NATONorth Atlantic Treaty Organization erprobt unbemannte maritime Systeme
Bei den Übungen REMPUS und Dynamic Messenger vor Portugals Küste testet das Bündnis neue Technologien und Taktiken.
Die Marine setzt angesichts hybrider Bedrohungen auf See künftig auf unbemannte Unterwasserfahrzeuge des Typs Blue Whale. Erfahrungen mit dem System gibt es zwar bisher nur in Israel. Doch die Tests in Deutschland verliefen so überzeugend, dass die Entscheidung zur Beschaffung einiger Exemplare schnell fiel. Das erste wird nun an die Marine übergeben.
Der Blauwal ist der größte seiner Art. Das gilt auch für das neue unbemannte Unterwasserfahrzeug der Marine Blue Whale. Das hochmoderne unbemannte System soll zur verdeckten U-Boot-Jagd und zur Aufklärung von Überwassereinheiten eingesetzt werden.
Bundeswehr/Marcel KrönckeAm 25. Februar 2026 wird der Deutschen Marine in Eckernförde offiziell das neuartige System „Large Unmanned Underwater Vehicle Blue Whale“ übergeben. An der Zeremonie werden der Staatssekretär im Bundesministerium der Verteidigung, Jens Plötner, sowie die Chief Executive Officer von TKMSThyssenKrupp Marine Systems ATLAS ELEKTRONIK, Michael Ozegowski, und Israel Aerospace Industries ELTA Ltd., Boaz Levy, teilnehmen.
Blue Whale ist das bislang größte und modernste unbemannte Unterwasserfahrzeug der Marine. Das für weiträumige Aufklärung ausgelegte Seefahrzeug hat eine Länge von 10,9 Metern, einen Durchmesser von 1,12 Metern und wiegt 5,5 Tonnen. Wie schon in der Luft müssen unbemannte Systeme auch selbstverständlicher Teil maritimer Operationen werden, um den Herausforderungen hybrider Kriegführung wirksam zu begegnen. Die beschafften Systeme sollen deshalb künftig die Unterwasseraufklärung ergänzen.
Das unbemannte Seefahrzeug Blue Whale ist das Ergebnis einer Kooperation des deutschen Herstellers TKMSThyssenKrupp Marine Systems ATLAS Elektronik und des israelischen Unternehmens IAI ELTA Ltd. Bereits im November 2024 erprobte es die Marine bei der Ortung und Verfolgung von Unterwasserzielen in der Ostsee. Auch die Eignung zur verdeckten Überwasseraufklärung war Teil des intensiven Tests. Die Ergebnisse waren derart überzeugend, dass eine beschleunigte Beschaffung des Systems vorangetrieben und 2026 ein erstes Exemplar an die deutschen Seestreitkräfte übergeben wird.
„Mit der Übernahme des ersten Blue Whale setzen wir den Kurs Marine in Sachen Einführung unbemannter Systeme unter Wasser konsequent um. Wir haben auf Bewährtes am Markt gesetzt, Entscheidungswege radikal verkürzt und die Truppe von Anfang an in die Einforderung eingebunden. Und das in wenigen Monaten statt Jahren“, betont der Inspekteur der Marine, Vizeadmiral Jan Christian Kaack. Das sei „Lichtgeschwindigkeit in der Beschaffung“. Sein Fazit:
Der Aufbau einer hybriden Flotte startet genau jetzt.
Dies ist nicht nur als Hinweis auf die Lieferung weiterer unbemannter Seefahrzeuge des Typs Blue Whale zu werten. Die Begrifflichkeit „hybride Flotte“ unterstreicht auch deren Bedeutung für die Verteidigungsfähigkeit Deutschlands im Gesamtkontext.
Denn der zunehmende Einsatz autonomer Systeme hat die moderne Kriegführung nachhaltig verändert. Sie ist eine Kombination aus konventionellen und innovativen Technologien wie Künstlicher Intelligenz, also hybrid. Auf diese Herausforderung muss auch die Marine Antworten finden und ihre Flotte aus Booten, Schiffen, Helikoptern und Flugzeugen sowie die maritime Infrastruktur technisch auf Augenhöhe ausstatten und schützen.
Der Inspekteur der Marine, Vizeadmiral Jan Christian Kaack, ist überzeugt: Mit Blue Whale ist der entscheidende Schritt hin zur hybriden Flotte getan.
Blue Whale ist ein Fortschritt in der hybriden Kriegsführung auf See. Das System kann näher an unmittelbaren Gefahren eingesetzt werden als ein bemanntes. Zudem verfügt es über modernste sonar- und satellitengestützte Sensorik für Informationsgewinnung über und unter Wasser, aus der sich ein weiträumiges Lagebild ergibt. Das erhöht im Ernstfall die Zielgenauigkeit verdeckter U-Boot-Jagd und Aufklärung über Wasser, schützt das Leben von Besatzungen und senkt Kosten. Zudem ist eine Überwachung kritischer Infrastruktur unter Wasser möglich.
Die Marine erhält mit Blue Whale ein hochleistungsfähiges, vielseitig und flexibel einsatzbares System, das es mit Ausnahme von Israel in anderen Partnerstaaten noch nicht gibt. Seine Beschaffung und Erprobung bringt nicht nur den dringend erforderlichen Fähigkeitsaufbau in einem sich rasant wandelnden maritimen Bedrohungsumfeld, sondern eröffnet auch Perspektiven in der weiteren Zusammenarbeit mit Verbündeten. Das Signal ist klar: Die Marine ist entschlossen, aktuelle und zukünftige Bedrohungen aktiv anzugehen.
von Christina Moritz E-Mail schreiben