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Start der Einsatzprüfung – Absetzen Schwerlast A400M

Start der Einsatzprüfung – Absetzen Schwerlast A400M

  • Luftwaffe
  • Aktuelles
Datum:
Ort:
Spanien
Lesedauer:
3 MIN

Wie können Material oder Hilfsgüter direkt und ohne Zeitverzögerung an schwer zugängliche Orte gebracht werden? Die Lösung: Sie werden direkt über dem Ziel aus einem Flugzeug abgesetzt. Für schwere Lasten sind hierfür andere Verfahren erforderlich als für leichtere. Erstmals wurde Ende Juni mit einem deutschen A400M das Absetzen Schwerlast durch den Truppenversuch (TTVGTaktisch-Technische Versuchsgruppe) des Lufttransportgeschwaders 62 (LTGLufttransportgeschwader 62) erfolgreich evaluiert. Dies markiert den Startschuss für die Einsatzprüfung.

Neun Soldaten stehen nebeneinander vor einem Airbus A400M

Bevor die Verladung abgeschlossen ist, bleibt etwas Zeit für ein Gruppenfoto

Bundeswehr

Strahlender Sonnenschein und beste Bedingungen am Himmel über dem Absetzplatz in der Nähe von Saragossa/Spanien: In zirka 300 Metern Höhe nähert sich ein deutscher A400M mit geöffneter Laderampe. Bei 240 Kilometern pro Stunde wird aus dem Laderaum eine Standard-NATO-Übungslast abgesetzt, die über den Ausziehschirm den Laderaum verlassend und am Fallschirm hängend, punktgenau im vorher festgelegten Ziel landet.

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Neben MedEvacMedical Evacuation ist der A400M für den Personen- und Materialtransport vorgesehen. Das Absetzen von Schwerlasten kann automatisiert erfolgen. Der erste Test für das Verfahren ist erfolgreich verlaufen.

Interoperabilität im Lufttransport

Damit alles genauso gelingt, war eine intensive Vorbereitung notwendig. Die spanische Luftwaffe hatte die A400M-Partnernation Deutschland wie schon bei der Erprobung der Luftbetankung und dem Landen auf unbefestigten Pisten tatkräftig unterstützt: Die Spanier stellten beim Überflugbetrieb die Kapazitäten für die taktische Einsatzprüfung des deutschen A400M. Für den Technischen Ladungsmeister des A400M, Oberstabsfeldwebel Eike Bösch, ist dies ein Zeichen für die gute Zusammenarbeit der A400M-Nationen: „Durch die gemeinsame Evaluierung von internationalen NATO-Standards können wir von Beginn an Synergien und internationale Interoperabilität schaffen. So können später deutsche A400M Lasten für andere Nationen absetzen, wenn diese die gleichen Verfahren nutzen.“

Automatisiertes Verfahren 

Das Absetzen von Schwerlasten im Ausziehverfahren unterscheidet sich in vieler Hinsicht von bisher evaluierten Verfahren bei leichten und kleinen Lasten. Verlassen beim Abwurf die Lasten mittels eigener Schwerkraft den Laderaum, wird bei diesem Verfahren die Last durch einen ersten Fallschirm aus dem Laderaum gezogen. Danach öffnet sich durch diesen Ausziehschirm der Lastenfallschirm. Je nach Art und Gewicht der Last kann dabei die Anzahl der Auszieh- und Lastschirme variieren. Bei dem Versuch mit der 1,5-Tonnen-schweren Übungslast war jeweils ein Schirm ausreichend. Die Auslösung erfolgt dabei automatisch durch das Flight Management System des A400M.

Damit die Last zielgenau landet, muss sie genau zum richtigen Zeitpunkt in der Luft ausgelöst werden. Diesen berechnen die Computer des A400M auf Basis der durch die Piloten und Technischen Landungsmeister eingegebenen Daten, wie zum Beispiel Art und Gewicht der Ladung und Windgeschwindigkeiten. Für Bösch ist dies eine große Arbeitserleichterung: „Zwar ist bei diesem Verfahren die Vorbereitung für uns umfangreicher, aber wir können dabei die gesamten technischen Fähigkeiten des A400M nutzen. Die Arbeitsbelastung während des Fluges wird für uns dadurch deutlich minimiert.“

Erster Schritt der Einsatzprüfung

Die ersten beiden erfolgreichen Erprobungen am 22. und 23. Juni markieren den Start in eine weitere Einsatzprüfung für die deutschen A400M zur Erweiterung des Fähigkeitsspektrums des Luftfahrzeugs. „Unser Besonderer Dank gilt dabei den Kameradinnen und Kameraden der spanischen Luftwaffe. Ohne ihre optimale Unterstützung wäre der Start in diese Einsatzprüfung Absetzten Schwerlast nicht möglich gewesen“, betont dabei Stabshauptmann Christian Lenzenhuber, stellvertretender Leiter Truppenversuch A400M. 

Ladung in einem Airbus A400M

Die Luftwaffe fliegt mit einer A400M im Auftrag des European Air Transport Command (EATC European Air Transport Command) für die Niederlande Hilfsgüter aus Eindhoven in das Katastrophengebiet auf die Insel St. Martin am 12.09.2017.

2017 Bundeswehr / Johannes Heyn

Zukünftig sollen mit diesem Verfahren Einzellasten, zu denen auch Boote sowie Fahrzeuge gehören können, mit einem Gewicht von bis zu 16 Tonnen abgesetzt werden. Bis zum Abschluss der Einsatzprüfung sind noch etwa zehn weitere Versuche geplant. Die finale Freigabe zur Nutzung dieser taktischen Fähigkeit durch die Luftwaffe wird auf Basis der Daten durch das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr erteilt.

von Martin Buschhorn