Digitale und moderne Schießausbildung: Wenn die Ziele schreien und angreifen

Die Truppenübungsplätze der Bundeswehr werden digitalisiert. Dabei steht die Schießausbildung im Fokus. Was genau geplant ist und was es mit den Smart Targets auf sich hat, das erklären der Projektleiter, die Experten der Wehrtechnischen Dienststelle 91 in Meppen und Soldaten, die bereits mit dem neuen Equipment üben durften.

Zwei Puppen auf Rädern und ein weißer Pick-up auf einem Testgelände, im Hintergrund zwei Männer mit Laptops
Bundeswehr/Carsten Borgmeier

Weg von Klappfallscheiben aus Holz hin zu intelligenten Zielen, die mit den Schützinnen und Schützen interagieren. Das ist der erste Schritt des Projektes – und dringend nötig, wie Brigadegeneral Andreas Henne, stellvertretender Kommandeur Territoriale Aufgaben und Projektverantwortlicher für die Digitalisierung der Truppenübungsplätze, betont. Im Interview erklärt er, was in den kommenden Jahren umgesetzt werden soll. Letztlich soll ein Verband gemeinsam üben können, ohne an demselben Ort sein zu müssen.

Besuch in der WTDWehrtechnische Dienststelle 91

Die passende Unterstützung dazu kommt unter anderem aus der Wehrtechnischen Dienststelle (WTDWehrtechnische Dienststelle) 91. Dort rasen die Smart Targets über das Erprobungsgelände und setzen sich bereits den Schüssen aus. Die Experten vor Ort erklären, was mit diesem neuen System alles möglich ist und wie Szenarien erstellt werden.

Digitalisierung Truppenübungsplätze – darum geht es

Truppenübungsplätze der Bundeswehr sollen digitaler werden. Daran arbeitet eine Projektgruppe des Kommandos Territoriale Aufgaben mit vielen anderen Akteuren. Pläne, Plätze, Kosten und Zeitrahmen sind in diesem FAQFrequently Asked Questions zusammengefasst.

Insgesamt 13 Truppenübungsplätze sind in das Projekt Digitalisierung eingebunden. Das Hauptaugenmerk liegt zunächst auf Munster, Bergen, Klietz und Altengrabow. Ebenfalls einbezogen sind Todendorf, Jägerbrück, Wildflecken, Hammelburg, Oberlausitz. Auch in Putlos, Baumholder, Heuberg und Lehnin soll digitalisiert werden.

Das Projektziel ist die Modernisierung der Truppenübungsplatzlandschaft mit moderner, marktverfügbarer Technik. Damit werden sich die Übungsmöglichkeiten der Bundeswehr und der NATO signifikant verbessern. Die veraltete Technik beim Zielbau und der Trefferauswertung wird erneuert. Dabei sollen veraltete Zielanlagen durch funkgesteuerte Ziele ersetzt werden, die auch mittels Künstlicher Intelligenz steuerbar sind, sogenannte Smart Targets.

Zudem soll die Digitalisierung die Schießsicherheit verbessern. Das ist besonders hilfreich für Notfälle, um beispielsweise den Einsatz von Rettungskräften zu koordinieren oder Brände zu bekämpfen.

Das ambitionierte Ziel ist, die Übungsplätze miteinander zu vernetzen und gemeinsame Gefechtsszenarien zu ermöglichen. So können die unterschiedlichen Teile einer Brigade gemeinsam üben, ohne sich an demselben Ort zu befinden. Dazu wird ein Battle Management System genutzt.

Augmented Reality ist ein weiterer Baustein, um die Umweltverträglichkeit der Übungsplätze und auch die Spannbreite für Übungsszenarien zu verbessern.

Es ist geplant, die Simulationszentren der Marine, der Luftwaffe und auch internationale Kräfte zu vernetzen, um möglichst viele Dimensionen abzubilden und einzubinden. Entscheidend dafür ist der Ausbau von 5G-Technologie, um die digitalen Komponenten zu verbinden.

Das Verteidigungsministerium hat die Absicht für dieses Projekt formuliert und als Aufgabe der Streitkräftebasis zugewiesen. Federführend für die Umsetzung ist die Projektorganisation Weiterentwicklung Truppenübungsplätze und Schießanlagen der Bundeswehr des Kommandos Territoriale Aufgaben der Bundeswehr.

Projektgruppenleiter ist Brigadegeneral Andreas Henne, stellvertretender Kommandeur des Kommandos. Um das Projekt umzusetzen, wurde ein Sekretariat unter Führung von Oberst i. G. Carsten Heldt gebildet, das rein mit Reservisten besetzt ist.

Um das Projekt umsetzen zu können, sind verschiedene militärische und zivile Stellen eingebunden. Dazu gehören unter anderem Bundeswehreinheiten verschiedenster Truppengattungen, die Bundeswehr-Universität in München, das Fraunhofer-Institut, die Wehrtechnische Dienststelle 91 in Meppen, das Planungsamt der Bundeswehr, das Amt für Heeresentwicklung, das Kommando Heer und das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr.

Das gesamte Projekt ist in drei Maßnahmenpakete unterteilt:

1. Modernisierung Schießbahn 3 in Bergen: Geplant sind Beschallungs- und Beleuchtungsanlagen, Effektsimulatoren für Zielfeuer-MG, Abschuss- und Treffersimulation, mehr als 300 Zieldarstellungsgeräte und mehr als 30 bewegliche Ziele.

2. Kompetenzcluster Bergen/Munster: Dabei soll ein moderner Übungsraum für Großverbände geschaffen werden, bei dem mit Simulationen gearbeitet wird. Die Very High Readiness Joint Task Force der NATO (VJTFVery High Readiness Joint Task Force ) soll hier üben können.

3. Digitalisierung aller Truppenübungsplätze: Dies soll ein Übungsszenario über die Grenzen der Truppenübungsplätze hinweg ermöglichen.

Übersetzt bedeutet der englische Begriff Augmented Reality erweiterte Realität. Darunter versteht man die computergestützte Erweiterung der Realitätswahrnehmung. Dazu gehören auch VRVirtuelle Realität-Brillen. VRVirtuelle Realität steht für Virtual Reality. Im Gaming ist dies vielen Nutzerinnen und Nutzern bereits bekannt. Auch das Militär nutzt diese Technik. Mittels der speziellen Brille werden verschiedene Szenarien wie Gefechte dargestellt, die den Soldatinnen und Soldaten für realere Darstellungen bei Übungen dienen.

Die Digitalisierung der Truppenübungsplätze dient allen Teilen in der Bundeswehr. Alle Soldatinnen und Soldaten, die Missionen oder Auslandseinsätze unterstützen, können somit besser und vernetzt üben.

Auch für den Kernauftrag der Bundeswehr, die Landes- und Bündnisverteidigung, ist das Projekt ein Gewinn. Das gemeinsame Erproben und Vertiefen der verschiedenen Fähigkeiten stehen im Mittelpunkt.

Zudem stellt die Bundeswehr verbesserte Trainingsmöglichkeiten für die NATO bereit, wie es auch im Abschlussdokument des NATO-Gipfels in Brüssel 2021 verabredet wurde.

Das Projekt hat bereits im Jahr 2019 begonnen und ist bis 2024 mit 57 Millionen Euro veranschlagt. Das Geld soll aus dem Verteidigungshaushalt bereitgestellt werden, um die geplanten Maßnahmen realisieren zu können. Die Kosten entfallen dabei auf die Bereiche Forschung, Rüstung und Infrastruktur.

Ausbildung mit Smart Targets – Schützen berichten

Im Podcast berichten zwei Schützen und ein Schießlehrer des Wachbataillons von ihren Erfahrungen mit der modernen und digitalen Schießausbildung. Und wie gut sie die Smart Targets getroffen haben. Der Ausbilder erläutert, warum der Lerneffekt mit diesem neuen System deutlich größer ist als bei den Klappfallscheiben aus Holz.

Das Logo "Funkkreis – Podcast der Bundeswehr" in Weiß auf einem tarnfarbenen Polygonmuster

Smart Targets statt Klappfallscheiben

Truppenübungsplätze werden moderner und digitaler.

Mehr zum Thema

Intelligente Ziele – auch Smart Targets genannt – sind eine Möglichkeit, die Schießausbildung moderner zu gestalten. Es gibt noch weitere Projekte, die die Digitalisierung in der Bundeswehr voranbringen sollen.

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