Logistikschule bringt Bäcker zurück an Bord
Der Smut: Koch und Bäcker in Personalunion. An der Logistikschule gibt es das nötige Handwerkzeug dazu.
Gut ausgebildete Proviantmeisterinnen und Proviantmeister der Marine zeichnen verantwortlich für Verpflegung und Logistik an Bord. Über die reine Kochkunst hinaus koordinieren die Smuts alle Abläufe dazu unter Deck – auch bei schwierigen Bedingungen auf See. Gleichzeitig leisten sie einen wesentlichen Beitrag zur Einsatzbereitschaft.
Smut tut gut – an Kochtopf und Backofen für Leib, Seele und Kampfkraft: Die Proviantmeisterinnen und Proviantmeister der Marine lernen alles vom Eintopf über Gourmet-Spezialitäten bis zur Lebensmittelbestellung.
Bundeswehr/TheskaBei Sturm oder Seegang verbreitet unter Deck oft ein Teller heißer Suppe gute Stimmung und entscheidet so über Moral und Zusammenhalt der Crew. Während Wind, Kälte und Wellen die Besatzung fordern, läuft tief im Inneren des Schiffes deshalb ein Bereich auf Hochtouren, der selten im Mittelpunkt steht — und doch unverzichtbar ist: die Kombüse.
Wer mehrere Wochen auf See verbringt, merkt schnell: Essen ist weit mehr als reine Nahrungsaufnahme oder Grundversorgung. Der Anspruch der Marine ist hoch: Jede Mahlzeit soll ein Highlight sein, auf das sich die Besatzung freut. Die abwechslungsreichen Gerichte geben der Crew nicht nur den nötigen Motivationsschub. Besonders nach langen Seewachen und selbst Tausende Kilometer von Zuhause entfernt vermitteln sie Struktur, Verlässlichkeit und ein Gefühl von Normalität.
Gerade in belastenden Einsatzphasen spielt die Arbeit der Köchinnen und Köche, sowie die der Proviantmeisterinnen und Proviantmeister, eine zentrale Rolle für die Stimmung an Bord. Gute Verpflegung bedeutet Motivation und Vertrautheit. Sie bedeutet Kameradschaft und Einsatzwillen. Und manchmal auch einfach einen kurzen Moment des Durchatmens.
Die Besatzung merkt sofort, wenn die Kombüse funktioniert. Und sie merkt genauso schnell, wenn sie es nicht tut. Der oft zitierte Spruch „Ohne Mampf kein Kampf“ ist nirgends so präsent wie auf einer kräftezehrenden Seefahrt.
Der Geruch von frischem Brot zieht durch enge Gänge aus Stahl. Töpfe klirren, Messer rattern in schnellem Takt. Irgendwo schlägt eine Welle gegen den Schiffsrumpf. In der Kombüse arbeiten die Proviantmeisterinnen und Proviantmeister der Deutschen Marine mit ihrem Team, bestehend aus Unteroffizieren und Mannschaftssoldatinnen und -soldaten. Viele kennen die Köchinnen und Köche auf Schiffen nur als Smut oder Smutje. Ihre Aufgaben sind vielseitig. Täglich werden bis zu fünf Gerichte zubereitet. Sie sorgen dafür, dass Besatzungen auf oft wochenlangen Seefahrten leistungsfähig bleiben. Sie schaffen ein Stück Zuhause mitten auf See. Und manchmal sind sie genau die Menschen, die nach langen Wachen, schwerer See oder belastenden Einsätzen mit einer warmen Mahlzeit wieder Kraft und Antrieb geben.
Der Tag in der Kombüse beginnt lange, bevor die ersten Soldatinnen und Soldaten zum Frühstück erscheinen. Während große Teile der Crew noch schlafen, holt das Team dort bereits frisches Brot, warme Brötchen und duftende Croissants aus dem Ofen und bereitet die morgendliche Mahlzeit vor.
An Bord eines Marineschiffes wird nahezu rund um die Uhr gekocht. Frühstück, Mittagessen, Abendessen — dazu Verpflegung für „Mittelwächter“ und „Seemannssonntag“. Unter „Mittelwächter“ versteht man einen kleinen warmen Snack, zum Beispiel überbackenes Baguette, eine Suppe oder ein Nudelauflauf, der als Stärkung für die aufziehende Seewache vor Mitternacht gereicht wird. Zum „Seemannssonntag“ am Donnerstagnachmittag gehören traditionell Kaffee und Kuchen. Ganz klar, die Arbeitstage in der engen Kombüse sind lang, oft zwölf bis vierzehn Stunden. Pausen sind selten planbar. Besonders bei schwerem Seegang wird jede Bewegung zur Herausforderung. Kochutensilien klappern, das Schnitzel rutscht von selbst in der Pfanne hin und her und nicht selten schwappt die Suppe aus dem Topf.
Denn eine Schiffsküche funktioniert anders als jede Küche an Land. Kochtöpfe, Geräte und Arbeitsflächen müssen gesichert sein. Selbst das einfache Schneiden von Gemüse kann bei starkem Rollen des Schiffes zur Herausforderung werden. Trotzdem muss jeder Handgriff sitzen — schnell, sauber und präzise.
Sehr anspruchsvoll wird die Arbeit unter hoher Belastung oder in besonderen Einsatzlagen. Dann müssen Essensportionen innerhalb kürzester Zeit ausgegeben werden. Beim sogenannten „Action-Messings“ während des Gefechtsdienstes versorgen die Köchinnen und Köche große Teile der Besatzung schnell und effizient — oft unter Zeitdruck und erschwerten Bedingungen. Sprachlich sind Deutsch und Englisch hier nah beieinander. „Messe“ bezeichnet Orte, an denen gegessen wird. „Action“ verweist auf Kampfszenarien.
Auch dabei gilt: Das Essen darf nicht ausfallen und muss die Motivation hochhalten. Denn wer über Stunden konzentriert arbeiten, Wache gehen oder technische Systeme bedienen muss, braucht Energie. Das Kombüsenteam leistet so einen direkten Beitrag zur Einsatzbereitschaft eines Schiffes. Es besteht aus Unteroffizierinnen und Unteroffizieren. Sie kochen, während die Proviantmeisterinnen und der Proviantmeister, die selbst auch ausgebildete Koch sind, Bestellungen oder Logistik – eben die Versorgung mit Proviant – koordinieren.
Proviantmeisterinnen und Proviantmeister kalkulieren und koordinieren, um Engpässe zu vermeiden. Die Vorbereitung von Spitzenessen begleiten sie persönlich.
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Die Qualität der Speisen entscheidet darüber, ob nach dem Verpflegungssignal „Backen und Banken“ Lust oder Frust am Essen aufkommt
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Mini-Burger oder Delikatessen auf Fünf-Sterne-Niveau – für die Smuts ist beides kein Problem
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Kampfkraft auf eine einfache Formel gebracht: Kochkunst multipliziert mit Essen in Gemeinschaft gleich gute Laune plus Energieschub
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Nach dem Essen ist vor dem Essen: Wenn alles getan ist, wartet schon der nächste Menügang, den die Smuts vorbereiten müssen
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Für alle Leckermäuler ist der Nachtisch der krönende Abschluss des Essens
Die Aufgaben der Proviantmeisterinnen und Proviantmeister mit ihren Smuts enden nicht bei der Rund-um-die-Uhr-Versorgung der Crew und dem Einlaufen im nächsten Auslandshafen. Im Ausland ist ein deutsches Schiff immer auch ein diplomatischer Vertreter der Bundesrepublik. Regelmäßig gibt es offizielle repräsentative Empfänge und Spitzenessen zu besonderen Anlässen. Die Kombüse übernimmt dabei weitere Aufgaben, die Sternekochqualitäten verlangen.
Für die sogenannten „Spitzenessen“ für hochrangige militärische und politische Vertreter, internationale Gäste oder Delegationen wird die Kombüse zur fein abgestimmten Bordgastronomie.
Die Proviantmeisterinnen und Proviantmeister planen solche Veranstaltungen bis ins kleinste Detail. Menüfolge, passende Weine, Timing, Präsentation, Abläufe und Service müssen perfekt ineinandergreifen. Dabei spielen nicht nur Geschmack und handwerkliches Können eine Rolle, sondern auch Stil, Etikette und die Wahrung militärischer Formen.
Jeder Teller, jeder Ablauf und jedes Detail repräsentiert dabei nicht nur die Besatzung, sondern auch die Deutsche Marine selbst. Gerade bei internationalen Gästen wird deutlich, wie vielseitig die Arbeit der Kombüsenteams ist: Sie verbinden Handwerk, Organisationstalent, Belastbarkeit und Gastgeberqualitäten auf engstem Raum — oft unter Bedingungen, die mit einer Küche an Land kaum vergleichbar sind.
Ihre Ausbildung erhalten die Gourmet-Spezialisten der Marine – wie alle Köchinnen und Köche der Bundeswehr – an der IV. Logistikschule der Bundeswehr in Plön, der modernsten und einzigen Ausbildungseinrichtung für angehende Proviantmeisterinnen und Proviantmeister. In den Hörsälen werden sie am PC für die Leitung einer Bordkombüse geschult. Dies umfasst Arbeitsschutz, Lebensmittelhygiene, Organisation und Planung von Betriebsabläufen sowie das Führen des Fachpersonals. Parallel dazu steht in den Lehrküchen weit mehr als das Erlernen klassischer Kochtechniken auf dem Stundenplan. Neben der Küchenarbeit sind auch immer die Lehrbäckerei und -fleischerei ein wesentlicher Bestandteil der praxisorientierten Ausbildung.
Die Ausbildung verlangt Disziplin, Belastbarkeit und Teamgeist. Denn auf einem Marineschiff arbeitet niemand allein. Gerade in der Kombüse müssen Abläufe perfekt ineinandergreifen.
Sechs Monate dauert die militärische Ausbildung zum Bootsmann an der Marine-Unteroffizierschule (MUS) in Plön. Es folgen neun Wochen fachliches Grundlagentraining Verpflegung in Garlstedt. Bootsleute und Feldwebel haben dort teilstreitkräfteübergreifend Unterricht in Verpflegungswirtschaft, Lebensmittelhygiene und allgemeiner Logistik. Das Fachtraining Verpflegungsbootsmann erhalten an der IV. Logistikschule der Bundeswehr in der Liegenschaft nur Marinesoldatinnen und -soldaten. Deshalb ist dort alles für die künftigen Proviantmeisterinnen und Proviantmeister ausgelegt: Verpflegungswirtschaft mit Planung, Beschaffung von Lebensmitteln im In- und Ausland mit Buchführung, Zoll- und Verbrauchssteuer, Leiten einer Bordküche und Durchführung repräsentativer Veranstaltungen.
Der Weg zum Verpflegungsbootsmann (Proviantmeister) im Überblick
Bundeswehr/BrandenburgWenn das Gespräch auf die Marine kommt, denken viele zuerst an Schiffe, Hubschrauber oder Einsätze auf hoher See. Nur selten stehen die im Mittelpunkt, die täglich dafür sorgen, dass eine Crew überhaupt leistungsfähig bleibt. Die Proviantmeisterinnen und Proviantmeister mit ihren Kombüsenteams gehören genau zu jenen Menschen. Sie arbeiten meist fernab der Öffentlichkeit. Oft unter enormem Zeitdruck und Bedingungen, die an Land kaum vorstellbar sind. Doch ihre Arbeit ist ein wesentlicher Teil des Bordalltags — jeden einzelnen Tag.
Denn Einsatzbereitschaft beginnt nicht erst auf der Brücke oder im Maschinenraum. Sie beginnt manchmal mit einem heißen Kaffee nach Mitternacht. Mit frischem Brot nach Tagen auf dem Meer. Oder mit einer wärmenden Mahlzeit, wenn es draußen stürmt und die Kälte gefühlt in die Knochen kriecht. An Bord wie an Land hält Essen dann Leib und Seele zusammen.
Ein guter Smut oder Proviantmeisterin und Proviantmeister ist deshalb nicht nur der, der sein Handwerk beherrscht, sondern vor allem der, der „zaubert“, wie es die Soldatinnen und Soldaten der Marine nennen. Und zwar ihre Teller voll mit leckerem Essen und eine Atmosphäre, die man gemeinsam genießt und die Kraft gibt, weiterzumachen. Ebenso exquisite kulinarische Kostbarkeiten, von denen ausländische Gäste im Nachhinein noch lange schwärmen.
von René Bischoff E-Mail schreiben