Luftwaffe

Taktisches Schießen – Ein Gedenkjahr der Transall C-160

Taktisches Schießen – Ein Gedenkjahr der Transall C-160

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Datum:
Ort:
Kreta
Lesedauer:
2 MIN

Die Soldatinnen und Soldaten des Flugabwehrraketengeschwaders 1 aus Husum und der unterstellten Verbände sowie befreundete Nationen sind in Kreta angekommen. Die Insel ist jedes Jahr Austragungsort des Taktischen Schießens der Flugabwehrkräfte. Auf dieser Insel ist aber auch der erste tragische Unfall in der Geschichte der C-160 Transall passiert.

Eine sonderlackierte Transall fliegt am bewölkten Himmel.

Die Transall mit der „Last Call“-Sonderlackierung

Bundeswehr/Andre Schoofs

Am 9. Februar 1975 flog die Transall C-160D mit dem Kennzeichen 50+63 nach Chania, um 42 Soldaten zum Taktischen Schießen zu transportieren. Der zunächst planmäßige Flug, der im Lufttransportgeschwader 63 startete, endete in einer Tragödie. Die Unglücksmaschine geriet in einen heftigen Schneesturm im Südwesten von Kreta. Der erfahrene Pilot, Hauptmann Karl Heinz Schacht, sowie sein ebenso erfahrener Copilot, Oberst Elmar Schlottmann, versuchten die Maschine im dichten Schneetreiben unter Instrumentenflugbedingungen zu manövrieren. Im Endanflugkurs auf den Flughafen von Chania kollidierte die C-160D in einer Höhe von 1.700 Metern in der schneebedeckten Gebirgskette. Keiner der 42 Insassen sowie der Crew überlebten das Unglück.

Griechische und deutsche Suchtrupps, sowie Schiffe und Flugzeuge der USAUnited States of America beteiligten sich an der Suche der Trümmer sowie der zu bergenden Toten. Aufgrund der Lawinengefahr in der Bergregion, heftigen Sturmböen und Schneetreiben dauerte es eine Woche bis alle Toten geborgen und identifiziert werden konnten. So konnten die sterblichen Überreste dann in die Heimat zurückgebracht werden, um den Angehörigen die Möglichkeit zum Abschied nehmen geben zu können. 

Soldaten stehen in Formation vor einer Rakete und drei Flaggen.

Die Soldaten stehen vor dem Ehrenmal mit der Bergkette im Hintergrund, an der die Transall verunglückte

Bundeswehr/Monika Berr

Anders als die Jahrzehnte vorher wurden Teile der Soldatinnen und Soldaten zum diesjährigen Taktischen Schießen, zeitgleich zum „Last-Call“ der Transall mit deren Nachfolger A400M nach Chania verlegt. Traditionell wird jedes Jahr vor dem Taktischen Schießen auf der NAMFI-Range der verunglückten Maschine gedacht. Vor allem für die Soldatinnen und Soldaten, die erstmalig die Ehre haben, an dieser Übung teilzunehmen, ist dieses Antreten eine Pflicht. Hiermit soll ins Bewusstsein gerufen werden, wie brisant der Soldatenberuf ist. Selbst bei einem Standard-Flug zu einer Übung kann es aus unterschiedlichsten Gründen dazu kommen, dass Kameradinnen und Kameraden im Dienst der Bundesrepublik ihr Leben lassen müssen. 

Doch 46 Jahre nach dem Unglück scheint es ein besonderes Gedenken zu sein. Nicht nur den 42 Männern, die dort ihr Leben ließen, sondern auch, weil es nach der diesjährigen Außerdienststellung der Transall keine weiteren Flüge der C-160 mehr geben wird. Somit scheint das Kapitel Transall C-160 in der Bundeswehr beendet. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Geschichte des Transportflugzeugs mit allen Höhen, Tiefen, Erfolgen und Tragödien jemals in Vergessenheit gerät.  

Zwei Soldaten stehen als Ehrenposten neben einem auf den Boden gelegten Ehrenkranz.

Während der Gedenkzeremonie wird den 42 verunglückten Soldaten gedacht

Bundeswehr/Monika Berr
von Monika Berr