Baldiges Ende der Luftbrücke in Kabul – Ministerin: „Menschen haben Vorrang vor Material“

Baldiges Ende der Luftbrücke in Kabul – Ministerin: „Menschen haben Vorrang vor Material“

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Berlin
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Die Lage in Afghanistan wird immer dramatischer: verzweifelte Menschen am oder auf dem Weg zum Flughafen und die Gefahr von Anschlägen von terroristischen Gruppen wie dem IS"Islamischer Staat" steigt. Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer betont, dass so viele Menschen wie möglich noch ausgeflogen werden sollen – „Menschen haben Vorrang vor Material“.

Evakuerte Personen verlassen eine Airbus A400M am Flughafen in Taschkent

Schutzbedürftige Menschen betreten kurz nach dem Flug aus Kabul sicheren Boden zum Weiterflug nach Deutschland

Bundeswehr/Marc Tessensohn

Kurz vor Ende der Pressekonferenz verkündet Generalinspekteur General Eberhard Zorn noch eine gute Nachricht: „Der zuletzt gelandete Flug, der dritte am heutigen Tag, hat 167 Gerettete mit an Bord.“ Somit steigt die Gesamtzahl der Evakuierten am Mittwochabend auf 5.193 Menschen, verteilt auf 33 Flüge der Bundeswehr. Die Geretteten stammen aus 45 Nationen. 3.660 von ihnen sind afghanische Bürgerinnen und Bürger. In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch hätten amerikanische und deutsche Soldaten in einer gemeinsam Operation 21 Deutsche mit amerikanischen Helikoptern aus der Stadt holen und zum Flughafen bringen können, verkündet der Generalinspekteur.

„Sensibelste und gefährlichste Phase der Operation“

Doch die Lage am Hindukusch spitzt sich weiter zu sich, nicht nur für die afghanische Bevölkerung, sondern auch für die internationalen Truppen am Flughafen. „Die Gefahrenlage und Gefahrenmeldungen sind deutlich schärfer geworden, als es in den vergangenen Tagen der Fall war“, sagt die Ministerin. Hinweise auf Anschläge terroristischer Gruppen, die nicht den Taliban angehören, würden konkreter: „Was wir jetzt haben, ist die absolut sensibelste und gefährlichste Phase dieser militärischen Evakuierungsoperation“, betont Kramp-Karrenbauer. So lange es das Ziel sei, so lange es geht, Menschen aus Kabul auszufliegen, müsse auch die Sicherheitslage der eigenen Soldatinnen und Soldaten genau betrachtet werden. Die Hinweise auf die Bedrohungen seien „sehr konkret und sehr ernst zu nehmen“ und sie könnten auch das Zeitfenster beschließen, wie lange die militärische Operation noch laufen werde. „Wir sind fokussiert darauf, so viele Menschen wie möglich zu evakuieren und unsere Frauen und Männer sicher zurückzubringen.“

Die Evakuierung läuft aber noch weiter, die Luftbrücke ist noch aktiv – auch wenn es auch bereits um die Rückkehr der Truppen geht. Die Luftbrücke werde aber so lange wie möglich aufrechterhalten, sagt Annegret Kramp-Karrenbauer. Wie lange das sein werde, bleibe vorerst abzuwarten. Sicher sei: „Wir werden bis zur letzten Sekunde, bis zum letzten Flieger versuchen, zu evakuierende Menschen mitzunehmen.“ Dabei hätten Menschen Vorrang vor Material, versichert sie.

Mehr als 5.200 Menschen konnte die Bundeswehr aus Afghanistan ausfliegen. Die Lage wird wegen zunehmender Bedrohungen immer dramatischer. Die Ministerin und der Generalinspekteur sprechen am 25. August über die Lage in Kabul.

„Ortskräfte können sich auf Aufnahmeversprechen verlassen“

Die Aufnahmeversprechen an die Ortskräfte seien weiterhin gültig. Auch dann, wenn die Bundeswehr nicht mehr in Kabul sei. „Darauf können sie sich verlassen. Sie gelten unbefristet“, betont die Ministerin. Mit der militärischen Evakuierung sei die Phase Eins des Bemühens um die Ortskräfte bald abgeschlossen und es müsse sich schnellstmöglich eine Phase Zwei anschließen. Dazu würden derzeit Gespräche in Doha mit den Taliban laufen.

Wie es nach dem Abzug der Truppen am Kabuler Flughafen weitergehen soll, sei derzeit noch ungewiss. Auch dazu würden noch Gespräche mit den Taliban geführt. Es bleibe abzuwarten, was die Verhandlungen ergeben.

von Amina Vieth