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Einsatzbericht der „Brandenburg“, Teil 7: Unter Pandemiebedingungen

Einsatzbericht der „Brandenburg“, Teil 7: Unter Pandemiebedingungen

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Ort:
in See
Lesedauer:
2 MIN

Zur See fahren, während der Rest der Welt sich zuhause einschließt. Erschwerte Maßnahmen treffen jeden an Bord.

Zwei Marinesoldaten in beigefarbenen T-Shirts auf der Brücke eines Schiffs; beide tragen weiße Mund-Nase-Masken.

Trotz Kohortenisolation hat die Crew ihre Mund-Nase-Masken immer griffbereit. Für den Fall etwa, dass Gäste an Bord kommen mussten wie zum Beispiel Lotsen oder Verbindungsoffiziere.

Bundeswehr/Florian Westphal

Über der gesamten Einsatzfahrt der „Brandenburg“ schwebte die COVID-19Coronavirus Disease 2019-Pandemie wie ein Damoklesschwert. Der nicht sichtbare Feind zwang die Besatzung zur Disziplin und forderte Entbehrungen ab. Das Fehlen gewohnter Rituale wie das morgendliche Händeschütteln zur Begrüßung oder die Pflicht zum Tragen von Schutzmasken, wenn der Lotse beim An- und Ablegen an Bord war, waren noch vergleichsweise einfach. Der Verzicht auf Landgang dagegen fiel schwer. Er war jedoch unabdingbar, um die Gesundheit der Besatzung und damit die Einsatzfähigkeit des Schiffes aufrechtzuerhalten.

Die Verhaltensänderungen, die in Deutschland zum Teil ja schon seit März 2020 praktiziert wurden, hatten aber neben der Eindämmung der Pandemie einen weiteren positiven Effekt: Sie führten dazu, dass das Infektionsgeschehen sonst an Bord sehr viel geringer war. Die sonst üblichen „Erkältungswellen“ im Schiff, die dank Lüftungsanlage weite Verbreitung finden, fielen in den zurückliegenden Monaten aus.

Eine Marinesoldatin und ein Marinesoldat in blauer Arbeitsuniform stehen sich gegenüber.

Sicher ist sicher: Noch einen Tag vor dem Auslaufen hat die gesamte Besatzung der „Brandenburg“ einen PCRPolymerase-Ketten-Reaktion-Test auf COVID-19Coronavirus Disease 2019 gemacht.

Bundeswehr/Florian Westphal

Die Vorstellung, nicht von Bord gehen zu können, hatte vor Beginn des Einsatzes und auch anfangs die Leute schwer belastet. Begriffe wie „schwimmender Knast“ oder Vergleiche mit den Hilfskreuzern der Weltkriege machten die Runde. Letztlich stellte die Besatzung mit der Dauer fest, dass es zwar schade und wenig abwechslungsreich ist, nicht von Bord zu können, jedoch weniger belastend, als zunächst angenommen. Schöner wäre es mit Landgang jedoch allemal gewesen.

Selbst für erfahrene Seeleute ein hartes Stück Umgewöhnung

Gegen Ende des Einsatzes wurde vielen vor dem Hintergrund der in der Heimat geltenden scharfen Restriktionen klar, auf welcher „Insel der Glückseligkeit“ man sich eigentlich an Bord befand. Viele konnten es sich nicht vorstellen, mit Einlaufen im Heimathafen wieder in einer anderen Welt anzukommen, eine Heimat, die weit weniger unbeschwert ist, als es das Leben auf dem Schiff im Einsatz war.

Mit der Zeit wurde die „Haut dünn“ bei den Besatzungsmitgliedern. Die Tatsache, dass es an Bord unmöglich ist, sich aus dem Weg zu gehen, das immer gleiche Umfeld, eine limitierte Anzahl an Eindrücken, all das belastete die Besatzung mehr oder weniger, letztlich konnte sich niemand völlig frei von dieser Entwicklung machen. Auch wenn die Recreation-Maßnahme half, die persönlichen Akkus wieder etwas aufzuladen, ist am Ende des Einsatzes die Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit deutlich gesunken.

Zwei graue Schiffe liegen hintereiander in einem Hafen; im Vordergrund ein messingfarbener Schriftzug: „Brandenburg".

Übergaben in den Einsätzregionen gehören zum Marinealltag. Ihr „Handover-Takeover“ wickeln die beiden beteiligten Schiffe binnen weniger Tage ab.

Bundeswehr/Florian Westphal

Es war ein beruhigend, beim letzten Einlaufen in Souda die Ablösung, den Tender „Werra“, im Hafen liegen zu sehen. Es ist wohl selten, dass sich Fregattenfahrer so über den Anblick eines Boots-Tenders gefreut haben. Eine Verzögerung beim Ablösen hätte einen starken Dämpfer für die Besatzung bedeutet. Knapp sechs Monate ununterbrochen an Bord sind dann auch genug – selbst für überzeugte Seefahrer.

von Jan Hackstein  E-Mail schreiben

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