Luftwaffe

Systemunterstützer liefern drei Cockpit-Kits für A400M-Piloten

Systemunterstützer liefern drei Cockpit-Kits für A400M-Piloten

  • Technik
  • Luftwaffe
Datum:
Ort:
Wunstorf
Lesedauer:
3 MIN

Im Airbus A400M wird künftig ein Fliegerhelm zur Aufnahme einer Atemmaske und eines Restlichtverstärkergeräts zum Einsatz kommen. Zusätzlich gibt es eine Umschaltbox für den Wechsel zwischen Fliegerhelm und Headset. Für das Tablet mit den Anflugunterlagen ist eine Kniebretthalterung konstruiert. 

Der Pilot hat den Fliegerhelm samt Nachtsichtbrille aufgesetzt.

Der Pilot hat den Fliegerhelm samt Nachtsichtbrille und Atemschutzgerät aufgesetzt

Bundeswehr/Simon Weber

Know-how bedarfsgerecht gebündelt

Damit sind drei wichtige Ausstattungsverbesserungen umgesetzt, welche die Einsatzabläufe und das Handling im komplexen Cockpit-Betrieb des multifunktionellen Transporters noch einmal deutlich verbessern. Diese Systemoptimierungen konnten nur deshalb so effizient umgesetzt werden, weil es gelang, das innerhalb der Einheiten des Waffensystemunterstützungszentrums (WaSysUstgZ) 2 am Standort Wunstorf vorhandene Know-How zu koordinieren. So konnte der Ideengeber, Hauptmann Marc Frielinghaus, in allen Fällen auf die Ingenieurdienstleistungen des Konstruktionsbüros der Systemunterstützer zurückgreifen und für die Fertigung von Prototypen und die elektrotechnische Ausstattung das Systemzentrums (SysZ) 23 gewinnen. Speziell bei der technischen Vorbereitung des Fliegerhelms mit seinen grundlegenden Installationen und der individuellen Anpassung an seinen Träger kamen zusätzlich noch die Flugausrüster aus Diepholz zum Einsatz. 

Der Fliegerhelm A400M wird an den Träger individuell angepasst.

Flugausrüster Sven Kretschmer funktioniert den Fliegerhelm für die Erfordernisse im A400M um und passt ihn individuell für den Träger an

Bundeswehr/Frank Paehr

„Guter Rat muss nicht teuer, sondern effizient und zeitnah sein“, so lautet Hauptmann Frielinghaus Maxime von der Gruppe zur Weiterentwicklung von Taktik, Technik und Verfahren beim Lufttransportgeschwader 62. Zeitintensive Auftragsvergaben und Entwicklungsphasen hatte er vermeiden wollen. In enger Zusammenarbeit mit dem BAAINBwBundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr) und dem Luftfahrtamt der Bundeswehr hatte er die Vorhaben jetzt vorantreiben können. 

Hauptmann Marc Frielinghaus mit dem Leiter des Konstruktionsbüros, Tobias Gärtner, während der Konstruktionsphase.

Hauptmann Marc Frielinghaus mit dem Leiter des Konstruktionsbüros, Tobias Gärtner, während der Konstruktionsphase.

Bundeswehr/Simon Weber

Funktionsgerechter Fliegerhelm

Der Fliegerhelm ist als erweiterungsfähige Komplettlösung angelegt. „Fliegerhelmsystem als Träger zur Aufnahme für Nachtsichtgerät und Atemmaske“ lautete der Arbeitstitel für das angestrebte Komplettpaket. Mittlerweile ist der Prototyp auf der Zielgeraden angekommen und das Luftfahramt der Bundeswehr, zuständig auch für die Zulassung von Luftfahrzeugen und -gerät einschließlich Zubehör hat den Weg für die Erprobung des Helms in der Truppe freigemacht. Die Erprobung ist seitens TTVGTaktisch-Technische Versuchsgruppe positiv abgeschlossen.

Der nächste Schritt wird die Genehmigung zur Nutzung durch das BAAINBwBundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr sein. „Der grundsätzliche Bedarf für die Nachtsichtflugfähigkeit mit dem Waffensystem A400M unter Zuhilfenahme von Nachtsichtgeräten ist evident und operationell von höchster Bedeutung für die Luftwaffe“, blickt Hauptmann Frielinghaus zurück, „die Nachtsichtbrille muss sowohl mit den Lichtquellen im Cockpit und der Außenbeleuchtung des Luftfahrzeugs kompatibel sein. Außerdem muss es extern sichtbares Licht, beziehungsweise Restlicht, als auch Infrarotlicht dosiert aufbereiten.“ So war die Integration zusammen mit der Aufnahme für die Atemmaske in den Helm als Trägersystem geboten. 

Der Pilot setzt den A400M-Helm ab und setzt sich ein Headset auf.

Der Pilotenhelm A400M wird gegen das Headset getauscht.

Bundeswehr/Simon Weber

Was dann die Umsetzung bis zum fertigen Helm in kurzer Zeit ermöglichte, war die Bündelung der Ressourcen aus dem Waffensystemunterstützungszentrum 2. Verantwortlich für die konstruktive Planung zeichnete das Konstruktionsbüro, zuständig für die Montage sämtlicher erforderlicher Aufnahmen, Halterungen und die individuelle Anpassung des Fliegerhelms war die Fachgruppe Flugausrüstung der Luftwaffenunterstützungsstaffel Diepholz. Die technische Umsetzung mit der Herstellung von den Umschaltboxen einschließlich der Anschlusskabel und Elektrifizierung der Fliegerhelme leistete schließlich das Systemzentrum 23.   

Flexible Kniebrett-Halterung mit Pfiff

Ebenfalls im Dreiklang der Waffensystemunterstützung ist die Kniebretthalterung für das Tablet mit den Anflugunterlagen (Approach Chart Device/ACD) entstanden. Hauptmann Frielinghaus präsentiert die „zunächst unscheinbare, in der Verwendung aber enorm praktische Arbeitshilfe für den Piloten. Hier kam es schlicht darauf an, das adäquate 3D-Formteil zur Aufnahme des Tablets an der Kniebretthalterung einzubetten“. Schwierigkeiten habe es nicht gegeben. Gesagt – getan, so sei man an die Arbeit gegangen. 

Das Tablet liegt auf dem Knie eines Piloten.

Das Tablet mit den Anflugunterlagen ruht in der Formschale, die ihrerseits abnehmbar am Kniebrett haftet. Unter der Stirnseite sitzt der keilförmige Einschub für Print-Unterlagen.

Bundeswehr/Simon Weber

Vom Helm aufs Headset reicht ein Klick

Auch die bechergroße Umschaltbox für das Notumschaltsystem der Kommunikation zwischen Helm- und Headset-Betrieb ist inzwischen realisiert. Sie erspart das jeweilige Umstecken der Anschlusskabel vom Helm bzw. Headset im Betrieb und wurde in der im Luftfahrzeug befindlichen vorhandenen zylindrischen Aussparungen (Getränkehalter von Pilot und Copilot) integriert. „Das präzise Maß und die vorhandene Aufnahme (Getränkehalter) für die Umschaltbox bildete schließlich die Grundlage für den ihren Entwurf. Dann konnte sie auch schon im 3D-Drucker geformt werden“, erläutert Hauptmann Frielinghaus. Mit dem Schalter bestückt und verkabelt hatte sie dann wieder die Spezialisten vom Systemzentrum 23.

Die Chassis werden von einem 3D-Drucker erstellt.

Die Chassis der Umschaltboxen entstehen im 3D-Drucker.

Bundeswehr/Simon Weber
Die Umschaltbox ruht in der Aussparung eines Getränkebechers.

Die Umschaltbox ruht in der Aussparung eines Getränkebechers. Mittig vorn und links geneigt: Der Kippschalter, umgeben von dem zugehenden und den beiden abgehenden COM-Anschlüssen.

Bundeswehr/Simon Weber

Maßarbeit mit Maxime

Die Richtschnur für Hauptmann Frielinghaus und die beteiligten Einheiten des WaSysUstgZ 2 ist ihr eigener Anspruch: „Ziel einer jeden Beschaffung sollte es sein, der Truppe durch Einbindung sowohl in der Analyse- als auch in der Entwicklungsphase, zeitnah das begehrte truppenverwendbare Produkt, zur Verfügung zu stellen.“

von Frank Paehr