Bundeswehr unterstützt Corona-Tests an Berliner Flughafen

Bundeswehr unterstützt Corona-Tests an Berliner Flughafen

  • Coronavirus
  • Bundeswehr
Datum:
Ort:
Berlin
Lesedauer:
3 MIN

Lauter Fluglärm übertönt die Einweisung. Die Stimme von Hauptbootsmann Sebastian Riedl ist unter dem Dröhnen der Flugzeugtriebwerke kaum zu hören. Er steht vor einem unscheinbaren Gebäude am Parkdeck des Terminals D am Flughafen Tegel. Riedl und seine Soldatinnen und Soldaten weisen in die Corona-Tests ein. Sie nehmen die Daten der Reisenden auf.

Ein Soldat mit Mundschutz arbeitet an einem Computer, davor steht ein Mann mit Koffer und Handy in der Hand

Konzentriert und motiviert bei der Sache: die Soldaten aus Beelitz

Bundeswehr/Tom Twardy

„Wir als Schnelle Unterstützungskräfte, SUK, sind seit Mitte August hier eingesetzt. Unsere Aufgabe ist es, alle Rückreisenden aus dem Ausland in den Ablauf der Testung einzuweisen und ihre Daten aufzunehmen“, erklärt Riedl den Corona-Hilfseinsatz der Bundeswehr in Berlin. Unter seiner Führung unterstützen 48 Soldatinnen und Soldaten die Corona-Teststation auf dem Flughafen Berlin-Tegel in einem Fünf-Tage-Rhythmus mit Schichtsystem von morgens 08.00 Uhr bis abends 21.00 Uhr.

Die Corona Reserve: Schnell einsatzbereit

Die Soldatinnen und Soldaten aus Beelitz sind seit knapp einem halben Jahr Teil der Corona-Reserve. „Meine Leute waren schon darauf eingestellt“, entgegnet Riedl auf die Frage, ob für sie der Einsatz überraschend kam. Denn die Anfrage der Berliner Gesundheitsbehörden kam kurzfristig. Für Riedl bedeutete dies ein Anruf am Freitag und Packen am Samstag. Am Montag stand er mit seinen Männern und Frauen am Flughafen Tegel bereit.

Angebot wird gut angenommen

Die Teststation am Flughafen im Berliner Norden ist ein Angebot an alle Reiserückkehrer. Hier können sie sich auf Corona testen lassen. In Berlin ist ihnen eine Frist von drei Tagen gesetzt. Eine Testpflicht unmittelbar bei Rückkehr gibt es nicht. „Zu Stoßzeiten ist der Andrang recht groß", sagt Frau Stabsgefreiter Tessa Eberwien, denn täglich werden im Schnitt etwa 520 Testungen durchgeführt. Eberwien aus dem Zug von Riedl stellt sich ihrer Aufgabe ruhig und gelassen. Auch die Kommunikation mit den Reisenden stellt dahingehend kein großes Problem dar. „Verständigungsprobleme kommen vor, aber wir haben russisch-, türkisch-, philippinisch- und super englischsprachige Kameraden hier“, sagt sie.

Ein Soldat mit Mundschutz arbeitet an einem Computer, davor steht eine junge Frau mit Mundschutz und Koffer

Sicherheit geht vor: Datenerfassung mit Maske und Plexiglas

Bundeswehr/Tom Twardy
Ein Soldat mit Mundschutz sitzt an einem Computer und übergibt einer Person ein Corona-Teströrchen

Erst nach vollständiger Digitalisierung der Daten geht es weiter zur nächsten Station.

Bundeswehr/Tom Twardy

Corona-Tests in zehn Minuten

Der Corona-Test läuft vor Ort nach einem Stationsprinzip. Krankenschwestern der Charité empfangen die Passagiere vor dem Gebäude. Im Gebäude stehen zum Erfassen der Personaldaten die Soldatinnen und Soldaten von Riedl bereit. Hinter Plexiglas und mit Maske nehmen sie wie an einem Schalter die Personaldaten auf. Die Daten können auch über eine App eines privaten Anbieters eingetragen werden. Doch allein darauf verlassen wolle man sich hier nicht, so Riedl.

Mit einem Teströhrchen gehen die zu Testenden weiter zur Probenentnahme. Dort empfängt sie das mintgrün gekleidete Krankenhauspersonal. Mit dabei ist Frederike Buchmann. Sie engagiert sich ehrenamtlich im Arbeiter-Samariter-Bund. „Es tut nicht weh. Es ist ein bisschen unangenehm, und wenn der Abstrich fertig ist, kann man sofort wieder gehen“, beschreibt sie den Entnahmevorgang.

Dreimal täglich werden die Corona-Tests zur Auswertung an die Labore verschickt. Die Testergebnisse erhalten die Reisenden nach 48 Stunden. „So lange sollten sie sich jedoch in häusliche Quarantäne begeben“, sagt Buchmann.

Seit dem 8. August sind Corona-Tests für Einreisende aus Risikogebieten verpflichtend. Am Flughafen Tegel in Berlin unterstützen Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr das medizinische Fachpersonal der Berliner Charité und nehmen die Daten der ankommenden Passagiere auf.

Für fast alles Verständnis

Aus Sicht von Riedl läuft die Zusammenarbeit mit den zivilen Gesundheitsarbeitern gut. Er ist zufrieden, wie die Absprachen untereinander laufen. Vor allem freut es ihn, dass jeder engagiert bei der Sache ist. Mit den meisten Reisenden hat es bisher keine Probleme gegeben. „Gerade bei größeren Familien gibt es manchmal Anspannungen. Aber das ist verständlich nach einer langen Reise“, sagt Riedl. „Wir sind fast alle Mütter und Väter und haben für fast alles Verständnis.“

Am Sonntagabend jedoch wurde die Teststation aufgrund eines Zwischenfalls vorzeitig geschlossen. Eine Familie wollte sich testen lassen, obwohl sie nicht mit einem Flugzeug angereist war. Laut dem Lagezentrum des Kommandos Territoriale Kräfte der Bundeswehr kam es zu einem Gerangel mit einer Charité-Mitarbeiterin. Die Schließung der Teststation war die Folge. Das Testangebot für Passagiere aus drei Flugzeugen musste ausfallen.

Für Riedl geht der Auftrag trotzdem weiter. Am Montag stand er wieder morgens um 08.00 Uhr mit seinen Soldatinnen und Soldaten bereit, um Reiserückkehrenden aus aller Welt ein Angebot zum Testen anzubieten.

von Kim Schönbrunn und Matthias Lehna