IRIS-T überzeugt auf hoher See
Der erste Einsatz des Waffensystems auf einer Fregatte während des Gefechtsschießens vor der Insel Andøya in Norwegen verlief erfolgreich.
Die beiden Großübungen REPMUS und DYMS sind nur wenigen bekannt, aber wichtiger denn je. Denn sie bilden das weltweit größte maritime Test- und Experimentierfeld für unbemannte Systeme, vereinfacht als Drohnen bezeichnet. Auch die Deutsche Marine hat teilgenommen. Was geschieht bei diesen Übungen?
Immer neuere Drohnen werden entwickelt. Bei der Übung REPMUS werden einige von ihnen vorgestellt und erprobt.
Bundeswehr/Sandro HaaseNeue Bedrohungen wie die Sabotage kritischer Unterwasserinfrastruktur, asymmetrische Angriffe auf Häfen oder der zunehmende Einsatz unbemannter Systeme stellen die NATO und ihre Mitglieder vor komplexe neue Herausforderungen. Für diese wappnen sich die NATO-Nationen unter anderem mit zwei etablierten Großübungen, die sich gegenseitig ergänzen: REPMUS (Robotic Experimentation and Prototyping using Maritime Uncrewed Systems) und DYMS (Dynamic Messenger).
Beide finden jährlich vor der portugiesischen Küste bei Tróia und Sesimbra statt und bilden inzwischen das größte maritime Test- und Experimentierfeld für unbemannte Systeme weltweit. Während REPMUS vor allem auf technologische Erprobung und Prototyping setzt, wird bei Dynamic Messenger der konkrete militärische Einsatz solcher Systeme geprobt. Zusammen bilden sie einen einzigartigen Experimentierzyklus, der Innovation mit realer Operationsführung verbindet. Im September 2025 hat auch die Deutsche Marine an beiden Übungen teilgenommen.
REPMUS zeichnet vor allem technologische Vielfalt aus: Hier testen Streitkräfte, Industrie und akademische Partner neue Prototypen unbemannter Systeme zu Land, zu Wasser und in der Luft. Seestreitkräfte von mehr als 25 Staaten, NATO-Einrichtungen und zahlreiche Forschungsinstitute mit insgesamt 2.500 Teilnehmenden und 250 verschiedenen Systemen beteiligen sich regelmäßig. Dabei wird nicht nur die Leistungsfähigkeit einzelner Systeme untersucht, sondern auch deren Interoperabilität in komplexen Szenarien – von der Minenabwehr über Anti-U-Boot-Einsätze bis hin zum Schutz maritimer Infrastruktur. Die Übung ist quasi ein „Labor“ im Maßstab eins zu eins, in dem innovative Technologien erprobt und neue Grenzen ausgelotet werden.
Dynamic Messenger knüpft an REPMUS an und geht noch einen Schritt weiter: Hier wird erprobt, wie unbemannte Systeme tatsächlich in maritime Operationen integriert werden können. Deshalb ist auch die Standing NATO Maritime Group 1, einer der beiden Marineeinsatzverbände der Allianz, an Dynamic Messenger beteiligt. Die Übung schafft einen flexiblen Rahmen, in dem neue Konzepte dynamisch getestet, angepasst und sofort bewertet werden. Dieses Operational Experimentation genannte Verfahren hat viele Vorteile.
Das Verfahren ermöglicht erstens eine schnelle Validierung neuer Technologien. Systeme, die zuvor im Labor im Prototypenstatus getestet wurden, werden in realitätsnahen Lagen eingesetzt. Dies zeigt unmittelbar, ob Sensorik, Steuerungssoftware oder Kommunikationsschnittstellen den Anforderungen des Einsatzes entsprechen. Anstatt lange Entwicklungszyklen abzuwarten, können Anpassungen kurzfristig erfolgen – ein entscheidender Vorteil angesichts der Geschwindigkeit technologischer Entwicklungen.
Zweitens fördert dieser Ansatz die Interoperabilität. In multinationalen Operationen müssen unterschiedliche Plattformen nahtlos zusammenwirken können. Operational Experimentation bei DYMS schafft eine Umgebung, in der nicht nur technische Schnittstellen geprüft, sondern auch Verfahren und Doktrinen abgestimmt werden. Gerade im Zusammenspiel bemannter und unbemannter Einheiten verschiedener Dimensionen entstehen neue Taktiken, die ohne eine solche ergebnisoffene Testumgebung kaum entwickelt werden könnten. Durch die flexible Szenariogestaltung der Übungsserie können neue Herausforderungen wie zum Beispiel beim Hafenschutz realitätsnah simuliert werden.
Beide Übungen stärken die Kooperation zwischen Militär, Industrie und Forschung. Während REPMUS eine Art Schaufenster für innovative Technologien ist, erlaubt Dynamic Messenger, diese Innovationen in praxisnahen Szenarien zu validieren. Damit wird ein direkter Wissenstransfer geschaffen: Unternehmen und Universitäten erhalten unmittelbares Feedback von militärischen Nutzern, während die Streitkräfte frühzeitig Einblick in kommende Technologien gewinnen. Dieses Zusammenspiel beschleunigt die Innovationszyklen erheblich.
Neu entwickelte unbemannte Systeme werden immer kleiner und effizienter. Diese Drohne wird auf einem Rucksack transportiert und gestartet.
Bundeswehr/Sandro Haase
Auch Unterwasserdrohnen nehmen in der modernen Kriegsführung eine immer größere Rolle ein
Bundeswehr/Olli StammNicht zuletzt haben REPMUS und DYMS eine hohe strategische Relevanz. Indem Portugal als Gastgeber die Verbindung von Forschung, Entwicklung und operationeller Umsetzung ermöglicht, entsteht ein Innovationsökosystem, das die maritime Stärke der Allianz sichtbar macht. Für die NATO bedeutet dies nicht nur technologische Modernisierung, sondern auch eine klare Botschaft der Anpassungsfähigkeit und Handlungsbereitschaft.
REPMUS und Dynamic Messenger sind also mehr als klassische Militärübungen. Sie sind ein Experimentier- und Innovationszyklus, der von der technischen Erprobung bis zur operationellen Integration reicht. Der besondere Wert liegt in Operational Experimentation: Diese Maßnahme ermöglicht, Technologien und Verfahren nicht nur theoretisch zu diskutieren, sondern sie im dynamischen Zusammenspiel von Nationen, Systemen und Szenarien praktisch zu erproben. Damit leistet die Übungsserie einen entscheidenden Beitrag dazu, dass die NATO auf die Herausforderungen der Zukunft vorbereitet ist.
von Fabian Henning E-Mail schreiben