Hier impft die Bundeswehr: Besuch im Impfzentrum Schönefeld

Hier impft die Bundeswehr: Besuch im Impfzentrum Schönefeld

  • Corona-Impfung
  • Bundeswehr
Datum:
Ort:
Schönefeld
Lesedauer:
6 MIN

Das Impfzentrum Schönefeld hat eine Besonderheit: Hier stellt die Bundeswehr das komplette medizinische Personal. Auch Helfende Hände und Notfallteam sind Soldatinnen und Soldaten. Die Redaktion der Bundeswehr hat sich die Impfstraßen im Terminal 5 des alten Flughafens angesehen und den Kameradinnen und Kameraden über die Schulter geschaut.

Ein Soldat in Schutzkleidung impft eine ältere Dame in den Oberarm

Ein kurzer Pieks: Im Impfzentrum Schönefeld impft medizinisches Personal der Bundeswehr. Sie erfüllen damit einen wichtigen Auftrag im Kampf gegen die Corona-Pandemie.

Bundeswehr/Tom Twardy

Ein Stempel, ein Klebchen ins Heft und eine Unterschrift – dann gibt Oberstabsarzt Dr. Lisa Arndt das Impfbuch an die ältere Dame zurück. Arndts Lächeln zeichnet sich dabei auch unter der FFP2-Maske deutlich ab. Ein dankbares und freudiges Lächeln erhält sie von ihrem Impfling – besser gesagt, der jetzt geimpften älteren Dame – zurück. Wieder ein kleiner Fortschritt in der Bekämpfung von COVID-19Coronavirus Disease 2019, dem Virus, das unseren Alltag, unser Leben nun schon so lange beherrscht. Arndt ist eine der Ärztinnen und Ärzte, die im Terminal 5 des Schönefelder Flughafens impfen. Die Besonderheit hier: In diesem Impfzentrum wird das medizinische Personal komplett von der Bundeswehr gestellt.

Seit Montag, 11. Januar, läuft der Betrieb. Statt einer Wartehalle voller Fluggäste sind nun Stellwände und Absperrbänder zu sehen. Pfeile auf dem Boden weisen dem Impfling den Weg. Alle paar Meter steht ein Soldat oder eine Soldatin, die die Frauen und Männer in Empfang nehmen und von Station zu Station geleiten. Diese Helfenden Hände kommen vom Feldjägerregiment 1 Berlin.

Insgesamt sechs Impfstraßen möglich

Schönefeld ist das dritte Impfzentrum Brandenburgs, das nun in Betrieb genommen wurde. Geplant sind insgesamt 18. Aber nur dieses eine verfügt über diese besondere Konstellation des Personals: „Die Oberhoheit haben die Johanniter. Ärztinnen und Ärzte, medizinisches Fachpersonal und Helfende Hände stellen wir“, erklärt Oberst Olaf Detlefsen, Kommandeur des Landeskommandos Brandenburg.

„Wenn alle Impfzentren in Brandenburg geöffnet sein werden, rechnen wir mit rund 100 Soldatinnen und Soldaten, die als Helfende Hände im Einsatz sein werden“, erläutert der Oberst. Zurück geht das alles auf entsprechende Amtshilfeanträge. So unterstützen auch schon 330 Soldatinnen und Soldaten in den Gesundheitsämtern Brandenburgs. Der für Schönefeld läuft noch bis zum 10. März. Detlefsen rechnet fest mit einer Verlängerung. „Die Impfkampagne ist dann noch nicht vorbei.“ Und das Personal werde schon jetzt kontinuierlich aufgestockt.

Das Impfzentrum Schönefeld ist etwas Besonderes: Betrieben wird es von den Johannitern. Im Zuge der Amtshilfe wiederum stellt die Bundeswehr komplett das medizinische Personal und die Helfenden Hände. Sechs Impfstraßen können betrieben werden.

Notfallsanitäter impfen

Aktuell sind insgesamt 30 Soldatinnen und Soldaten vom Feldjägerregiment 1 sowie vier Ärzte und 14 Notfallsanitäter der Bundeswehr in Schönefeld. „Die Notfallsanitäter dürfen auch impfen“, betont Oberstarzt Dr. Roland Schneider. Er koordiniert das medizinische Personal. Angefangen mit drei Impfstraßen, sind nun vier der möglichen sechs in Betrieb. „Jede Impfstraße benötigt einen Arzt oder eine Ärztin“, so Schneider. Er erläutert weiter: „Geimpft wird vom fachmedizinischen Personal, die Verantwortung liegt aber bei dem Arzt oder der Ärztin.“

Sie führen die Aufklärungsgespräche und entscheiden darüber, ob geimpft werden kann oder nicht. Zudem gibt es noch eine Soldatin oder einen Soldaten in jedem Impfteam, die oder der für die Dokumentation des gesamten Prozesses verantwortlich ist. Somit sind drei Soldatinnen beziehungsweise Soldaten pro Impfstraße im Einsatz.

Termine werden zentral vergeben

Jeder, der zum Impfzentrum kommt, muss seine Impfberechtigung nachweisen. Termine werden zentral über die Hotline 116 117 vergeben. Die Bundeswehr ist dafür nicht verantwortlich. Auch nicht für die Vergabe des zweiten Termins – nach drei Wochen ist die zweite Spritze für den vollständigen Impfschutz fällig. Jeder, der herkommt, hat schon einen zweiten Termin. Angefangen mit 108 Impflingen am ersten Tag, steige die Zahl täglich, so Schneider. „Bis Ende der Woche werden es mehr als 250 sein.“

Frank Arnhölter
Wenn man erst einmal sieht, was das Virus anrichten kann, weiß man, dass man das keinesfalls haben möchte.

Oberstabsarzt Dr. Arndt freut sich, Teil dieser wichtigen Aufgabe zu sein. „Die Bundeswehr leistet hier einen wichtigen Beitrag im Kampf gegen die Pandemie. Und sie wird sichtbarer in der Gesellschaft. Viele Impflinge sind sehr begeistert von der Organisation, dem Ablauf und den kurzen Wartezeiten.“ Lange Aufklärungsgespräche seien in vielen Fällen gar nicht nötig. „Die meisten haben sich vorher schon sehr gut informiert und kaum noch Fragen.“

Ein Soldat in Schutzkleidung zieht eine Spritze auf

Er mischt und spritzt: Stabsfeldwebel Frank Arnhölter. Der Impfstoff ist sehr empfindlich. Er wird von Hand mit Kochsalzlösung gemischt für die Spritze.

Bundeswehr/Jane Schmidt
Eine Ärztin der Bundeswehr in Schutzkleidung mit Fieberthermometer und Klemmbrett

Temperatur messen: Oberstabsarzt Dr. Lisa Arndt ist eine der Ärztinnen und Ärzte der Bundeswehr, die im Impfzentrum Schönefeld tätig ist. Sie verantworten die Impfungen.

Bundeswehr/Tom Twardy

Angemischt wird der Impfstoff vor Ort

Vor der ersten Impfung seien dennoch einige noch nervös und aufgeregt, berichtet Stabsfeldwebel Frank Arnhölter vom Fliegerarzt-Team der Flugbereitschaft BMVgBundesministerium der Verteidigung Berlin. Er fährt auch Notfalleinsätze und hat bereits einige Corona-Patienten transportieren müssen. „Wenn man erst einmal sieht, was das Virus anrichten kann, weiß man, dass man das keinesfalls haben möchte.“ Eigentlich wäre er jetzt im Auslandseinsatz. Als klar war, dass er nicht in den Einsatz muss, meldete er sich ohne zu zögern für den Dienst im Impfzentrum Schönefeld.

Er impft nicht nur, sondern muss – wie seine Kameradinnen und Kameraden vom fachmedizinischen Personal – die Spritzen erst einmal vorbereiten. Das bedeutet: den Impfstoff anmischen und aufziehen. „Aus einer Dose Impfstoff werden sechs Spritzen gezogen“, erläutert er. Das Vakzin wird dabei mit Kochsalzlösung gemischt. Ist die Spritze erst einmal fertig aufgezogen, muss der Inhalt innerhalb von vier Stunden verimpft werden. Ein Transport ist nicht möglich. Daher wird nur nach Bedarf aufgezogen und überhaupt erst Impfstoff aufgetaut. „Sollte am Ende des Tages Impfstoff übrig sein, wird das Personal vor Ort geimpft – es wird kein Impfstoff weggeworfen“, betont Oberstabsarzt Dr. Arndt.

Ein Rettungssanitäter zeigt den Corona-Impfstoff in einen Kühlschrank

Die Temperatur ist entscheidend: Der Impfstoff muss im Kühlschrank aufbewahrt werden, bis er an die Impfteams geht.

Bundeswehr/Tom Twardy

Spritzen müssen schnell zum Einsatz kommen

Die Hoheit über Beschaffung und Lagerung haben die Johanniter vom Regionalverband Südbrandenburg. Zwei Kühlschränke stehen im Raum der Johanniter, unter Bewachung von Sandra Winkler, die die operative Leitung hat, und ihrem Team. „Nur zwei Leute haben die Schlüssel dafür“, sagt sie. Der Impfstoff ist ein wertvolles Gut. Die Temperatur der Kühlgeräte muss ständig überprüft werden, sollten die Türen einmal zu lange offenstehen, ertönt ein schrilles Warnsignal. Das Vakzin ist empfindlich. „Angeliefert wird der Impfstoff mit einer Temperatur zwischen zwei und acht Grad Celsius. Innerhalb von fünf Tagen muss er aufgebraucht werden.

Wird eine Ampulle an ein Impfteam ausgegeben, muss diese in sechs Stunden verbraucht werden“, erläutert Winkler. Ihr Team von hauptamtlichen und ehrenamtlichen Mitarbeitern versorgt die Bundeswehr-Teams mit dem Impfstoff. „Die Zusammenarbeit funktioniert sehr gut. Es ist auch toll, wie die Soldatinnen und Soldaten, die als Lotsen für die Impflinge fungieren, sich engagieren. Sie sind sehr fürsorglich“, lobt sie.

„Wir können unsere Enkel endlich wiedersehen”

Lobende Worte hat auch Oberstarzt Dr. Schneider für den Einsatz der Soldatinnen und Soldaten: „Sie leisten sehr tolle Arbeit. Es sind sehr kompetente und engagierte Frauen und Männer.“ Mit dieser Meinung ist er nicht allein: Auch Helga Krüger (81) und ihr Ehemann Manfred (83) sind begeistert. „Wir fühlen uns hier sehr gut betreut durch die Soldatinnen und Soldaten“, sagt Helga Krüger. Als ehemalige Krankenschwester sei für sie sofort klar gewesen, dass sie das Impfangebot annimmt. „Von der Spritze habe ich nichts gemerkt. Es geht mir gut“, berichtet sie.

30 Minuten werden die Geimpften noch beobachtet und betreut. Sollte es Komplikationen geben, steht ein Notfallteam der Bundeswehr bereit. „Es ist wichtig und richtig, dass man sich impfen lässt. Alle sollten sich impfen lassen“, betont Helga Krüger. Dem zweiten Termin blickt sie schon freudig entgegen. „Danach können wir unsere Enkel endlich wiedersehen. Sie haben uns schon so lange nicht mehr besuchen können.“

Mehrere Personen sitzten mit Abstand im Terminal des Flughafen Schönefeld

Betreuungsraum: Eine halbe Stunde muss jeder Geimpfte hier verweilen, bevor er nach Hause gehen darf.

Bundeswehr/Jane Schmidt

„Ihr Dienst hier ist richtig und wichtig“

Worte, die die Impfteams häufig von den Impflingen hören – und die ihnen nahegehen. „Die Menschen sind froh, dass sie zur Impfung kommen können. Wenn uns eine Oma oder sogar Uroma dann mit Tränen in den Augen sagt, dass sie bald endlich wieder ihre Enkel in die Arme schließen kann, dann weiß man, wie wichtig unser Dienst hier ist und wie wichtig diese Impfungen sind“, betont Stabsfeldwebel Arnhölter.

von Amina Vieth

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