Lufttransport

Die Flugbereitschaft des Bundesministeriums der Verteidigung

Die Flugbereitschaft des Bundesministeriums der Verteidigung

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Ort:
Berlin
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Passagier- und Materialtransport, Strategischer Patientenlufttransport oder Flüge im Rahmen der Rüstungskontrolle – neben dem Transport von Spitzenpolitikern wie Kanzler oder Außenministerin alles Aufgaben der Flugbereitschaft des Bundesministeriums der Verteidigung. Der Luftwaffenverband nutzt dafür mehr als ein Dutzend verschiedene Luftfahrzeuge.

Ein Flugzeug vom Typ Airbus A340 steht auf dem Rollfeld bei tiefstehender Sonne.

Mit den A340 der „weißen Flotte“ der Flugbereitschaft beim Bundesministerium der Verteidigung fliegen häufig Spitzenpolitiker zu ihren weltweiten Terminen

Bundeswehr/Stefan Thomas

„Graue“ und „weiße Flotte“

Die Flugzeuge und Hubschrauber der Flugbereitschaft des Bundesministeriums der Verteidigung (FlBschft BMVgBundesministerium der Verteidigung) unterteilen sich in eine „graue“ und eine „weiße Flotte“.

Zur „grauen Flotte“, benannt nach der Lackierung der Maschinen in luftwaffengrau, gehört der letzte noch im Dienst verbliebene A310 MRTTMulti Role Tanker Transport (Multi-Role-Tanker-Transport; zu Deutsch Mehrrollen-Tanker-Transporter), der in Zukunft durch zwei A321 LR (Long Range, zu Deutsch Lange Reichweite) ersetzt werden wird. Die „graue Flotte“ wird im Schwerpunkt für Passagier- und Materialtransport der Bundeswehr sowie den Strategischen Patientenlufttransport (AirMedEvac) genutzt.

Zur „weiße Flotte“ gehören aktuell ein A350, zwei A340, drei A319, ein A321, drei Global 5000, drei Global 6000 sowie drei Hubschrauber AS352 Cougar. Sie dienen vor allem zum Passagiertransport sowie für Sonderflüge zur Beförderung von Personen des politischen und parlamentarischen Bereichs.

Heimatflughafen: Köln-Bonn

Stationierungsort der Flugbereitschaft ist der Flughafen Köln-Bonn. Dort finden Wartungs- und Instandsetzungsarbeiten sowie Luftfahrzeug- und Besatzungstausch statt. Aktuell werden für einen vollständigen Umzug der FlBschft BMVgBundesministerium der Verteidigung an den Standort Berlin (Flughafen BER) die infrastrukturellen Voraussetzungen geschaffen.

Alle Flüge der Flugbereitschaft werden auf konkrete Anforderung durch anforderungsberechtigte Stellen – etwa aus der Bundestagsverwaltung oder innerhalb der Bundeswehr – ausgeplant und durchgeführt. Liegt der Startpunkt oder das Ende eines anforderten Transports dabei nicht am Flughafen Köln-Bonn, müssen die Flugzeuge mit einem Bereitstellungsflug erst zum Startort des Transportes geflogen werden. Sofern sich kein Anschlusstransport ergibt, endet der Flug mit dem Rückflug zum Heimatflugplatz. Der Einsatz der Luftfahrzeuge vor oder nach den Flügen für den politischen und parlamentarischen Bereich wird dabei ausschließlich durch operationelle Notwendigkeiten und immer mit Blick auf einen möglichst nachhaltigen und effizienten Einsatz der Ressourcen bestimmt.

Die Entscheidung, ob ein Flugzeug der Flugbereitschaft nach der Landung auf einen Folgeeinsatz warten kann oder ob es zum Heimatflugplatzes zurückkehrt oder einen ganz neuen Zielflugplatz anfliegt, hängt von einer Vielzahl von Faktoren ab. Dazu zählt etwa die Notwendigkeit eines Luftfahrzeugtauschs wegen Instandsetzungs- oder Wartungsbedarf, Flugdienst- und Ruhezeiten der Besatzungen, Folgeaufträge von einem anderen Flughafen oder vom Heimatflugplatz aus oder fehlende Abstellkapazitäten am auswärtigen Flugplatz.

Ein Flugzeug vom Typ Airbus A310 MRTT steht auf dem Rollfeld.

Die A310 der „grauen Flotte“ der Flugbereitschaft transportiert Personal und Material weltweit – wie hier im Rahmen der Corona-Hilfe für Indien im März 2021

Bundeswehr/Jane Schmidt

Effektiv: Bereitstellungsflüge als Training

Im Sinne eines optimierten Einsatzes von Ressourcen werden diese Bereitstellungsflüge stets zur Aus- und Weiterbildung von Besatzungen genutzt.

Die Luftfahrzeugbesatzungen der Bundeswehr haben, wie zivile Crews auch, regelmäßig ihre jeweiligen Qualifikationen zu erhalten und nachzuweisen. Hierbei kann es sich um bestimmte fliegerische Verfahren, etwa Sichtanflüge und spezielle militärische Verfahren oder um das Trainieren und Durchsprechen von Notverfahren (auch für Kabinenpersonal) handeln. Auch wenn sich die Bundeswehr beim Üben bestimmter Notverfahren auf das Simulatortraining abstützen kann (zum Beispiel Triebwerkausfall), so ist das Trainieren und Erfüllen einer Vielzahl von Verfahren im realen Flugbetrieb elementar für den Erhalt der fliegerischen Qualifikation und Professionalität. Stetiges Üben dient dem Einhalten von Standards, dem „Können“ des fliegerischen Handwerks auch unter herausfordernden Bedingungen und dem Abrufen von Notverfahren in Gefahrensituationen als elementarer Bestandteil der Flugsicherheitskultur im Flugbetrieb der Bundeswehr.

Auftrag und Umweltschutz

Die Bundeswehr leistet einen erheblichen Beitrag zum Erreichen der umweltpolitischen Ziele der Bundesregierung. Der Anteil an Verbesserungen im Umweltschutz, Naturschutz und in der Nachhaltigkeit wird weiter aktiv ausgebaut und auch in Zukunft kontinuierlich weiterverfolgt.

In diesem Sinne achten die Planer und Piloten der FlBschft BMVgBundesministerium der Verteidigung stets auf eine ressourcenschonende und effiziente Durchführung der Transportaufträge. Synergien und Einsparpotentiale werden wann immer möglich genutzt. Die Erfüllung der hoheitlichen Aufträge bedarf allerdings auch ein gewisses Maß an Kontinuität, Weiterbildung und Training auch im Realflug. Wann immer möglich werden Simulatoren als hocheffiziente und kostengünstige Ausbildungsmittel genutzt. Den Realflug können diese aber nicht vollends ersetzen.

Zusätzlich kommt die Bundeswehr auch den gesetzlichen Vorgaben nach und kompensiert die CO2Kohlendioxid-Emissionen der Flüge für den politisch-parlamentarischen Bereich nach dem Treibhausgas-Emissionshandelsgesetz. Als Zukunftsprojekt wird zudem die Entwicklung und Nutzung synthetischer Kraftstoffe angestrebt. Durch die Nutzung klimaneutraler synthetischer Kraftstoffe können hoheitliche Aufgaben auch künftig zuverlässig erfüllt und zugleich zu Klimaneutralität, Defossilierung und Nachhaltigkeit beigetragen werden.

von Björn Lenz

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