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VAPB – Militärpfarrerin im Einsatz

VAPB – Militärpfarrerin im Einsatz

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Datum:
Ort:
Ämari
Lesedauer:
3 MIN

An einem Novembertag steht Silke R. an einem mit Schilfgras bewachsenen Weiher auf der Ämari Airbase in Estland. Gerade bereitet sie sich für die Aufnahme eines Videobeitrags vor. Sie trägt die Uniform der deutschen Streitkräfte, dennoch sind an dieser Uniform einige Details anders. Die Schulterschlaufen zeigen keinen herkömmlichen Dienstgrad. Auf ihnen ist das Symbol der Evangelischen Militärseelsorge zu erkennen.

Militärpfarrerin Silke R. am improvisierten Altar in malerischer Umgebung.

Militärpfarrerin Silke R. am improvisierten Altar in malerischer Umgebung

Bundeswehr/Daniel Redell

Silke R. ist Militärpfarrerin und für die Bundeswehr im Einsatz unterwegs. Sie besucht das deutsche Kontingent der Einsatzmission VAPB „Gerade die seelsorgliche Betreuung von Soldatinnen und Soldaten, die fernab ihrer Heimat ihren Dienst in den Einsätzen verrichten, ist von großer Bedeutung“, so die Pfarrerin.

Das deutsche Hoheitsabzeichen mit Schulterklappe der evangelischen Militärfürsorge.

Domini Sumus - Wir sind des Herrn. Anstelle eines Dienstgrades trägt die Militärpfarrerin im Einsatz Schulterklappen mit dem Logo der Evangelischen Militärseelsorge auf ihrer Uniform.

Mittlerweile hat sich Silke R. ihre Stola umgehängt. Sie steht an einem großen Findling der kurzerhand zu einem „Altar“ umfunktioniert wurde. Ein aus Ästen zusammengebundenes Kreuz und eine mit Tannengrün umlegte Kerze runden das Bild ab. „Wie beim Feldgottesdienst“, schwärmt die Pfarrerin. Jetzt heißt es Aufnahme. Die Pfarrerin hält eine „Mini- Andacht“ für die weihnachtliche Aktion der Evangelischen Seelsorge in der Bundeswehr. Unter dem Motto „Weihnachten findet statt“ stellt die Militärseelsorge in der Adventszeit einen Online- Adventskalender mit verschiedenen Beiträgen rund um die Adventszeit und das Weihnachtsfest zur Verfügung. Dort wird auch Silkes Beitrag zu sehen sein.

Für gewöhnlich betreut die Theologin die Standorte Bonn, Rheinbach, Euskirchen und Mechernich als Militärpfarrerin. Seit knapp drei Jahren begleitet sie schon Soldatinnen und Soldaten in guten und auch schweren Zeiten. Zuvor war die 1993 ordinierte Pfarrerin im Gemeindedienst und als Fachlehrerin für Religions- und Ethikunterricht an verschiedenen Berufsschulen in Nordrhein-Westfalen tätig. „Ich bin immer auf der Suche nach Neuem und neuen Herausforderungen. So kam ich auch zur Bundeswehr. Viele meiner Kollegen wissen gar nicht, wie erfüllend diese Aufgabe als Militärgeistliche ist“, so Silke R.

Die Pfarrerin hält eine Andacht, die von einem Soldaten mit einer Kamera aufgenommen wird.

Dreharbeiten für eine Online-Mini-Andacht der Evangelischen Militärseelsorge zum 4. Advent. Einsatz heißt auch improvisieren können. So wird ein Findling zu einem Altar, aus Ästen wird ein Kreuz und aus Schilfgras entsteht eine stilisierte Engelsfigur.

Bundeswehr/Martin Wiemann

Ihr Einsatz bei VAPB in Estland ist ihr erster Mal im Ausland. „Dass ich diesen gleich mit einer isolierten Unterbringung beginnen würde, hatte ich mir so auch nicht vorgestellt“, erzählt sie schmunzelnd. Ungewöhnliche Zeiten bedürfen ungewöhnlicher Maßnahmen. Sie hätte ein paar Tage gebraucht, um in Estland anzukommen, berichtet sie. „Eigentlich wollte ich die Zeit in der isolierten Unterbringung nutzen, um den Text für die Videoandacht zu schreiben. Aber dort fehlte mir das Gefühl für die Situation“, so die Pfarrerin.

Gerade im Einsatz hat sie immer ein offenes Ohr für die Truppe. Silke R. geht bewusst durch alle Bereiche des Kontingents und hält sich gern im Betreuungsbereich auf. „Da kommt man ruckzuck mit den Leuten ins Gespräch.“ Aber nicht nur der Dialog, der durchaus mal in einer lebenskundlichen Diskussion enden kann, gehört zu ihrer Arbeit. „Zuhören und Beistand leisten, gerade im Einsatz und unter den aktuellen Bedingungen, liegt mir besonders am Herzen. Vielfach ist es einfacher, jemand Außenstehendem von Sorgen und Ängsten zu erzählen als dem Kameraden oder der Kameradin. Wegen des Beichtgeheimnisses bin ich zur Verschwiegenheit verpflichtet. Das schätzen die Soldatinnen und Soldaten sehr.“

Silke R. lässt es sich natürlich auch nicht nehmen einen Einsatzgottesdienst zu halten. Dafür wurde der Betreuungsbereich des Kontingents eben mal schnell umgeräumt. Auf dem improvisierten Altar finden sich das Holzkreuz und der Kranz aus Tannengrün von der Videoandacht wieder. Schatten und Licht lautet das Thema ihrer Andacht. „Im Winter ist es in Estland sehr dunkel. So möchte ich mit meiner Andacht dieser Dunkelheit begegnen und den Soldatinnen und Soldaten das Licht der Hoffnung und Vorfreude auf das Weihnachtsfest bringen“, so die Theologin. 

Silke R. hält einen Gottesdienst in einem Container.

Silke R. ist in ihrem Element. Während des Einsatzgottesdienstes haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer VAPB Gelegenheit zur Einkehr und zum Innehalten.

Bundeswehr/Daniel Redell

Leider muss Silke R. die Kameradinnen und Kameraden des VAPB 2020/2021 noch vor dem ersten Advent verlassen. „Das finde ich sehr schade. Aber ich bin bereits für einen Auslandseinsatz über das Weihnachtsfest 2021 geplant. Dann bin ich über den gesamten Zeitraum mit „meiner“ Truppe im Einsatz. Darauf freue ich mich schon heute“, so die Pfarrerin. Dennoch ist ihr Besuch bei VAPB eine Bereicherung für alle Kontingentangehörigen. Sie trägt mit ihrem Engagement dazu bei, dass alle Kontingentangehörigen die Einsatzmission erfolgreich absolvieren.

von Martin Wiemann