Im Krisenfall: Bundeswehr evakuiert Schutzbedürftige nach Deutschland

Im Krisenfall: Bundeswehr evakuiert Schutzbedürftige nach Deutschland

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Normalerweise regelt das Auswärtige Amt die Ausreise von Deutschen und anderen gefährdeten Personen aus Krisenregionen auch unter erschwerten Bedingungen. Selbst aus den entferntesten Regionen dieser Welt. Wenn jedoch alle diplomatischen Wege ausgeschöpft sind, unterstützt die Bundeswehr mit militärischen Mitteln – auch mit Waffengewalt.

Bewaffnete Soldaten mit Hunden sichern das Gelände um ein Transportflugzeug vom Typ Transall C-160

Ohne eine sichere Lande- und Startzone wäre eine Evakuierungsoperation nicht durchführbar. Daher sichern die eingeflogenen Soldatinnen und Soldaten die am Boden verwundbaren Transportflugzeuge im größeren Umkreis.

Bundeswehr/Carl Schulze

Was ist eine militärische Evakuierungsoperation?

Wenn eine Ausreise deutscher Staatsbürgerinnen und -bürger aus einem Krisengebiet nicht mehr aus eigener Kraft oder mit eigenen Mitteln möglich ist und eine diplomatische Evakuierung durch das Auswärtige Amt nicht in Frage kommt, bleibt als letzte Möglichkeit eine militärische Evakuierungsoperation.

Die Operation führt das Verteidigungsministerium. Die eingesetzten Soldatinnen und Soldaten sind dabei für den Transport der Menschen, die evakuiert werden, deren Schutz und das Umfeld der Transportmittel wie etwa Flug- oder Seehafen verantwortlich.

Wer ist zuständig?

Der Kern des Einsatzverbandes für militärische Evakuierungsoperationen ist die Luftlandebrigade 1 der Division Schnelle Kräfte, kurz DSKDivision Schnelle Kräfte. Diese steht in ständiger schneller Einsatzbereitschaft. „Wir halten dafür rund 1.400 Soldatinnen und Soldaten sieben Tage die Woche, 365 Tage im Jahr in höchster Verfügbarkeit als Beitrag zur nationalen Krisenvorsorge“, erklärt Oberstleutnant i. G. Chris Gonter aus dem Stab der DSKDivision Schnelle Kräfte. Dies bedeutet nicht, dass bei jeder möglichen militärischen Evakuierungsoperation das volle Personalpotenzial abgerufen wird.

Zwei Soldaten und ein Mann kontrollieren Zivilpersonen

Vor ihrer Evakuierung werden die betreffenden Personen wie hier auf der Übung Schneller Adler 2018 vor dem Transport erfasst und kontrolliert.

Bundeswehr/Carl Schulze
Ein bewaffneter Soldat sichert Zivilpersonen beim Einsteigen in das Transportflugzeug vom Typ Transall C-160

Übung Schneller Adler 2018: Auszufliegende Zivilisten betreten unter dem Schutz deutscher Soldatinnen und Soldaten ein Transportflugzeug der Bundeswehr. Dieses Szenario wird ständig trainiert.

Bundeswehr/Carl Schulze

Der Umfang der eingesetzten Kräfte wird stets an den jeweiligen Auftrag sowie die Sicherheitslage im Krisenland angepasst. So können die bei einer militärischen Evakuierung eingesetzten Kräfte etwa für eine schnelle Luftevakuierung mit Personal im zweistelligen Bereich liegen oder für eine robuste Evakuierung mit starkem Truppenaufgebot aus mehreren hundert Soldatinnen und Soldaten zusammengesetzt sein.

Je nach Bedarf ergänzen Transportflugzeuge, Hubschrauber der Luftwaffe und des Heeres oder Schiffe der Marine, aber auch Unterstützungskräfte wie etwa Feldjäger und Sanitäter die Einsatzkräfte. Die Abläufe und nötigen Planungen für militärische Evakuierungsoperationen werden bei jährlichen Übungen kontinuierlich trainiert und vertieft.

Wie läuft eine Militärische Evakuierungsoperation ab?

Verschlechtert sich die Lage in einem Krisengebiet zunehmend, erstellt das Verteidigungsministerium eine militärische Evakuierungsoption für den Krisenstab der Bundesregierung. Nach der Billigung beginnt das Einsatzführungskommando in Potsdam mit der Planung einer möglichen Evakuierung. Gleichzeitig werden die in Bereitschaft stehenden Soldatinnen und Soldaten alarmiert.

Gonter erklärt dazu: „Parallel wird der Operationsplan finalisiert und werden, falls nötig, Absprachen mit Verbündeten oder Drittländern getroffen.“ Der Evakuierungsverband verlegt dann in der Regel per Flugzeug direkt in die Krisenregion. Nach Möglichkeit kann auch ein nahe am Einsatzland liegendes Gastland Ausgangspunkt der Operation sein.

Im Ernstfall muss es schnell gehen: Evakuierungen deutscher Staatsbürger aus Krisengebieten übt die Truppe daher regelmäßig. Wie hier bei der Übung Schneller Adler im Jahr 2018. Verschiedene Truppenteile müssen dabei eng zusammenarbeiten.

Am Ort der Evakuierung sichern die Soldatinnen und Soldaten die Umgebung und nehmen die für die Evakuierung eingeplanten Personen auf oder holen diese an festgelegten Sammelpunkten ab. Dabei kann es sich um Frauen und Männer mit deutscher Staatsbürgerschaft,  Bürgerinnen und Bürger aus Staaten der Europäischen Union oder anderer Staaten handeln.

Wer genau evakuiert wird, wird in Abstimmung mit dem Auswärtigen Amt festgelegt. Nach ihrer Evakuierung werden die geretteten Personen am Zielflughafen zum Beispiel eines Drittlandes an das Auswärtige Amt übergeben.

von Redaktion der Bundeswehr 
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