Innovation Challenge: Cerberus und zwei Apps überzeugen die Jury

Innovation Challenge: Cerberus und zwei Apps überzeugen die Jury

Datum:
Ort:
Berlin
Lesedauer:
6 MIN

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Elf Projekte in der Präsentation, drei muss die Jury auswählen. Jetzt hat die Smart Solutions Challenge des Cyber Innovation Hubs in Zusammenarbeit mit den Bundeswehr-Universitäten die Top 3 gekürt: Ein Programm für Cybersicherheit und Apps für politische Bildung und Nachwuchsgewinnung sollen umgesetzt werden. Frauen machten deutlich das Rennen.

Mehrere Personen, von hinten zu sehen, sitzten vor zwei Bildschirmen und verfolgen eine Präsentation

Präsentation: Die Jury stellt Leutnant zur See Florian Roth und Oberleutnant Marc Wietfeld (Bildschirm l.) Fragen zu ihrem Projekt BwBundeswehr IdentitY. Später werden sie zu den drei Teams mit den meisten Punkten gehören.

Bundeswehr/Sebastian Wilke

Die Blicke sind auf die die großen Bildschirme gerichtet. Aufmerksam lauscht die Jury den Teams, macht sich Notizen. Drei Minuten dauert eine Präsentation, ein Pitch. Fünf Minuten hat die Jury anschließend Zeit für kritische und weiterführende Fragen. So geht es elfmal – es sind elf Teams, insgesamt 23 Ideengeberinnen und Ideengeber, die ihre Projekte möglichst spannend darstellen und vor allem damit überzeugen wollen.

Eine Punktlandung machen letztlich aber nur drei von ihnen. Während die Teams via Videoschalte dabei sind, kann ein Teil der Jury sich in den Räumen des Cyber Innovation Hubs der Bundeswehr (CIHBwCyber Innovation Hub der Bundeswehr) in Berlin zusammenfinden. Natürlich alles unter den geltenden Hygiene- und Abstandsregeln. Aber immerhin ist eine hybride statt einer rein digitalen Veranstaltung möglich.

Vom Mitarbeiter zum Unternehmer

Wer die Szenerie von außen betrachtet, könnte sich an die Sendung „Die Höhle der Löwen“ erinnert fühlen. Eine Show, in der Start-ups ihre Ideen Unternehmern und Förderern unterbreiten, um eine Finanzspritze für ihr Vorhaben zu erhalten.

So ähnlich ist es auch bei der Smart Solutions Challenge. Nur dass es hier nicht um die freie Wirtschaft geht, sondern um kreative und innovative Ideen aus der Bundeswehr für die Bundeswehr. Der Schlüsselbegriff lautet: Intrapreneurship. Mitarbeitende werden zu Unternehmerinnen und Unternehmern in der Organisation, in der sie angestellt sind. In diesem Fall also Soldatinnen und Soldaten sowie zivile Beschäftigte, die Probleme in Prozessen aufzeigen und eine Lösung dafür bieten.

In Kooperation mit den Bundeswehr-Universitäten München und Hamburg war es die erste Innovation Challenge, initiiert vom Cyber Innovation Hub. Aus 82 Ideen schafften es elf vor die Jury.

Wochenlang, teils über Monate arbeiteten die Teams – bestehend aus Soldatinnen und Soldaten, Studierenden und wissenschaftlichen Mitarbeitern – an ihren Ideen. Sie entwickelten sie weiter, lernten, wie eine gute Präsentation funktioniert, erfuhren die tatsächlichen Bedürfnisse der späteren Nutzerinnen und Nutzer. Hierbei gehe es um den „Methodenkoffer“, wie Projektleiter Jan Krahn betont. Damit sollen die Ideengeber auch für ihren weiteren Werdegang als Intrapreneure gerüstet sein. Dadurch solle insbesondere das innovative und lösungsorientierte Denken gefördert werden, das maßgeblich für eine zukunftsorientierte Bundeswehr ist.

Ein Mann spricht in ein Mikrofon und gestikuliert, daneben ein Banner mit der Aufschrift "Smart Solutions Challenge 2020/21"

„Wir sind alle motiviert“: Sven Weizenegger, Leiter des Cyber Innovation Hubs der Bundeswehr, freut sich über das Engagement der Challenge-Teilnehmer und die zahlreichen kreativen Ideen.

Bundeswehr/Sebastian Wilke

Frauen punkten mit digitalen Ideen

Die Projekte mit den meisten Punkten sind:

  • BwBundeswehr IdentitY – eine App für die politische Bildung der Soldatinnen und Soldaten, wodurch das Prinzip und Leitmotiv der Inneren Führung vermittelt werden soll. Die Ideengeber sind Oberleutnant Marc Wietfield und Leutnant zur See Florian Roth von der Münchner Uni.
  • Nachwuchsgewinnung – eine App, die den ersten Kontakt für Interessierte am Bundeswehrdienst erleichtern soll. Mit ersten Fragen zu Eignung und Fähigkeiten soll sie Orientierung bieten und zudem einen direkten Kontakt zum nächstgelegenen Karrierecenter. Verantwortlich für das Projekt ist Oberleutnant Lisa Klopstock von der Uni in München.
  • Cerberus – ein Programm für die Cybersicherheit, benannt nach dem dreiköpfigen Höllenhund aus der griechischen Mythologie. Initiatorin ist Luise Timm von der Münchner Universität.

Eine Übersicht der gesamten Projekte gibt es hier.

Für diese Projekte geht es jetzt an die Umsetzung. Die Ideengeber werden jetzt vom CIHBwCyber Innovation Hub der Bundeswehr bei der Weiterentwicklung ihrer Ideen unterstützt. Der nächste Schritt ist der Fasttrack, also das Intrapreneurship-Programm des CIHBwCyber Innovation Hub der Bundeswehr, wie Krahn erklärt: „Wir werden mit den Top drei jetzt individuell arbeiten, und den Intrapreneuren dort helfen, wo sie Unterstützung brauchen. Das kann bedeuten, einen Prototypen zu entwickeln, Ressourcen zu investieren oder Kontakt mit dem Nutzer herzustellen.“ Das Ziel ist es, die Intrapreneure so zu unterstützen, dass sie ihre Ideen den Nutzerinnen und Nutzern möglichst schnell zur Verfügung stellen können. Sechs bis zwölf Monate sind hier angedacht.

„Es ist toll, dass Frauen hier stark vertreten sind“, sagt Rafaela Kraus, Vizepräsidentin der Münchner Uni, erfreut. Die Challenge sei sehr gut, um das Intrapreneurship zu stärken und zu fördern. Es sei notwendig, auch in Behörden und Organisationen wie der Bundeswehr unternehmerischer zu denken, um als Arbeitgeber zukunftsfähig zu sein.

Bei all den guten Ideen sei sie froh, kein Mitglied der Jury zu sein. Ihr persönlicher Favorit war der Uni-Portyx, ein portables Gerät, mit dem überall Ersatzteile gefertigt werden können. Doch das Projekt von Lennart Hildebrandt und Jonas Ahl aus Hamburg hat es nicht unter die ersten drei Plätze geschafft.

Eine Frau spricht in ein Mikrofon, daneben ein Banner mit der Aufschrift "Smart Solutions Challenge 2020/21"

Begeistert: Prof. Dr. Rafaela Kraus, Vizepräsidentin der Bundeswehr-Universität München.

Bundeswehr/Sebastian Wilke
Ein Soldat sitzt in einem Sessel

Juror: Vizeadmiral Dr. Thomas Daum ist der Inspekteur des Cyber- und Informationsraums.

Bundeswehr/Sebastian Wilke

Für viele Ideen geht es weiter

Das sei aber kein Grund zum Aufgeben, für keines der übrigen acht Teams. „Die überwältigende Resonanz der Jury hat uns dafür sensibilisiert, auf alle Ideen noch einmal individuell zu schauen“, resümiert Krahn. Alle würden selbstverständlich noch ein Feedback erhalten und die meisten Ideen würden sicher auch noch außerhalb der nun abgeschlossenen Challenge weiterverfolgt.

Wie beispielsweise das Thema digitale Buchung von Terminen beim Truppenarzt, ein Projekt von Maria Topp, Anna Zubkova und Armin Wagemann aus München. Das Projekt ist der Favorit von Vizeadmiral Thomas Daum. „Das ist ein unheimlich relevantes Thema, das viele betrifft.“ Auch die Krisenanalysesoftware von Fabian Obster und Marnie Laue aus der bayerischen Hauptstadt werde man weiter im Blick behalten.

Große Bandbreite und hohe Qualität

Die Bewertungen der einzelnen Ideen fielen natürlich unterschiedlich aus, aber Einigkeit herrscht in einem Punkt: Es soll eine Wiederholung der Smart Solutions Challenge geben. „Wir müssen dafür sorgen, dass wir die Dinge von Innen zum Besseren wandeln. Und das, was wir hier machen, zeigt, dass wir diesen Wandel schaffen können. Wir haben in der Bundeswehr extrem tolle und fähige Menschen“, betont Sven Weizenegger, Leiter des Cyber Innovation Hubs der Bundeswehr. „Wir sind die Trüffelschweine im Bereich des BMVgBundesministerium der Verteidigung, wir suchen kreative Köpfe. Man muss sie einfach nur finden und gemeinsam mit ihnen ihre Projekte umsetzen. Und ich glaube, dass es an den Universitäten der Bundeswehr tagtäglich die Trüffel sprießen.“

Die Jury kannte die Ideen bis zum Finale, dem Demo Day, nur grob. Die Qualität der Projekte und Pitches überraschte sie positiv. „Start-ups sind mein täglich Brot. Aber heute war es extrem – elf Pitches, die alle eine sehr, sehr hohe Qualität hatten“, resümierte Uwe Horstmann. Favoriten auszuwählen sei ihm schwergefallen. „Es sind sehr interessante Ideen und auch eine große Bandbreite von Ersatzteilfertigung bis Schafen in der Kaserne.“

Dem schließt sich Generalleutnant Michael Vetter an und führt aus: „Es ist ein tolles Signal, wie viel Kreativität wir in der Bundeswehr haben, wie viel Innovationskraft wir in unserer Organisation haben.“ Es sei schade, dass sich nicht alle elf Projekte umgesetzt werden können. „Aber einige Themen werden uns bestimmt auch noch weiter beschäftigen, auch wenn sie hier jetzt nicht gewonnen haben.“

Ein Mann spricht und gestikuliert

Experte für Innovationen: Juror Uwe Horstmann ist Entrepreneur und Mitbegründer von Project A Venture Capital, das Start-ups unterstützt.

Bundeswehr/Sebastian Wilke

Die Jury – Militärs und zivile Experten

Die Punkte vergeben: Michael Vetter, Generalleutnant der Luftwaffe und Abteilungsleiter der Cyber- und Informationstechnik im Bundesministerium der Verteidigung; Dr. Thomas Daum, Vizeadmiral und Inspekteur Cyber- und Informationsraum; Professor Dr. Klaus Beckmann, Präsident der Helmut-Schmidt-Universität in Hamburg; Martin Kaloudis, Hauptgeschäftsführer der BWI GmbHGesellschaft mit beschränkter Haftung; Uwe Horstmann, Founding Partner Project A Venture Capital; Vera Schneevoigt, Chief Digital Officer bei Bosch; Deepa Gautam-Nigge, Global Lead SAP Next-Gen Ecosystem sowie Prof. Dr. Merith Niehuss, Präsidentin der Bundeswehr-Universität München.

von Amina Vieth

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