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Trotz Corona: Ossiloop – ma anners

Trotz Corona: Ossiloop – ma anners

  • Sport
  • Luftwaffe
Datum:
Ort:
Wittmund
Lesedauer:
3 MIN

Die Sportklamotten werden angezogen, die Laufschuhe geschnürt und die Startnummer angelegt. Am 28. April trifft Ralf F. zu Hause die letzten Vorbereitungen für eine knapp zwölf Kilometer lange Laufetappe. Eigentlich wie jedes Jahr, Ende April. Sie ist der Auftakt für eine sechs Etappen-Laufserie. In den nächsten drei Wochen wird jeden Dienstag und Freitag gelaufen. 

Laufsportler in kurzer dunkler Laufbekleidung vor Rhododendronbusch.

Ralf F., begeisterter Ossilooper seit 2011

Luftwaffe/ Wiemann

Auf sechs Etappen ins Ziel

Es heißt wieder Ossiloop. Das größte Laufereignis Ostfrieslands. Seit 1982 wird jährlich regelmäßig in sechs Etappen quer durch die Region gelaufen. Ursprünglich auf der Strecke der alten Kleinbahnstraße, die von Leer aus ans Meer bei Bensersiel führte. Anfangs mit nur 24 Dörlopern (Durchläufer). Nun, 38 Jahre später, beginnt die Laufserie erneut. Nur etwas anders. Eigentlich würde in diesem Jahr vom Meer aus nach Leer gelaufen werden. Jedoch wegen der Corona-Pandemie drohte der Ossiloop 2020 sogar auszufallen. Dies wollten weder die Organisatoren noch die Teilnehmerinnen und Teilnehmer einfach so hinnehmen. 

Kurzerhand entwickelte das Organisationsteam ein alternatives Konzept, inklusive einer App zur Dokumentation, um die diesjährige Laufserie durchführen zu können. Unter dem Motto: Ossiloop – ma anners, lief jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer seine eigene Strecke. Eine Massenveranstaltung auf Abstand, „gemeinsam aber nicht zusammen“. 

„Richthofen“ läuft natürlich mit

So begibt sich Ralf vor die Haustür zu seiner persönlichen Start- und Ziellinie. Seit 2011 nimmt er regelmäßig an der Laufserie teil. Auf seiner nunmehr 54. Etappe trägt der 47-Jährige ein ganz besonderes Laufshirt. Es ist schwarz mit einem großen roten „R“ auf der Brust und einem noch größeren auf dem Rücken. Er startet nämlich für das Taktische Luftwaffengeschwader 71 „Richthofen“ aus Wittmund. Ralf ist Angehöriger des Geschwaders. Neben ihm nehmen noch sieben weitere „Richthofener“ am Ossiloop teil, überwiegend mit dem „Richthofen-Shirt“ bekleidet. Ralfs Strecke führt entlang des Ems-Jade-Kanals. Eine typische Laufstrecke, die auch ein Teilstück des klassischen Ossiloops ist. 

Rückansicht eines Laufsportlers im Mannschaftsdress. Der Aufdruck zeigt den Wortlaut: „Richthofen läuft…“

Richthofen läuft… Das Motto des Team „Richthofen“ ist nicht zu übersehen.

Privat/Galina F.


Das Ziel hat er fest im Blick, Dörloper 2020, und natürlich auch das heiß begehrte Dörloper-Shirt, den Lohn für all die Bemühungen. „Mein großes Ziel beim Ossiloop ist, die hundertste Etappe zu laufen“, sagt Ralf. „Da gibt es nicht wenige, die das schon geschafft haben.“ Es ist gut, dass der diesjährige Lauf stattfinden kann. Außerdem hat die geänderte Form dem Ganzen einen neuen Teilnehmerrekord beschert. Aus aller Welt nehmen in diesem Jahr Freunde des Ossiloops teil. Zum Auftakt waren es über 3.500 Laufbegeisterte aus 17 Ländern.

Laufen ohne Rambazamba 

Laufsportler in kurzer dunkler Laufbekleidung beim Start in einem Wohngebiet.

Ralf F. beim Start zu seiner nächsten ganz persönlichen Etappe

Privat/ Galina F.

Dennoch fehlt etwas. Es sind keine Reisebusse, die die vielen Läuferinnen und Läufer zu den Etappen bringen sollen, zu sehen. Keine laut jubelnden Zuschauer an den Strecken. Keine Moderation beim Zieleinlauf, welche schon hunderte Meter vor dem Ziel von den Läuferinnen und Läufern zu vernehmen wäre. Eben das ganze Drum und Dran fehlt. „Mir fehlt schon die Stimmung im Ziel“, erklärt Ralf. „Da sind die Teefrauen, die im Ziel bei jeder Etappe kostenlos echten Ostfriesentee an die Läuferinnen und Läufer ausschenken. Die Vereine, die für kleines Geld eine Bratwurst verkaufen. Und auch die vielen Gespräche unter den Laufbegeisterten. Eben die ostfriesische Gemütlichkeit des Ossiloops.“

Mit jeder gelaufenen Etappe kommen die Athletinnen und Athleten ihrem Ziel näher. Am Freitag steht das Ossiloop-Finale an. In diesem Jahr ohne Rambazamba. Auch auf die Lauf-Shirts müssen die Dörloper in diesem Jahr noch eine Weile warten. Diese werden den Teilnehmerinnen und Teilnehmern nach Beendigung des Ossiloop – ma anners nach Hause geschickt. Ralf´s Meinung dazu ist: „Das hat aber auch einen Vorteil. Man muss für sein Shirt nicht Schlange stehen. Alles in allem eine tolle Leistung des Orga-Teams. Vielen Dank dafür.“ Nun hofft er nur, dass alle gesund bleiben und die Corona-Pandemie gut überstehen. Dann heißt es im nächsten Jahr hoffentlich wieder: „Es is Ossilooooop!“ Und „Richthofen“ wird wieder mit dabei sein.

Laufsportler in kurzer dunkler Laufbekleidung beim Zieleinlauf in einem Wohngebiet.

Zieleinlauf nach knapp zwölf Kilometern. Trotz fehlender Zuschauer ist die Stimmung gut

Luftwaffe/ Wiemann


von Martin  Wiemann