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Einsatzbericht der „Brandenburg“, Teil 3: Im Einsatz

Einsatzbericht der „Brandenburg“, Teil 3: Im Einsatz

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Ort:
in See
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2 MIN

Was bedeutet die „Aktivität“ in See zwischen Griechenland und der Türkei in der Praxis? Auf Patrouille mit dem „Roten Adler“

Zwei Soldaten in sandfarbener Marineuniform schauen auf eine Seekarte.

Die Patrouillenbereiche der „Brandenburg“ sind durch die NATO-Rahmenbedingungen genau festgelegt. Für die Navigateure der Fregatte bedeutet das präzise Kursplanung.

Bundeswehr/Florian Westphal

„Brücke von OPZ; Flash! Peilung 215, Abstand 2,7 südwestlich der Schweinenase, kleines Schlauchboot, circa 20 Personen an Bord, auf westlichem Kurs mit 3 Knoten Fahrt!“ Nach dieser Meldung der Operationszentrale über die Wechselsprechanlage ist die Brückenwache der Fregatte „Brandenburg“ kurz nach 23 Uhr voll fokussiert. Es ist Herbst in der Ägäis.

Das Brückenteam arbeitet die Checkliste für einen sogenannten Incident ab, den Umgang mit einem vermuteten Migrantenboot: Es startet Aufzeichnungen in Bild und Ton, sucht den Kontakt zu den Küstenwachen der beiden Anrainerstaaten Griechenland und Türkei sowie der EU-Grenzschutzbehörde FrontexEuropäische Agentur für die Grenz- und Küstenwache. Die beiden eingeschifften Verbindungsoffiziere der griechischen und türkischen Marine sowie der Wachhabende des an Bord befindlichen Stabes werden informiert. Das Schiff stationiert näher zum Kontakt, die Betreuungskommunikation wird abgeschaltet, die Männer und Frauen auf der Brücke und in der OPZ beginnen, ihre SITREPs, Situationsberichte, zu schreiben. Das deutsche Kriegsschiff unter NATO-Flagge beobachtet, meldet – und bleibt unparteiisch.

Einige Zeit wird es dauern, ehe ein türkisches Küstenwachboot schließlich Migranten aus dem Schlauchboot aufnimmt, das die „Brandenburg“ entdeckt hatte, und sie in den Hafen Çeşme an der kleinasiatischen Festlandsküste bringt. Danach setzt der „Rote Adler“, wie die Besatzung ihr Schiff liebevoll nennt, seine Patrouillentätigkeit fort.

Wache gehen vor einer Huftiernase

Rückblende: Nach elf Tagen Transit vom Heimathafen ins Einsatzgebiet, die teils sehr stürmisch verliefen und für viele blasse Gesichter gesorgt hatten, kam die Fregatte am 5. September in Kreta an und übernahm die Aufgabe des Führungsschiffs für den Commander Task Unit 1100.02.01 der SNMGStanding NATO Maritime Group 2. Abgelöst trat die Crew des Einsatzgruppenversorgers „Berlin“ mit ihrem Schiff sichtlich erleichtert die Rückreise an.

Das Einsatzgebiet der NATO-Aktivität umfasst insgesamt vier genau festgelegte Patrouillenbereiche in der östlichen Ägäis, wobei sich die „Brandenburg“ fast ausnahmslos im Gebiet rund um die Insel Chíos und die türkische Stadt Çeşme aufhielt. Zentraler Punkt in diesem Gebiet ist die vorgelagerte Çeşme-Halbinsel auf türkischer Seite. Ihre Form erinnert sehr stark an den Kopf eines speziellen Huftiers, und nach dessen Nase ist sie seit Beginn der Mission in der Ägäis auch liebevoll benannt. Der „Rüssel“ markiert die engste Stelle im Gebiet, wo die Distanz vom Festland zu den Inseln nur wenige Meilen beträgt.

Der normale Zwei-Wochen-Zyklus im Einsatzgebiet betrug für die „Brandenburg“ elf Tage in See, gefolgt von drei vollen Tagen im Hafen. Montags lief das Schiff aus und verlegte ins Patrouillengebiet, wo es in der Nacht zum Dienstag ankam. Die Patrouillentätigkeit schloss das Wochenende ein. In der Folgewoche begann in der Nacht vom Mittwoch auf Donnerstag der Rücktransit nach Souda, wo das Schiff donnerstags festmachte.

von Jan Hackstein  E-Mail schreiben

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