Geröll schaufeln statt Gipfel stürmen: Gebirgsjäger beseitigen Schlammlawinen

Geröll schaufeln statt Gipfel stürmen: Gebirgsjäger beseitigen Schlammlawinen

  • Amtshilfe
  • Gebirgsjägerbrigade 23
Datum:
Ort:
Berchtesgaden
Lesedauer:
2 MIN

Am Wochenende haben starke Regenfälle zu Überschwemmungen und Erdrutschen im Berchtesgadener Land geführt. Die Gebirgsjäger der Bundeswehr unterstützen die lokalen Einsatzkräfte als Helfende Hände bei der Gefahrenabwehr und den Aufräumarbeiten – hoch motiviert und mit positivem Feedback aus der Bevölkerung.

Mehrere Soldaten schaufeln Schutt und Geröll

Amtshilfe statt Gebirgsleistungsmarsch: Gebirgsjäger beseitigen tatkräftig als Helfende Hände Geröll und Schutt

Bundeswehr/Tobias Jesse

Starke Regenfälle haben am Wochenende Erdrutsche und Gerölllawinen im Berchtesgadener Land ausgelöst. Die Weltcup-Bob- und Rodelbahn Königssee wurde von den Wassermassen erheblich beschädigt und in Teilen einfach weggeschwemmt. Auch mehrere Häuser der Gemeinde Schönau wurden beschädigt. Die Bewohnerinnen und Bewohner konnten rechtzeitig evakuiert werden. Der Schönauer Bürger Mexhid Sllamniku sagt: „Es war wie im Film. Alles ging so schnell. Es regnete, aber plötzlich rief die Feuerwehr: ‚Raus, raus, alle raus.‘ Und dann kam der Schlamm.“

Amtshilfe: Gebirgsjäger unterstützen lokale Einsatzkräfte

Rund 110 Soldatinnen und Soldaten des Gebirgsjägerbataillons 232 sind seit gestern als Helfende Hände vor Ort. In der Amtshilfe unterstützen sie Feuerwehr und Technisches Hilfswerk (THW) bei der Gefahrenabwehr und den Aufräumarbeiten. Eigentlich war ein Gebirgsleistungsmarsch für diese Woche geplant: 2.000 Höhenmeter mit 20 Kilogramm Gepäck und Biwak auf dem Gipfel. Doch jetzt befreien die Soldatinnen und Soldaten mit Spitzhacke und Schaufel Häuser und Gärten von Schlamm und Geröll.

„Das Gebirgsjägerbataillon 232 ist in der Region fest verankert. Wir helfen hier, so lange wir gebraucht werden. Das ist selbstverständlich“, sagt Brigadegeneral Maik Keller, Kommandeur der Gebirgsjägerbrigade 23 aus Bad Reichenhall, zu der auch das Bataillon aus Bischofswiesen gehört. Bis wann die Aufräumarbeiten andauern, ist noch offen: „Das Ausmaß der Katastrophe ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht abzuschätzen“, bewertet Fabian Hopf, THW-Gruppenführer vor Ort, die Lage.

Die zerstörte Bob- und Rodelbahn in Königsee nach dem Hochwasser

Ein Bild der Verwüstung: Das unwegsame Gelände um die Bob-Bahn Königssee ist für spezielle Bagger passierbar

picture alliance/dpa

Schreitbagger: Neue Technik für schwieriges Gelände

Das Gebirgspionierbataillon 8 aus Ingolstadt hat zudem einen seiner neuen Schreitbagger zur Verfügung gestellt. Mit dem können die Hilfskräfte auch das unwegsame Gelände im Umfeld der Rodelbahn räumen. „Der Schreitbagger kommt da weiter, wo Rad- und Kettenbagger an ihre Grenzen stoßen“, sagt Hauptfeldwebel Tim Wiegand der 3./ Gebirgspionierbataillon 8 über das neue Einsatzgerät, das erst im Mai in einer taktischen Einsatzprüfung mit THW und Wehrtechnischer Dienststelle für Schutz- und Sondertechnik Schneizlreuth (WTDWehrtechnische Dienststelle 52) getestet wurde.

„Die Soldaten sind so nett, einfach super“

Bei der lokalen Bevölkerung ist die Hilfe der Soldatinnen und Soldaten sehr willkommen. Alle arbeiten Seite an Seite. „Das Feedback ist unwahrscheinlich positiv, die Soldaten hoch motiviert“, freut sich Brigadegeneral Keller. Sllamniku sagt: „Die Soldaten sind so nett, einfach super.“ Und er will alle Helferinnen und Helfer der letzten beiden Tage auf Limonade und Grillwürstchen in seinen Imbiss einladen, den er im nahe gelegenen Freibad betreibt.

von Simona Boyer

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