Luftwaffe

Sieben Telefone auf vier Quadratmetern

Sieben Telefone auf vier Quadratmetern

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Datum:
Ort:
Gerolstein
Lesedauer:
2 MIN

Ein grüner Strahl streift wie ein Scheibenwischer unablässig über den kreisrunden Radarbildschirm. Ein harmloser kleiner Punkt, der zu einem feindlichen Flugobjekt mutiert, beunruhigt Oberleutnant Deniz Wintermeyer zunehmend.

Ohne Kommunikation geht gar nichts – ob über eines der sieben Telefone oder im persönlichen Gespräch

Steht das Startgerät schon? Oberleutnant Deniz Wintermeyer holt sich seine Informationen nicht nur über das Telefon

Bundeswehr/Volker Muth

Teamarbeit unter beengten Bedingungen

Der Feuerleitoffizier tauscht sich mit dem, wie ein Beifahrer neben ihm sitzenden, Feuerleitfeldwebel Christian Ahme aus. Vier Quadratmeter Bewegungsraum in dem mit Technik vollgestopften, mobilen Feuerleitstand erzwingen von selbst die notwendige Teamarbeit. Der Punkt wird größer und bewegt sich auf die Stellung zu. Oberste Priorität bei der Zielansprache: keinen Freund, also etwa ein „eigenes“ Flugzeug bekämpfen. Nachdem vom ICC (Information Coordination Center), also der Kampfführungsanlage das Ziel nicht zugewiesen wurde, entscheidet sich der Feuerleitoffizier zur Selbstverteidigung. So ähnlich würde es ablaufen – wenn der Schauplatz nicht in der friedlichen Eifel, sondern in einem Krisenszenario irgendwo auf der Welt wäre. Vier Flugabwehrraketenstaffeln (FlaRakStff) mit mehreren Crews sind bei der Übung Resilient Guard 2020 rund um den Fliegerhorst Büchel verteilt. Nach vielen simulierten Verteidigungsübungen geht es hier in der Eifel um den tatsächlichen Tornado-Flugplatz.

Freund oder Feind?

Rund 90 Soldatinnen und Soldaten pro Staffel erfassen alle möglichen Flugobjekte: Kampfflugzeuge, Drohnen, Helikopter, Marschflugkörper und ballistische Raketen. „Aus den Parametern Geschwindigkeit, Länge des Objekts, Flughöhe und -winkel, erkennt das System automatisch das Ziel“, erklärt Oberleutnant Wintermeyer. Der Feuerleitoffizier sei aber gefordert, die Ergebnisse zu überprüfen und letztlich zu entscheiden, ob das Objekt eine Bedrohung darstellt und bekämpft werden muss. 

Zwei Bestandteile des FlaRak-„Dreigestirns“: der Feuerleitstand (vorne) und das Radar. Nicht im Bild: das Startgerät (Launcher).

Beim Aufbau eines Feuerleitstandes helfen alle mit.

Bundeswehr/Volker Muth

Der TCO muss vielfach belastbar sein

Der 30-Jährige hat Wirtschaftsingenieurwesen studiert und wurde nach einer siebenmonatigen, taktischen Ausbildung in El Paso, Texas, zum Tactical Control Officer (TCO) auf dem Waffensystem PATRIOT ausgebildet. Was macht einen guten Feuerleitoffizier, wie der TCO auf Deutsch heißt, aus? „Multitasking und Fähigkeit zur Priorisierung“, antwortet Wintermeyer ohne lange zu überlegen. Monitore im Auge haben, die Crew in der weitgehend schallisolierten Kabine führen und möglichst viele der sieben Telefone gleichzeitig bedienen. Natürlich verständigen sich alle mit vielen englischen Begriffen, nachdem auch die Tableaus des amerikanischen Systems rein englisch beschriftet sind. „Was ist wichtig?“, „Welche Ziele müssen zuerst bekämpft werden?“, sind Fragen, die fortlaufend zu stellen und vor allem zu beantworten sind.

Oberleutnant Deniz Wintermeyer auf dem Weg in seinen Feuerleitstand

Multitasking ist unerlässlich im FlaRak-Geschäft ­–Oberleutnant Deniz Wintermeyer ist darüber hinaus mit seiner Staffel noch ein Taktik-Spezialist

Bundeswehr/Volker Muth

Spätestens wenn ihn der Hunger plagt, verlässt Oberleutnant Wintermeyer seinen beengten Arbeitsplatz. Aber auch das Essen ist nicht gerade gemütlich: statt einem Drei-Gänge-Menü im Offizierscasino drückt ihm der Staffelfeldwebel eine beige Tüte mit der Deutschland-Fahne in die Hand. „Federal Defence“, also staatliche Verteidigung ist dort aufgedruckt. Und: Individuelle Kampfration. Spätestens jetzt weiß er, dass er nicht zuhause in der FlaRak-Gruppe 24 Bad Sülze (Mecklenburg-Vorpommern) ist, sondern auf einem Truppenübungsplatz irgendwo in der Eifel.

von Max-Joseph  Kronenbitter
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