Bundeswehr-Diensthunde in Rente: Was dann mit den Tieren passiert

Bundeswehr-Diensthunde in Rente: Was dann mit den Tieren passiert

  • Diensthundewesen
  • Bundeswehr
Datum:
Ort:
Fritzlar
Lesedauer:
3 MIN

Becks ist immer an der Seite von Frau Major Ramona Bernhard – auch auf der Arbeit in der Kaserne. Der Schäferhund-Mix sollte Therapiehund für einen Soldaten werden. Doch dann kam alles anders und er brauchte ein neues Herrchen oder Frauchen. Für Bernhard war es die Gelegenheit, sich endlich dem Traum vom eigenen Hund zu erfüllen.

Eine Soldatin mit rotem Barett hockt neben einem Hund und umarmt ihn

Immer dabei: Frau Major Ramona Bernhard darf Becks mit zur Arbeit nehmen. Er war mal ein Therapiehund der Bundeswehr.

Bundeswehr/Jana Neumann

„Ich wollte schon lange einen Hund haben. Aber ich wollte nicht, dass er die ganze Zeit allein ist, während ich arbeiten bin“, erklärt die Chefin der 9. Kompanie des Feldjägerregimentes 2 in Fritzlar. In ihrer Kompanie gibt es vier Diensthundeführer. Da dieses Aufgabenfeld in der Laufbahn der Feldwebel angesiedelt ist, kommt Bernhard als Offizierin nicht als Diensthundeführerin in Frage. Dank eines speziellen Abkommens mit der Diensthundeschule in Ulmen zählt ihr Becks aber nun weiterhin als Diensthund. Somit darf er mit in die Dienststelle, ist aber ein ganz normaler Familienhund.

Für einen Schutzhund zu sanftmütig

Ursprünglich sollte Becks Therapiehund in der Bundeswehr werden. Während der Ausbildung ist die Sozialdienstmitarbeiterin jedoch abgesprungen, sodass es keinen Auftrag mehr für ihn gab. Er wurde daraufhin in der Schule für Diensthundewesen der Bundeswehr in Ulmen im Zwinger betreut. „Jeder kann sich bewerben, einen ausgemusterten Hund zu übernehmen“, sagt Bernhard. „Für mich war aber von Anfang an klar, dass ich keinen ausgebildeten Schutzhund möchte. Die Gefahr und Verantwortung sind mir zu groß.“

Mit Becks hat sie einen Glücksgriff gelandet: ruhig, verschmust und vor allem verschlafen. „Er schläft gefühlt 20 Stunden am Tag“, sagt Bernhard mit einem Lachen. In ihrem Büro in der Georg-Friedrich-Kaserne hat sie ein großes Hundebett, in dem der Vierbeiner sich am liebsten aufhält. Aber auch gerne ganz nah bei Frauchen unter dem Tisch. Bewegung muss aber auch sein, nicht nur spazieren gehen. „Wenn ich es zeitlich schaffe, geht Becks mit mir oder mit ausgewählten Soldaten joggen. Danach schläft er noch tiefer.“

Pflegevertrag mit der Diensthundeschule

Becks ist immer an der Seite von Bernhard, nicht nur bei der Arbeit. Warum er Therapiehund werden sollte und sich nicht als Schutzhund eignet, stellte er bereits unter Beweis. „Meine Mutter und ich haben eine Bekannte getroffen. Im Gespräch fing sie an zu weinen. Becks ist zu ihr gegangen, obwohl er sie noch nie zuvor gesehen hatte, und hat sich auf ihren Schoß gelegt, als wollte er sie trösten“, berichtet Bernhard. Da sei ihr bewusst geworden, wie einfühlsam ihr Vierbeiner ist. Sie sei froh, dass sie den Hund von der Diensthundeschule übernehmen durfte und Becks jetzt Teil ihres Lebens ist.

Aufgaben und Prüfungen mit dem Tier

Wer einen ehemaligen Diensthund der Bundeswehr adoptieren möchte, muss sich bei der Diensthundeschule in Ulmen dafür bewerben. Dazu gehört auch, nach Ulmen zu fahren und mit dem Tier zu agieren – unter den wachsamen Augen der Experten. „Eine Woche habe ich dort verbracht. Man muss verschiedene Aufgaben erfüllen und zum Schluss eine theoretische und praktische Prüfung ablegen“, so Bernhard. Zu den Aufgaben gehöre es unter anderem, mit dem Hund in die Stadt zu gehen und ihn dabei sicher und gut zu führen, auch durch brenzlige Situationen, an Bahnen und Kindern vorbei. Zur Theorie gehöre beispielsweise Wissen über Hunde allgemein wie Anatomie und Ernährung.

Harmonieren Mensch und Tier und bestehen die Prüfungen, kommt ein Pflegevertrag zustande, auch bekannt als Gnadenbroterlass. Das bedeutet, dass der Hund noch immer Eigentum der Bundeswehr und damit ein Diensthund ist, aber nicht mehr als solcher arbeitet. Die Kosten für Untersuchungen und Behandlungen beim Tierarzt sind durch die Bundeswehr gedeckt. Zudem bekommen Halter oder Halterin eine Aufwandspauschale in Höhe von 45 Euro pro Monat. „Ich kann das nur weiterempfehlen. Es ist eine Win-win-Situation für alle. Insbesondere für den Hund. So findet er eine neue Familie, in der er Anschluss hat. Und steht nicht in der Zwingeranlage in Ulmen“, freut sich die Offizierin.

von Amina Vieth