des Verbandes eine entscheidende Rolle. Über einen Monat hat der Verband intensiv daran gearbeitet. Gemeinsam mit der Überwachungsstelle für Öffentlich-Rechtliche Aufgaben im Sanitätsdienst der Bundeswehr wurden Maßnahmen entwickelt, um alle an der Übung beteiligten Soldaten bestmöglich zu schützen und das Ansteckungsrisiko zu minimieren. „Das Ziel war, dass sich weder israelische noch deutsche Übungsteilnehmer mit Covid-19 infizieren. Bisher ist uns das gemeinsam gelungen“, sagt Oberstleutnant Heinz Jöbges, der mit der Erstellung des Hygienekonzeptes federführend beauftragt war.

Alle israelischen Teilnehmer mussten bei Einreise einen maximal 48-Stunden altes negatives Testergebnis vorweisen.  
Jeden Montag und Donnerstag werden die deutschen Soldaten durch den Fliegerarzt des Geschwaders auf Covid-19 getestet. Über 800 Testungen werden dafür durchgeführt. „Laut Statistik ist einer von 100 Tests falsch positiv. Das ist bei uns bislang nicht der Fall gewesen. Alle Testergebnisse waren bisher negativ“, sagt Hauptfeldwebel Franziska Vogel nach über der Hälfte des Übungszeitraumes. Die Flugmedizinische Assistentin nimmt täglich mit ihrem Team Abstriche ihrer Kameradinnen und Kameraden.

Soldat beim Covid-19-Test

Hauptfeldwebel Franziska Vogel nimmt bei ihrem Kameraden einen Abstrich

Bundeswehr / Jane Schmidt
Tüte mit Teströhrchen

Täglich werden die Abstriche von einem zivilen Institut abgeholt und am gleichen Tag noch ausgewertet

Bundeswehr/Jane Schmidt

Zudem sind alle deutschen Übungsteilnehmer in Kohorten aufgeteilt, so dass bei einem positiven Testergebnis die betroffene Kohorte isoliert und die Übung planmäßig fortgesetzt werden kann. Selbst innerhalb dieser Gruppen wird genau auf das Einhalten der Abstandsregeln und das Tragen der Mund-und Nasenbedeckung geachtet.

Die Israelische Luftwaffe hat die Teilnahme an Blue Wings und den Multinational Air Group Days so hoch priorisiert, dass sie trotz der Corona-Pandemie nach Deutschland reiste. Alle anderen Übungsvorhaben wurden dahingegen abgesagt.

Das es bisher weder Sicherheitsvorkommnisse noch positive Covid-19-Tests gab, beweist dass sich die harte Arbeit der Soldatinnen und Soldaten des Taktischen Luftwaffengeschwader 31 „Boelcke“ voll ausgezahlt hat.


von Stephan  Jeglinski