Evakuierungseinsatz in Afghanistan: Die Zeit wird knapp

Evakuierungseinsatz in Afghanistan: Die Zeit wird knapp

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Berlin
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Am 31. August sollen alle internationalen Truppen Afghanistan verlassen haben. Gleichzeitig spitzt sich die Sicherheitslage in Kabul weiter zu. Damit schließt sich auch das Zeitfenster für die Evakuierung der Menschen am Flughafen. Bis die Bundeswehr abziehen muss, sollen noch so viele Schutzsuchende gerettet werden wie möglich.

Zwei Soldaten (von hinten zu sehen) stehen vor einer Menschenschlange am Flughafen in Kabul

Hoffnung auf ein freies Leben: Eine Mutter wartet darauf, passieren zu dürfen. Die Ausreise aus Afghanistan würde für sie und ihr Baby, das sie fest im Arm hält, ein besseres Leben bedeuten.

Bundeswehr/EKT

Am zehnten Tag des Evakuierungseinsatzes der Bundeswehr in Afghanistan konnten weitere 539 Personen außer Landes gebracht werden. Damit wurden seit dem 16. August 5.193 Menschen mit den Airbus A400M-Transportflugzeugen über das Drehkreuz Taschkent in Usbekistan ausgeflogen. 3.660 Afghaninnen und Afghanen sind darunter.

Hinweise auf konkrete Anschlagspläne in Kabul

Die Sicherheitslage in der afghanischen Hauptstadt Kabul wird derweil immer kritischer. Das Zeitfenster für die Evakuierung schließe sich, weil die Bedrohungslage größer werde, sagte Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer am Mittwochabend. Für die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr beginne jetzt die schwierigste Phase des Evakuierungseinsatzes. Ziel bleibe weiter, so viele Menschen wie möglich aus Afghanistan herauszuholen.

Deutsche und amerikanische Soldaten hatten in der Nacht zu Mittwoch in einer gemeinsamen Aktion 21 Bürgerinnen und Bürger aus Deutschland aus der von den Taliban kontrollierten Stadt herausgeholt. Die nachrichtendienstlichen Hinweise auf mögliche Anschläge von Terrororganisationen wie dem Islamischen Staat seien „sehr konkret und sehr ernst zu nehmen“, so die Ministerin. Auch wenn die Sicherheit der deutschen Soldatinnen und Soldaten in Kabul im Auge behalten werden müsse: „Wir werden bis zur letzten Sekunde versuchen, zu evakuierende Menschen mitzunehmen.“

Afghanen wird auch nach Ende des Einsatzes geholfen

Der endgültige Abzug der internationalen Truppen aus Kabul ist für den 31. August geplant. Wer danach noch im Land ist, ist den Taliban ausgeliefert. Auch wenn die Bundeswehr dann nicht mehr in Kabul sei, werde man sich weiter um die im Land befindlichen Ortskräfte kümmern, versprach die Ministerin. „Wir werden alle Hilfen zur Verfügung stellen, damit diese Menschen außer Landes kommen und in Deutschland aufgenommen werden“, twitterte das Verteidigungsministerium. Dafür werden in Doha in Katar bereits Verhandlungen mit Vertretern der radikalislamischen Miliz geführt.

600 Millionen Euro humanitäre Hilfe für die Region

Kanzlerin Angela Merkel hatte sich am Mittwochmittag in einer Regierungserklärung vor dem Bundestag ähnlich geäußert. „Wir bemühen uns weiterhin mit allen Kräften, vor allem den Afghanen zum Verlassen des Landes zu verhelfen, die Deutschland als Ortskräfte der Bundeswehr, der Polizei und der Entwicklungszusammenarbeit zur Seite gestanden haben“, sagte Merkel. Das Ende der Luftbrücke solle nicht das Ende der Hilfe für Afghanen sein. Deshalb habe die Bundesregierung rund 600 Millionen Euro für die humanitäre Hilfe in Afghanistan und den Nachbarstaaten bereitgestellt.

Der Bundestag hatte am Mittwoch dem Mandat für den größten Evakuierungseinsatz in der Geschichte der Bundeswehr mit großer Mehrheit nachträglich zugestimmt. Abgeordnete aller Fraktionen stimmten für den Einsatz. Da Gefahr im Verzug festgestellt worden war, hatten die Streitkräfte den Einsatz zunächst ohne Zustimmung des Parlaments begonnen. Dies wurde nun nachgeholt.

von Timo Kather